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Eine schlafende Zeitbombe

19.03.2014

Schlafmangel wird mit einem hohen Cholesterinspiegel, Übergewicht und Depressionen in Verbindung gebracht. Nun sagen australische Forscher, dass Schlafmangel auch das Gehirn schädigen kann.

Zwei führende europäische Forscher für Schlaf- und Atemwegsstörungen haben zusammen mit der RMIT University, Melbourne, an einer gemeinsamen Studie über den Zusammenhang zwischen Alzheimer und obstruktiver Schlafapnoe (OSA) gearbeitet.


Forscher der RMIT University und der University of Iceland untersuchen, wie Schlafmangel das Gehirn schädigen kann. iStockphoto

Professor Thorarinn Gislason und Professor Bryndís Benediktsdóttir, ein Forscherehepaar der University of Iceland, gewährten der RMIT University Zugang zu ihrer Hirngewebsprobensammlung von Personen, die an OSA gestorben sind – bei den Proben handelt es sich um die vermutlich weltweit einzige Sammlung dieser Art.

Das Forscherduo arbeitet zusammen mit Professor Stephen Robinson von der gesundheitswissenschaftlichen Fakultät am Bundoora Campus der RMIT University an dem Langzeitprojekt.

„Die neuere Forschungsliteratur lässt vermuten, dass das Vorkommen des Schlafapnoe-Syndroms bei Patienten mit Alzheimer bei etwa 80 % liegt, wobei die Schlafapnoe in vielen Fällen nicht diagnostiziert wird und unbehandelt bleibt,“ so Professor Robinson, Stellvertretender Leiter der Forschungsfakultät. „Wir suchen nach Beweisen, dass OSA alzheimerähnliche Veränderungen im Gehirn verursachen kann.“

Obstruktive Schlafapnoe ist eine gefährliche – und manchmal fatale – Schlafkrankheit, die das Weichgewebe im hinteren Rachenraum nachts kollabieren lässt, wodurch die Atemwege versperrt und die Sauerstoffzufuhr unterbrochen werden. Patienten können im Schlaf bis zu 30 Sekunden lang aufhören zu atmen und wachen oft nach Luft schnappend auf.

Es wird angenommen, dass einer von fünf Menschen an einer Form dieser Krankheit leidet. Viele sind sich ihrer Krankheit jedoch gar nicht bewusst und führen ihre Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Reizbarkeit auf schlechten Schlaf zurück. „Offiziellen Schätzungen zufolge liegt der Anteil der Bevölkerung, der an OSA leidet, bei etwa 5%. Einige Forscher sagen jedoch, dass das Vorkommen weit unterschätzt wird und tatsächlich bei 10% bis 20% liegt, besonders im mittleren Alter, “ meint Professor Robinson.

Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass Schlafapnoe weitaus schlimmere Folgen haben kann als die täglichen Konzentrationsschwierigkeiten und schlechte Laune, welche Schlafmangel mit sich bringt. Laut Professor Robinson trägt eine unbehandelte Schlafapnoe maßgeblich zur Entwicklung von Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei, und somit zu einem deutlich erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

„Wir vermuten, dass Menschen, die im mittleren Alter unter dem Schlafapnoe-Syndrom leiden, im späteren Leben ein erhöhtes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken und wir versuchen zu verstehen, warum dem so ist,“ so Professor Robinson.

Das Forscherteam wird im Rahmen der Gemeinschaftsstudie basierend auf den 60 bereits vorhandenen Hirngewebsproben untersuchen, wie die Schlafstörung das Gehirn schädigen und den degenerativen Alterungsprozess beschleunigen kann. Die Forscher hoffen, das Langzeitprojekt auf einige Hundert Patienten ausweiten zu können.

Während man lange davon ausging, dass hauptsächlich Übergewicht für die Entstehung von obstruktiver Schlafapnoe verantwortlich ist, meint Professor Robinson, dass die Schlaf- und Atmungsstörung Menschen jeden Alters betreffen könne.

Über 50-Jährige haben ein erhöhtes Risiko, am Schlafapnoe-Syndrom zu erkranken, aber auch bei Kindern mit Entwicklungsstörungen kommt dieses vor, so sind etwa 80% der Kinder mit Down-Syndrom von Schlafapnoe betroffen. Männer leiden doppelt so oft unter der Störung wie Frauen. Die Forschung bringt OSA auch mit Nachtschweiß, Schlaflosigkeit, unruhigen Beiden, Bruxismus (Zähneknirschen), nächtlichem gastroösophagealen Reflux (Sodbrennen) und asthmaähnlichen Symptomen in Verbindung.

Weitere Informationen:

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
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Tel.: 030-20 96 29 593

oder

RMIT University
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Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist das gemeinnützige Studierendensekretariat aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Europa, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Weitere Informationen:

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Sabine Ranke-Heinemann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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