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Eine gezielte Immunantwort gegen Tumoren starten

29.01.2015

Impfung gegen Metastasen bei Augenkrebs in klinischer Studie

Ein neuartiges Impfverfahren soll zukünftig die Heilungschancen von Patienten mit einem Augentumor verbessern. Beim sogenannten Aderhautmelanom bilden sich sehr schnell neue Tumorabsiedlungen in anderen Organen, die sich kaum noch behandeln lassen.

Wissenschaftler der Universität Erlangen haben nun einen Impfstoff entwickelt, der das Immunsystem der Betroffenen dazu animiert, Jagd auf Tumoren zu machen. Derzeit untersuchen sie die Wirksamkeit ihres Verfahrens in einer klinischen Studie. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 2,4 Millionen Euro.

Das Aderhautmelanom ist der häufigste bösartige Tumor des Auges. Mit zunehmendem Alter steigt das Erkrankungsrisiko – zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr ist es besonders hoch. Wird der Tumor nicht früh genug behandelt, bilden sich in vielen Fällen Tochtergeschwülste – auch wenn der Tumor entfernt oder bestrahlt wurde. Diese Metastasen breiten sich schnell im Körper aus und führen oft innerhalb weniger Monate zum Tod.

„Wir wollen verhindern, dass sich überhaupt erst Metastasen bilden“, erklärt PD Dr. Beatrice Schuler-Thurner, Leiterin der Abteilung Experimentelle Immuntherapie des Universitätsklinikums Erlangen. „Dazu ist es nötig, eine gezielte Immunantwort gegen den Tumor aufzubauen.“

Wichtigster Verbündeter der Forscher ist eine hochspezialisierte Familie von Immunzellen, die Dendritischen Zellen. Sie sitzen an den Schalthebeln der Immunabwehr und entscheiden, ob Gefahr besteht und welche Abwehrmechanismen dann in Gang gesetzt werden. Lokalisiert in verschiedenen Geweben des Körpers, warten Dendritische Zellen auf eine potentielle Bedrohung der Gesundheit, wie etwa Viren, Bakterien oder Krebszellen.

Entdecken sie einen Schädling, erstellen sie ein Täterprofil und wandern zu den nächstgelegenen Lymphknoten, die Milz oder das Knochenmark, wo sich unter anderem zellzerstörende T-Killerzellen tummeln und auf ihren Einsatz warten. Die Dendritischen Zellen übermitteln ihnen das Täterprofil, aktivieren die Killerzellen und schicken sie zum Einsatz am Krankheitsherd, um die Gefahr zu bekämpfen.

„Durch die Weitergabe des Täterprofils an Killerzellen wird eine schützende Immunantwort gegen den Tumor initiiert“, so Schuler-Thurner weiter. „Unser Impfstoff startet die Immunantwort, die bei den meisten Krebspatienten deshalb nicht in Gang kommt, weil der Tumor sie blockiert.“

Das Konzept der Wissenschaftler: Sie stellen einen Immuncocktail aus zuvor entnommenen Dendritischen Zellen beladen mit Tumorerkennungsmerkmalen des Patienten her – einen personalisierten und gezielt auf den Tumor zugeschnittenen Impfstoff. „Zurück im Patienten aktiviert der Impfstoff die Killerzellen ohne Umwege und zögert das Auftreten von Metastasen hinaus – im besten Fall verhindert er sie für immer.“

200 Patienten aus neun deutschen Augenkliniken sollen nun in die sechs Jahre dauernde klinische Studie aufgenommen werden. Betroffene, die sich für eine Teilnahme an der Studie interessieren, erhalten weitere Informationen unter der Nummer 09131/8545833 und per E-Mail unter experimentelle-immuntherapie@uk-erlangen.de.

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Fortschritte in der Krebsforschung machen Immuntherapien immer effizienter. Diese weltweit einmalige Studie sowie der große wissenschaftliche Erkenntnisgewinn der vergangenen Jahre zeigen, welch enormes Potential in diesen Therapieverfahren steckt. Die Deutsche Krebshilfe wird auch weiterhin innovative Forschungsvorhaben auf diesem Gebiet fördern.“

Interviewpartner auf Anfrage.

Hintergrundinformation: Krebsforschung

Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue und immer wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. Diese Erfolge sind auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken – die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. In den letzten Jahren investierte die Deutsche Krebshilfe jährlich rund 35 bis 40 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Ziel der Forschungsförderung der Deutschen Krebshilfe ist es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen sowie die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen stetig zu verbessern.

Dr. med. Svenja Ludwig | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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