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Ectoin: ein Naturstoff verbessert Lungenentzündung

20.02.2013
Wissenschaftler des IUF Leibniz-Instituts für Umweltmedizinische Forschung konnten erstmals einen positiven Einfluss des Naturstoffes Ectoin auf die Lungenentzündung im Zusammenhang mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)nachweisen.

Ectoin ist nicht nur in der Lage, der schädlichen Wirkung von Staubpartikeln auf die gesunde Lunge vorzubeugen, der Wirkstoff hat auch das Potential, eine bestehende Lungenentzündung zu vermindern. Die Forschungsergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe (Februar 2013; 41:433-442) der renommierten Fachzeitschrift für Lungenerkrankungen European Respiratory Journal beschrieben. doi:10.1183/09031936.00132211

Die chronische obstruktive Lungenerkrankung (chronic obstructive pulmonary disease, COPD) ist eine der häufigsten Zivilisationserkrankungen unserer Zeit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren 2004 weltweit 64 Millionen Menschen an COPD erkrankt und es wird erwartet, dass innerhalb der nächsten Jahre COPD zur dritthäufigsten Todesursache wird.

Die Ursache dieser Erkrankung liegt vor allem in der Belastung der Atemluft mit Schadstoffen wie Zigarettenrauch oder Feinstaub aus Verbrennungsprozessen. Gängige Therapien wie z.B. die Inhalation von Glukokortikoiden (Kortison) sind bei dieser Erkrankung wenig wirksam, da ein bestimmter Typ von Entzündungszellen (neutrophile Granulozyten), die gegen diese Therapie unempfindlich sind, in die Lunge einwandert und dort das Lungegewebe schädigt und zu einer Aufrechterhaltung und stetigen Verstärkung der Entzündungsreaktion führt. Die Folgen davon sind der Abbau des Bindegewebes der Lunge (Emphysem), chronische Bronchitis und eine Verengung der oberen Atemwege. Die Patienten können im Endstadium dieser irreversiblen Krankheit nur noch unter ständiger Sauerstoffbeatmung überleben.

In Zusammenarbeit mit der Biotechnologiefirma bitop AG aus Witten wurde nun in der Arbeitsgruppe von Dr. Klaus Unfried am IUF Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf (Direktor Prof. Jean Krutmann) der Wirkstoff Ectoin in vorklinischen Studien untersucht. Ectoin stammt aus Bakterien, die an extremen Standorten überleben können. Der Stoff stabilisiert Zellen und schützt so gegen schädliche Umwelteinflüsse.

Da der Stoff sehr gut von allen lebenden Zellen vertragen wird, haben die Forscher nun versucht, die stabilisierende Wirkung im Modell der umweltinduzierten Lungenentzündung zu demonstrieren. Bereits aus früheren Experimenten wussten die Wissenschaftler, dass Ectoin in der Lage ist, der schädlichen Wirkung von Staubpartikeln auf die gesunde Lunge vorzubeugen.

In der aktuellen Ausgabe (Februar 2013; 41:433-442) der renommierten Fachzeitschrift für Lungenerkrankungen European Respiratory Journal beschreiben sie nun, dass dieser Wirkstoff auch das Potential hat, eine bestehende Lungenentzündung zu vermindern. Zusammen mit der Klinik für Hand- und Unfallchirurgie der Heinrich-Heine-Universität zeigen die Forscher, dass bei dieser Form der Lungenentzündung die Lebensdauer der Entzündungszellen verlängert ist. So tragen Zellen, die den Organismus eigentlich vor Infektionen schützen sollen, zur Verschlimmerung der Krankheit bei.

Diesem Effekt beugt der biophysikalische Wirkstoff Ectoin vor. Durch eine Stabilisierung der Zellmembran sterben die Entzündungszellen zu dem von der Natur vorgesehenen Zeitpunkt ab und die Entzündung geht zurück. Dieser Mechanismus funktioniert nicht nur im Modellsystem, sondern ließ sich auch in gemeinsamen Untersuchungen mit den Ärzten der Klinik für Angiologie, Pneumologie und Kardiologie (Düsseldorf) in Zellen aus dem Blut von COPD-Patienten nachweisen. Da der Naturstoff Ectoin bereits als Medizinprodukt zur Inhalation zugelassen ist, sind die Forscher optimistisch hinsichtlich weiterführender Studien zur potentiellen Anwendung beim Menschen.

Kontakt
Dr. Klaus Unfried
IUF Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung, Auf'm Hennekamp 50, 40225 Düsseldorf, Tel.: #49 (0) 211 3389-0, Klaus.Unfried@uni-duesseldorf.de

Dr. Katharina Beyen | idw
Weitere Informationen:
http://www.iuf-duesseldorf.de

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