Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eigener Körper außer Kontrolle - bessere Versorgung für Patienten mit Tourette-Syndrom

11.02.2009
Unkontrolliertes Zucken und Bewegen, ungehemmtes Räuspern und Grunzen oder das Verwenden von Kraft- und Fäkalausdrücken können Anzeichen einer Tic-Störung sein, die vor allem bei Kindern im Alter von drei bis elf Jahren erstmals auftritt. Kommen verschiedene solcher Tics dauerhaft vor, spricht man vom Tourette-Syndrom.

Da das Wissen über diese Störung oft noch unzureichend ist, sind Betroffene lange Zeit selbst im Unklaren über ihr Störungsbild. Die Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie weitet nun ihr Sprechstundenangebot und die Erforschung dieser Störung aus.

Patienten mit einem Tourette-Syndrom sind europaweit unterversorgt, das stellte die Europäische Gesellschaft für die Erforschung des Tourette-Syndroms (European Society for the Study of Tourette-Syndrome) auf ihrer Jahrestagung fest. "Für die Betroffenen und ihre Umgebung ist aber schnelle Aufklärung nötig", erklärt PD Dr. Andrea Ludolph, Oberärztin der Ulmer Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie.

"Kinder werden oft wegen ihrer Tics gehänselt oder in der Schule bestraft und entwickeln dann weitere Krankheitsbilder wie zum Beispiel Angststörungen. Die häufigste Begleiterkrankung, die es den Kindern schwer macht, ist die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Die Eltern wissen oft nicht, wie sie mit ihren Kindern, die sich unkontrolliert bewegen oder Geräusche machen, umgehen sollen." Studien zeigen, dass allein schon frühe Aufklärung die Betroffenen entlastet und deutlich zur Verbesserung der Lebenssituation beitragen kann.

Wichtig ist daher zum einen, die Gesellschaft besser über die Erkrankung aufzuklären, damit Betroffene Hilfe suchen und sich nicht für "verrückt" halten. Dazu dient beispielsweise eine für Mai 2009 geplante Informationsveranstaltung für Lehrer. Zum anderen müssen die ärztliche Versorgung verbessert, die europaweit langen Wartezeiten verkürzt werden. In der Ulmer Spezialsprechstunde verkürzen sich dank besserer personeller Ausstattung nun die bisher langen Wartezeiten von einigen Monaten.

"Die Betroffenen sollten so bald wie möglich über ihre Störung aufgeklärt werden. Gemeinsam finden wir dann heraus, wann die Tics verstärkt auftreten oder was sie abmildert. Entspannungstechniken oder gezieltes Verhaltenstraining können mitunter helfen, die Symptome zu lindern", erläutert Dr. Ludolph.

Heilbar ist die Erkrankung bis heute nicht. Bei schweren Verläufen werden auch Medikamente eingesetzt, die bei anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen Erfolg gezeigt haben. "Wir müssen aber mehr über die Wirkung der Medikamente speziell bei Tourette-Patienten herausfinden. Dazu starten wir jetzt beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover eine größere klinische Studie. Außerdem wollen wir einheitliche europäische Behandlungsleitlinien erarbeiten", beschreibt Dr. Ludolph ihre Ziele.

Das Tourette-Syndrom ist eine neuropsychiatrische Störung, deren Ursachen bis heute nicht genau geklärt sind. Es gibt Hinweise darauf, dass ein veränderter Stoffwechsel chemischer Botenstoffe im Gehirn an der Entstehung beteiligt ist. Bei 96% der Patienten tritt die Störung vor dem 11. Lebensjahr auf, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Oft schwächen sich die Symptome in der Pubertät ab.

Petra Schultze
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 29
D - 89081 Ulm
Tel.: +49 - (0)731 - 500.43.025
Fax: +49 - (0)731 - 500.43.026
Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de

Petra Schultze | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de
http://www.uniklinik-ulm.de/kjpp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics