Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch bei Herzklappenimplantation

03.08.2011
Kardiologen des Universitätsklinikums Heidelberg setzten deutschlandweit erstmals Klappenprothese per Leistenkatheter ins Herzinnere ein / 81-jährige Patientin hat den Eingriff gut überstanden

Der Eingriff galt lange als technisch nicht möglich. Nun haben Kardiologen des Universitätsklinikums Heidelberg erstmals in Deutschland bei einer 81-jährigen Patientin eine Herzklappenprothese in der schwer zugänglichen Position der sogenannten Mitralklappe mit Hilfe eines Leistenkatheters eingesetzt. Die Klappe liegt im Innern des Herzens zwischen linker Vor- und Hauptkammer und ist mit einem Katheter nur auf Umwegen und mit sehr viel Geschick zu erreichen. Weltweit ist dies die zweite erfolgreiche Klappenimplantation dieser Art.


Über einen Leistenkatheter platzierten Professor Dr. Raffi Bekeredjian und sein Team die künstliche Klappe am Eingang zur linken Herzkammer. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

„Bisher war für die Implantation einer Klappenprothese an dieser Stelle eine Operation am offenen Herzen oder ein minimal-invasiver Eingriff mit Schnitten in Brustkorb und Herzspitze nötig“, erklärt Professor Dr. Raffi Bekeredjian, Oberarzt der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pulmonologie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Hugo A. Katus), der den Eingriff durchführte. Für die schwerkranke Patientin kam beides nicht in Frage: Wegen ihres hohen Alters und weiteren Erkrankungen wäre jede Operation am Herzen zu riskant gewesen.

Schonender Eingriff erspart wiederholte Operation am Herzen

Die Frau aus dem Hohenlohekreis war bereits zweimal am Herzen operiert und mit einer Klappenbioprothese versorgt worden. Zuletzt hatte eine Entzündung die Klappe erneut schwer beschädigt. Schließt die Mitralklappe nicht mehr, ist das Herz kaum noch in der Lage, ausreichend sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pressen.

Am 22. Juli 2011 nahm Professor Bekeredjian mit seinem Team den technisch sehr komplizierten Eingriff vor, der große Erfahrung in der Klappenimplantation per Katheter voraussetzt: Über einen kleinen Zugang in der Leistenvene schob er die auf einen Katheter montierte Klappenprothese zunächst in den rechten Herzvorhof, durchstach die Scheidewand zwischen rechtem und linkem Vorhof und platzierte sie dann in der älteren, defekten Mitralklappenprothese (Valve-in-Valve Implantation) am Eingang zur linken Herzkammer. „Der direkte Weg über die Aorta in den linken Vorhof ist für den recht großen Katheter zu stark gewinkelt, die Kurven sind zu eng“, erklärt der Kardiologe.

Diese Art der Klappenimplantation ist nur dann möglich, wenn an dieser Stelle schon einmal eine Prothese eingesetzt wurde: Der stabile Drahtrahmen der älteren Klappe gibt auch der neuen im weichen Muskel- und Bindegewebe innerhalb des Herzens sicheren Halt. Zum Einsatz kam eine Klappenprothese, die eigentlich als Ersatz für defekte Aortenklappen konzipiert ist (Edwards Klappe), aber auch an dieser Position gute Dienste tut. Eine spezielle Mitralklappe, die per Leistenkatheder implantiert werden kann, gibt es noch nicht.

Weltweit erst dreimal durchgeführt

Nach dem geglückten Eingriff reichte ein Druckverband aus, um das einen Zentimeter durchmessende Loch in der Leistenvene zu verschließen. Die Öffnung in der Vorhofscheidewand zog sich von selbst wieder zusammen. Bereits nach zwei Tagen hatte sich die Patientin soweit erholt, dass sie von der Intensivstation auf normale Station verlegt werden konnte.

„Dieser Eingriff wurde, soweit bekannt ist, weltweit erst dreimal durchgeführt“, so Bekeredjian. Der erste Implantationsversuch vor wenigen Jahren in Kanada blieb ohne Erfolg. Seitdem galt dieses Vorgehen als nicht machbar. „Nun haben wir nach den Kollegen der San Raffaele Universitätsklinik in Mailand, denen eine solche Implantation Anfang 2011 gelang, gezeigt, dass es doch geht“, freut sich der Herzspezialist.

Mehr im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/kardiologie
Ansprechpartner für Journalisten:
Professor Dr. med. Raffi Bekeredjian
Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumolgie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 390 97 oder 568670
E-Mail: raffi.bekeredjian@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/kardiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften