Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eileiteroperation unter Mikroskop für erfüllten Kinderwunsch

14.11.2008
Ärzte der Jenaer Frauenklinik stellen mit mikrochirurgischem Verfahren Fruchtbarkeit wieder her

Einer der häufigsten Gründe für die Unfruchtbarkeit bei Frauen ist der Verschluss der Eileiter. Verwachsungen oder Entzündungen hindern die reifen Eizellen daran, ihren Weg in Richtung Gebärmutter anzutreten - eine wichtige Voraussetzung, um schwanger werden zu können.

Für die betroffenen Frauen ist damit der Kinderwunsch ohne ärztliche Hilfe unerfüllbar, oft bleibt nur der Weg einer künstlichen Befruchtung. Ein oft psychisch belastendes und durch die neuen Regelungen zur Kostenübernahme durch die Kassen inzwischen sehr teures Verfahren.

Die Alternative, eine Operation der Eileiter zu ihrer Wiederherstellung, stellt die Chirurgen vor große Herausforderungen. "Die Eileiter haben einen Durchmesser von nur zwei Millimetern", erläutert Prof. Dr. Ingo Runnebaum, Leiter der Fortpflanzungsmedizin und geschäftsführender Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Jena (UKJ). "Der Operateur muss nun diese kleinste Öffnung so wieder vernähen, dass die befruchtete Eizelle diese problemlos auf ihrem Weg passieren kann, ohne aufgehalten zu werden - denn sonst würde es zu einer Eileiterschwangerschaft kommen."

Die Jenaer Chirurgen setzen dafür jetzt eine spezielle mikrochirurgische Technik ein, indem sie unter einem Mikroskop operieren. "Damit können wir noch feiner arbeiten, und beispielsweise auch angeborene Unterbrechungen der Eileiter beseitigen", so Runnebaum. In dieser Woche haben die Jenaer Gynäkologen erstmals einen Eingriff mit dem neuen Verfahren durchgeführt. "Dank dieser Technik können wir jetzt vielen Frauen die Hoffnung auf einen erfüllten Kinderwunsch wiedergeben, indem wir die Fruchtbarkeit wiederherstellen", sagt Prof. Dr. Ingo Runnebaum. Vergleichende Studien hätten bereits gezeigt, dass nach diesem Operationsverfahren die Chancen für eine Schwangerschaft sogar größer sind als bei einer künstlichen Befruchtung.

Verursacht werden Verschlüsse der Eileiter in 40 Prozent durch Entzündungen, die durch sexuell übertragene Infektionen mit Chlamydien und Mykoplasmen ausgelöst werden. Diese Infektionen sind in Europa die häufigsten sexuell übertragenen Krankheiten mit bakteriellen Ursachen, in Deutschland sind etwa 10 Prozent vor allem junger Frauen davon betroffen.

Bei ungewollter Kinderlosigkeit wird deshalb in der gynäkologischen Kinderwunschsprechstunde durch einen Bluttest auf Chlamydien-Antikörper und durch bildgebende Darstellung der Eileiter das Problem abgeklärt. Die Behandlung erfolgt dann entweder durch die künstliche Befruchtung oder das neue mikrochirurgische Operationsverfahren. "Vielen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch ist heute wichtig, die Wahl zwischen beiden Behandlungsmöglichkeiten zu haben, um individuell entscheiden zu können", so Prof. Runnebaum. Zudem werden die Kosten des operativen Verfahrens zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit durch die Krankenkassen übernommen, die Kosten für die künstliche Befruchtung jedoch nur zum Teil.

Die Kinderwunschsprechstunde des Jenaer Universitätsklinikums ist unter der Telefonnummer 03641-933529 erreichbar.

Ansprechpartner für die Presse:
Prof. Dr. Ingo B. Runnebaum
Geschäftsführender Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/933063
E-Mail: Direktion-gyn[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik