Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch bei der Behandlung von Zystennieren

28.06.2010
Der Nephrologie am Universitätsklinikum Freiburg, unter der Leitung von Professor Dr. Gerd Walz, ein erster Durchbruch bei der Behandlung von Zystennieren gelungen. In einer großen Studie konnte gezeigt werden, dass man mit dem Medikament Everolimus, welches sonst in der Nierentransplantation eingesetzt wird, das Wachstum von Nierenzysten verzögern kann.

Die Freiburger Wissenschaftler veröffentlichten die Ergebnisse im renommierten Fachmagazin „New England Journal of Medicine“

Die Freiburger Nephrologie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Zystennieren – einer angeborenen Erkrankung, die im Laufe des Lebens die Nieren zerstören kann. Oft werden die Nieren so groß, dass sie entfernt werden müssen. Die Folge ist, dass viele Patientinnen und Patienten im Alter von etwa 50 Jahren auf eine Nierenwäsche angewiesen sind, um am Leben zu bleiben.

Die Gewissheit, dass dieses Schicksal irgendwann auf jeden Träger dieser Erkrankung zukommt, belastet die Patienten und ihre Angehörigen lebenslang. Durchschnittlich erbt jedes zweite Kind die Erkrankung von seinen Eltern, aber sie kann auch spontan auftreten.

Nun ist der Nephrologie am Universitätsklinikum Freiburg, unter der Leitung von Professor Dr. Gerd Walz, ein erster Durchbruch bei der Behandlung von Zystennieren gelungen. In einer großen Studie konnte gezeigt werden, dass man mit dem Medikament Everolimus, welches sonst in der Nierentransplantation eingesetzt wird, das Wachstum von Nierenzysten verzögern kann. Bei einzelnen Patienten führte das Medikament auch zu einer besseren Nierenfunktion. An der Studie haben sich 24 akademische Zentren in drei Ländern und über 430 Patienten beteiligt.

Die Ergebnisse der Studie wurden am 26. Juni 2010 im renommierten medizinischen Fachmagazin „New Journal of Medicine“ online veröffentlicht. Zeitgleich wurden die Ergebnisse auf dem internationalen Nieren-Kongress, dem ERA-EDTA-Kongress in München, mehreren tausend Nephrologen aus aller Welt präsentiert.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass es erstmals möglich ist, auch genetische Erkrankungen durch Tabletten zu beeinflussen. Bisher schien nur der Ersatz der Genfunktion möglich. Mit den neuen Befunden wird nun ein Paradigmenwechsel eingeleitet, denn offensichtlich ist es möglich, auch komplexe genetische Erkrankungen mit Medikamenten zu behandeln. Voraussetzung hierfür ist, dass man die pathogenetischen Zusammenhänge ausreichend gut versteht. Hier haben Labore in aller Welt, vor allem aber auch in Freiburg, in jahrzehntelanger Kleinarbeit wichtige Aspekte der Krankheitsentstehung herausgearbeitet.

„Das sind wirklich gute Nachrichten für die Patientinnen und Patienten, die an dieser Erkrankung leiden, vor allem, wenn sie sich noch in einem frühen Stadium befinden“, so Professor Walz. „Allerdings werden weitere Studien notwendig sein, um den optimalen Einsatz der Medikamente herauszufinden. Denn wie so oft hat auch dieses Medikament nicht nur positive Wirkungen, sondern auch erhebliche Nebenwirkungen. Es ist daher zu früh, das Medikament bedenkenlos und außerhalb von weiteren Studien einzunehmen“, warnt er.

Zu den vielversprechenden Ergebnissen kamen die Freiburger Wissenschaftler nicht über Nacht: Bereits vor einigen Jahren haben sie, zusammen mit Arbeitsgruppen in den USA, herausgefunden, dass die Erkrankung zu verschiedenen Störungen der Signalübertragung in den betroffenen Nierenzellen führt. Schon 2005 konnte die Abteilung mit einer vielbeachteten Arbeit im Journal „Nature Genetics“ wesentliche Hinweise für die zellulären Programme liefern, die bei Zystennieren gestört sind. Im Jahr 2006 entschlossen sich die Freiburger Nephrologen dazu, eine europäische Studie zu initiieren, um die Wirksamkeit einer bestimmten Medikamentengruppe, der so genannten mTOR-Inhibitoren, zu testen.

Die Freiburger Nephrologie des Universitätsklinikums Freiburg ist personell so gut aufgestellt, dass sie auch in Zukunft ihren Beitrag an dem Fortschritt leisten wird. Seit fast zwei Jahren verfügt die Abteilung über eine klinische Forschergruppe, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen der Universität zusammenarbeiten, um die Grundlagen der Zystennieren zu verstehen. Zusätzlich beteiligt sich die Abteilung an groß angelegten epidemiologischen Studien, die den genetischen Hintergrund für Nierenerkrankungen und den Verlust der Nierenfunktion verstehen möchten. Erste Erfolge konnten hier ebenfalls verbucht werden, als Dr. Anna Köttgen in einer spektakulären Arbeit in der Zeitschrift „Nature Genetics“ erste Kandidatengene für ein chronisches Nierenversagen identifizierte. Die junge Wissenschaftlerin bereicherte 2009 das Team der Nephrologen, als sie von der berühmten Johns Hopkins Universität nach Freiburg wechselte.

„Wir haben in Freiburg nach zehnjähriger Aufbauarbeit ein tolles Team zusammenbekommen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten an der Fruchtfliege, dem Fadenwurm und an Froschlarven, um die Entstehung von Zystennieren zu verstehen“, berichtet Professor Walz stolz von seiner Mannschaft. „Interessierte Studentinnen und Studenten, die zu begeisterungsfähigen, talentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden, sind unser Betriebsgeheimnis“, ergänzt er. „Dank diesem Team kann ich optimistisch in die Zukunft blicken.“

Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Walz
Ärztlicher Direktor
Innere Medizin IV
Tel.: 0761 270-3250
E-Mail: gerd.walz@uniklinik-freiburg.de

Benjamin Waschow | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften