Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dupuytren´sche Beugekontraktur der Hand im Wandel: Neue, nicht-operative Behandlung mittels Kollagenase

12.12.2011
Im Mai 2011 wurde in Deutschland durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BefArM) ein neues Medikament zur nicht-operativen Behandlung des Morbus Dupuytren zugelassen (mikrobielle Kollagenase aus Clostridium histolyticum).

Die Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie (Chefarzt: Prof. Dr. med. Riccardo Giunta) am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München ist eine der ersten in Deutschland, die das neue Behandlungsverfahren anwenden.

Mittlerweile liegen Erfahrungen mit mehr als 35 Anwendungen vor. Die neue Behandlungsoption erweitert die Therapiemöglichkeiten und zeigt sehr gute Erfolge mit geringen Nebenwirkungen. Vorteile sind die ambulante Behandlung und die sehr kurze Rehabilitationszeit, da keine Operationswunden für den Patienten entstehen.

Der Morbus Dupuytren bewirkt eine fortschreitende Beugekontraktur der Finger, die durch eine zunehmende narbige Veränderung des Bindegewebes in Hohlhand verursacht wird. Durch einen oder mehrere Kontrakturstränge wird die Streckung eines einzelnen oder mehrerer Fingers eingeschränkt. Die Veränderung ist meist nicht schmerzhaft, eine direkte Ursache ist nicht bekannt. Meist besteht eine familiäre Häufung und mehrere Familienmitglieder sind betroffen.

Andere chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus werden mit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Das neue Medikament wird in einem ersten Schritt durch den Handchirurgen in den Kontrakturstrang injiziert. In den darauf folgenden 24 Stunden löst das Enzym Kollagenase das Bindegewebe des Stranges auf. Am Tag nach der Injektion wird in lokaler Anästhesie der Kontrakturstrang unterbrochen („Cord-Breaking“). In einigen Fällen treten Hautrisse auf, die eine kompetente Wundbehandlung erfordern. Eine physiotherapeutische Begleitbehandlung sowie eine Schienenbehandlung zur Nacht in Streckstellung des Fingers sind empfehlenswert.

Das zugelassene Medikament wird von allen Kassen übernommen. Die ärztliche Leistung wir von den privaten Kassen übernommen. Bei gesetzlich Versicherten ist für die ärztliche Behandlung vorab eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen erforderlich.

Das zusätzliche Behandlungsverfahren findet bei Patienten sehr positiven Zuspruch. Insbesondere gilt dies für die Betroffenen, die auf Grund ihrer beruflichen Tätigkeit einer Operation auf Grund der resultierenden Arbeitsunfähigkeit eher ablehnend gegenüber stehen und die Behandlung lange hinauszögern sowie für Patienten mit direktem Vergleich zwischen Operation und Kollagenase Behandlung. Die ersten Erfahrungen sind für ausgewählte Patienten insgesamt sehr positiv. Im Gegensatz zur Operation verbleibt allerdings der Großteil des Kontrakturstrangs in der Hohlhand. Langzeiterfahrungen in Bezug auf ein Wiederauftreten der Beugekontraktur liegen derzeit noch nicht vor.

Die Behandlung ist aus unserer Erfahrung an der LMU München gerade für Patienten mit isolierten einzelnen Strängen und einer Beugekontraktur im Grundgelenk besonders attraktiv. Eine Operation empfiehlt sich weiterhin bei ausgedehnten Veränderungen, die mehrere Finger und Gelenke betreffen. Eine individuelle Beratung des Patienten über die verschiedenen Behandlungsoptionen durch den Handchirurgen ist unerlässlich.

www.handchirurgie-münchen.com
www.plastische-chirurgie-münchen.com
Kontakt:
Prof. Dr. med. Riccardo Giunta, FACS
Chefarzt der
Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Ästhetische Chirurgie
Campus Innenstadt und Großhadern der
Ludwig-Maximilians Universität München
Pettenkoferstr. 8a, 80336 München
Tel. +49/89/5160-2697, Fax -4401
Email r.giunta@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2010 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 465.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen sowie 35 interdisziplinäre Zentren verfügen über mehr als 2.200 Betten. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2010 rund 70 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an sechs Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 594, 596, 684, 824), an drei Sonderforschungsbereichen-/Transregio (TR 05, TR 22, TR 36), einer Forschergruppe (FOR 535) sowie an drei Graduiertenkollegs (GK 1091 und 1202, SFB-TR 36) beteiligt. Hinzu kommen die drei Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP) und „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) sowie die Graduiertenschule „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU).

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de
http://www.plastische-chirurgie-münchen.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise