Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ebola-Impfstudie im UKE: Impfstoff aktiviert Immunsystem zuverlässig gegen Ebola

02.04.2015

Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) liegen erste Ergebnisse der klinischen Phase-I-Prüfung eines potenziellen Impfstoffs gegen das gefürchtete Ebola-Virus vor. Auch in Genf (Schweiz), in Lambaréne (Gabun) und in Kilifi (Kenia) haben Wissenschaftler die Vakzine „rVSV-ZEBOV“ parallel an insgesamt 158 freiwilligen gesunden Erwachsenen untersucht. Diese ersten Ergebnisse sind heute im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht worden.

„Wir freuen uns, dass das UKE auf diese Art und Weise gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern und Experten vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) den weltweiten Kampf gegen Ebola unterstützt. Nach wie vor wird ein Impfstoff dringend benötigt, denn die aktuelle Ebola-Epidemie ist nicht besiegt und weitere Ausbrüche in der Zukunft können nicht ausgeschlossen werden“, so Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE.

„Es ist uns gelungen, trotz erheblicher regulatorischer, logistischer und organisatorischer Hürden gemeinsam mit den anderen Zentren diese wichtige Impfstudie so zügig zu beginnen und erfolgreich durchzuführen”, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik. „Noch nie hat es eine so schnelle Impfstoffentwicklung gegeben wie jetzt im Falle von Ebola.”

Seit November 2014 läuft die Phase I der Klinischen Studie des Impfkandidaten mit dem Namen „rVSV-ZEBOV“ im Clinical Trial Center North (CTC North) am UKE. „Die vorläufigen Ergebnisse zur Verträglichkeit und Sicherheit sowie zur Immunantwort auf den Impfstoff-Kandidaten sind vielversprechend“, erklärt Prof. Dr. Marylyn Addo.

„Die Nebenwirkungen waren überwiegend mild oder moderat und im Rahmen dessen, was für Lebendimpfungen zu erwarten ist.“ Die Infektionsmedizinerin hat am UKE die Studie in Hamburg geleitet. Sie ist eine der verantwortlichen Autoren der aktuellen Veröffentlichung, in der die Ergebnisse für alle vier Standorte dargestellt sind. Die beteiligten Wissenschaftler sind Teilnehmer von VEBKON, eines von der WHO gegründeten Experten-Konsortiums, dessen Ziel die rasche und koordinierte klinische Testung der Ebola-Vakzine in Afrika ist.

Zur Studie
Insgesamt 158 gesunde Probanden wurden an den vier Standorten mit ansteigend hohen Dosen des potenziellen Vakzins geimpft. In Genf wurde eine Doppelblindstudie durchgeführt. Bei der verwendeten Vakzine rVSV-ZEBOV handelt es sich um ein abgeschwächtes, gentechnisch verändertes Vesikuläres Stomatitis-Virus (VSV), das ein Oberflächenprotein des Ebola-Virus trägt. Gegen dieses Protein soll das Immunsystem der Geimpften Antikörper bilden, die im Falle eines Kontakts mit dem Ebola-Virus die Krankheit zu verhindern helfen. Die Wissenschaftler haben die Sicherheit, die Verträglichkeit und die Art der Immunantwort auf die Vakzine erstmals am Menschen getestet.

Im Studienzentrum CTC North am UKE haben freiwillige Probanden den potenziellen Impfstoff erhalten. Drei bis fünf Tage blieben sie unter stationärer Beobachtung. Anschließend wurden sie ambulant engmaschig nachuntersucht. Prof. Addo: „Das Engagement der Probanden war sehr groß, viele haben sich schon deutlich vor Beginn der Studie freiwillig gemeldet. Das hat uns unsere Arbeit sehr erleichtert und zum Erfolg der Studie beigetragen.“

Wichtige Ergebnisse
Sicherheit und Verträglichkeit: Es gab keine schweren Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Impfstoff. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, wurden erwartungsgemäß auch geringe Mengen an Impfviren im Blut gemessen, allerdings nur in den ersten Tagen. Eine Virusvermehrung scheint durch das Immunsystem kontrolliert und begrenzt zu werden. In Speichel und Urin wurden keine Viren nachgewiesen.

Wirkung auf das Immunsystem: Bei allen Teilnehmern wurde das Immunsystem durch die einmalige Impfung angeregt, Antikörper zu bilden, die spezifisch gegen das Ebola-Oberflächenprotein gerichtet waren. Die Antikörper konnten die Infektion durch das Ebola-Virus im Reagenzglas hemmen. „Diese Ergebnisse zeigen, dass der neue Impfstoff das Potenzial hat, auch bei dramatischen Ausbrüchen wie dem aktuellen Ebola-Virusausbruch eingesetzt zu werden“, sagt Prof. Dr. Stephan Becker, dessen Labor an der Philipps-Universität Marburg die Immunantwort aller Studienteilnehmer untersuchte.

Die ersten Ergebnisse fließen jetzt in weitere Studien in Westafrika ein, in denen die ermittelten optimalen Impfdosen eingesetzt werden. In Guinea, wo die Ebola-Epidemie immer noch viele Todesopfer fordert, wird der Impfstoff auf der Basis der ersten Ergebnisse dieser Impfstudie bereits in einer größeren Phase II/III Studie getestet. Geimpft werden dort die Kontaktpersonen von Ebola-Patienten. Rund 10.000 Menschen sollen in den kommenden Wochen an dieser Testreihe teilnehmen.

Zusammenarbeit
Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) hat die Vorbereitung der Studie am UKE in Hamburg unterstützt. Das DZIF, das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie der britische Wellcome Trust haben die Fördermittel für die Vorbereitung und Durchführung der klinischen Prüfung zur Verfügung gestellt. Der Impfstoffkandidat wurde von der Kanadischen Gesundheitsbehörde an die WHO gespendet und von dieser für diese Studien bereitgestellt. Gemeinsam reagieren alle Beteiligten damit rasch und konzertiert auf die dramatische Ebola-Epidemie in Westafrika. Bei der Vorbereitung der Studie haben die DZIF-Wissenschaftler an den Standorten Hamburg, Gießen-Marburg-Langen und Tübingen eng mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zusammengearbeitet, das als Partner des DZIF die Erforschung neuer Impfstoffplattformen unterstützt. In Hamburg wurde die Studie in enger Kooperation mit dem Heinrich-Pette-Institut und dem Bernhard-Nocht-Institut durchgeführt.

Einsatz des UKE im Kampf gegen Ebola
Im August 2014 wurde ein WHO-Mitarbeiter, der sich mit dem Ebola-Virus infiziert hatte, in das UKE eingeliefert. Nach fünf Wochen auf der Sonderisolierstation konnte er Anfang Oktober 2014 geheilt entlassen werden. Die betreuenden Ärzte und Infektiologen des UKE, des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) berichteten, dass der Patient mit schweren Komplikationen zu kämpfen hatte. Neben einem schwerwiegenden Flüssigkeitsmangel infolge der Ebola-Infektion machte eine bakterielle Blutvergiftung weitere intensivmedizinische Maßnahmen notwendig.

Literatur:
Selidji T. Agnandji, M.D.; Angela Huttner, M.D.; Madeleine E. Zinser M.D.; Patricia Njuguna M. M.D. et al. Phase 1 Trials of rVSV Ebola Vaccine in Africa and Europe — Preliminary Report. N Engl J Med, online first release on April 1, 2015. DOI: 10.1056/NEJMoa1411627

Christine Trowitzsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uke.uni-hamburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie