Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchfälle und Magen-Darm-Infekte nehmen zu - Bei Verdacht den Gastroenterologen aufsuchen

10.10.2012
Wellen von Magen-Darm-Infekten treten in Deutschland seit einigen Jahren vermehrt auf.

Die Zahl der stationär behandelten infektiösen Durchfallerkrankungen lag 2010 bei weit über 250 000. Mehr als 3500 Betroffene starben in der Folge. Im Jahr 2011 registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin allein 65 000 Fälle meldepflichtiger, stationär zu behandelnder Fälle.

Um Durchfall-Epidemien einzudämmen und Patienten wirksam zu helfen, ist eine zügige Suche nach den Ursachen entscheidend. Deshalb sollten sich Betroffene schnellstmöglich gastroenterologisch behandeln lassen. Dies betont die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Die DGVS weist im Zusammenhang mit dem abklingenden, bisher größten lebensmittelbedingten Ausbruch infektiöser Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland darauf hin, dass sich massenhafte Durchfallinfekte auch zukünftig leider nicht vermeiden lassen. Bekämpfen ließe sich die Ausbreitung der Erreger jedoch durch bestmögliche Hygiene.

Insbesondere das Norovirus – ein hoch ansteckender Erreger von meist schlagartig einsetzendem Durchfall und heftigem Erbrechen – verbreitet sich stark: Laut Statistischem Bundesamt wuchs die Zahl der stationär behandelten Fälle in Deutschland von einigen hundert im Jahr 2000 auf über 40 000 im Jahr 2011. Eine ähnliche Häufigkeit erreicht das vor allem bei Eltern von Kleinkindern gefürchtete Rotavirus: Der Durchfallinfekt geht mit Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen einher. Weil die kleinen Patienten schnell viel Flüssigkeit verlieren, kann die Krankheit lebensbedrohlich verlaufen.
Die DGVS reagiert damit auch auf die berichteten mehr als 11 000 Fälle von Durchfallerkrankungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Untersuchungen des RKI haben jetzt mit Noroviren verunreinigte Tiefkühlerdbeeren als Ursache erkannt. „Auch diese Epidemie passt in das Bild, dass einige infektionsbedingte Magen-Darm-Erkrankungen jahreszeitlich gehäuft und bei Patienten bestimmten Alters auftreten“, sagt DGVS-Experte Professor Dr. med. Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena. Labortests an fast 100 000 Stuhlproben aus den Jahren 2002 bis 2008 aus Süddeutschland wiesen zwar über das ganze Jahr die verschiedensten Erreger nach. Noroviren jedoch treten vorwiegend zwischen September und April auf, Rotaviren zwischen Dezember und Juni. Bakterien kommen vermehrt von Juni bis November vor. Einzelne Erreger finden sich gehäuft bei Kindern und älteren Menschen: Säuglinge erkranken am häufigsten an Rota-, Noro- und Adenoviren. Im Kindergarten- und Schulalter häufen sich bakterielle Darminfekte durch Salmonellen und Campylobacter. Patienten ab 60 Jahren erkranken überwiegend an Noro-, Rotaviren und dem Bakterium Clostridium difficile.

Diese Ergebnisse erlauben auch ein gezielteres Vorgehen bei der Ursachensuche: „Da bestimmte Keime eindeutig alters- und saisonabhängig vorkommen, empfiehlt sich eine Stufendiagnostik, nach der wir zuerst auf die häufigsten Erreger testen“, sagt Professor Stallmach. Seien die Tests negativ, müssten Ärzte das Spektrum schnell auf andere Erreger erweitern. Im Idealfall dauern einfache Tests wenige Stunden beziehungsweise ein Arbeitstag. Patienten müssten ausreichend Flüssigkeit aufnehmen und, wenn möglich, isoliert werden, damit sie niemanden anstecken.
Wichtig sei laut DGVS auch, dass Patienten schnellstmöglich in die Hände von Experten gelangen. Der Gastroenterologe kann nach der Diagnose die geeignete Therapie einleiten und in den meisten Fällen helfen: „Bei nicht zusätzlich geschwächten Erwachsenen klingt ein solcher Infekt schon nach wenigen Tagen ab“, sagt Professor Stallmach. Dass derartige Epidemien zukünftig immer wieder auftreten, sei jedoch nicht vermeidbar, bedauert der Experte. „Wir müssen deshalb in der Lage sein, schnell und richtig zu reagieren.“ Die DGVS entwickelt zurzeit ein Zertifikat für Ärzte, die sich für die Behandlung gastrointestinaler Infektionen besonders qualifizieren.

Schutz vor einem Darminfekt biete vor allem gründliche Hygiene: Desinfektion, Hand- und Mundschutz verhindern, dass Keime von Mensch zu Mensch wandern. Kliniken, Heime oder etwa Großküchen sollten sich dabei laut DGVS an den höchsten Standards orientieren.

Über die DGVS:
Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen der DGVS ist die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle DGVS
Anna Julia Voormann
Irina Lorenz-Meyer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-984
voormann@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgvs.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie