Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch zu dünne Kinder sind ein Problem!

12.10.2011
Stiftung Kindergesundheit informiert über Untergewicht und seine Folgen. Nicht nur ein Mangel an Appetit sondern auch eine ernst zu nehmende Gesundheitsstörung kann sich hinter einem zu geringen Körpergewicht verbergen.

Ist ein Kind mangelernährt, sind die möglichen Folgen gravierender als bei Erwachsenen. Diese Kinder gehören in die Hände eines erfahrenen Kinder- und Jugendarztes.

"Eine ernste Gedeihstörung mit Untergewicht vermindert die Entwicklungschancen und die Lebensqualität des Kindes. Bei chronisch kranken Kindern und Jugendlichen beeinträchtigt sie deutlich die künftige Entwicklung. Ein ausgeprägtes Untergewicht durch Fehlernährung wirkt sich nachteilig auf das Längenwachstum aus, kann die Pubertätsentwicklung und die mentale Reifung beeinträchtigen und auch das Immunsystem schwächen, mit der Folge von gehäuften Infektionen. Die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit werden nachhaltig beeinträchtigt", betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Bei Kindern in den Entwicklungsländern entsteht Untergewicht durch unzureichende Ernährung und schlechte Lebensbedingungen. Auch hierzulande können Unwissenheit, Vernachlässigung oder falsche Ernährung durch fehlgeleitete, oft ideologisch begründete Ernährungsformen Auslöser des Untergewichts sein.

In der überwiegenden Zahl der Fälle hat jedoch Untergewicht bei Kindern in Deutschland nichts mit einem Mangel an Nahrung zu tun, sondern ist ein Begleitsymptom von länger dauernden oder chronischen Erkrankungen. Fast jedes vierte Kind, das ins Krankenhaus muss, zeigt Symptome einer Unterernährung, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.

Kinderkliniken forschen gemeinsam

Ein Netzwerk von 14 Kliniken in 12 europäischen Ländern hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Risiken von Kindern zu erforschen, die mit einem Untergewicht in eine Kinderklinik aufgenommen werden müssen. In die Studie eingeschlossen werden über 2.000 Kinder. Die Studie wird von der europäische Fachgesellschaft ESPEN http://www.espen.org finanziert und vom Studienzentrum in München unter Leitung von Prof. Dr. Berthold Koletzko, Dr. Astrid Rauh-Pfeifer und Christina Hecht koordiniert. Mit den Ergebnissen ist im Laufe Jahres 2012 zu rechnen.

Eine vorangehende Pilotstudie im Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erbrachte bereits wichtige Erkenntnisse:

o 19 Prozent der in die Münchner Klinik aufgenommenen Kinder hatten Untergewicht.

o Untergewichtige Kinder mussten länger in der Klinik bleiben, litten häufiger unter Fieber, Durchfall und Erbrechen und benötigten häufiger Antibiotika und eine Ernährungstherapie als Normalgewichtige.

Viel zu häufig übersehen!

Fazit der Münchner Koordinatoren der Studie: "Eine krankheits-assoziierte Unterernährung ist bei Kindern erschreckend häufig. Trotz der hohen Zahl untergewichtiger kindlicher Patienten bestehen in Deutschland große Defizite bei der gezielten Diagnose und der klinischen Ernährungstherapie auch in den Kinderabteilungen. Es fehlt an Fachpersonal, Ernährungsteams und an der Geräteausstattung. Unterernährung wird viel zu häufig ‚übersehen’ und bleibt ohne konsequente Prävention und Therapie. Das hat schwerwiegende Konsequenzen für die Patienten".

Eltern, die sich um das richtige Gedeihen ihres Kindes sorgen, sollten einen Kinder- und Jugendarzt zu Rate ziehen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Er prüft anhand des Vorsorgeheftes, ob Gewicht und Körperlänge stetig zunehmen. Nimmt das Kind nicht zu, ist es auffallend blass und hat eine trockene, dünne und rissige Haut, besteht Verdacht auf eine Gedeihstörung. Bei schweren Störungen kann es zu erheblichen Gewichtsverlusten kommen, die Haut wird faltig, das Kind bewegt sich wenig, isst nicht und quengelt viel.

Der herangezogene Kinder- und Jugendarzt muss versuchen, die Ursache für die Gedeihstörung herauszufinden. Manchmal steckt eine chronische Krankheit dahinter:

o Krankheiten des Darms wie Zöliakie, Morbus Crohn oder Mukoviszidose stören die Verdauung, führen zu Durchfällen und Blutarmut.

o Bei einer Überfunktion der Schilddrüse verbraucht der Körper des Kindes zuviel Energie.

o Angeborene Herzfehler, Leber- oder Nierenkrankheiten beeinträchtigen das Wachstum und die Entwicklung.

o Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien lösen Durchfall und Bauchweh aus.

o Seelische Probleme wie Kummer, Stress oder Aufregung können auch Kindern den Appetit verderben, psychische Erkrankungen zur Abmagerung führen.

So kommt wieder Fett auf die Rippen

Neben der Behandlung der Grundkrankheit und oft auch dann, wenn die ärztliche Untersuchung keine Hinweise auf schwerwiegende oder chronische Erkrankungen ergibt, wird eine Umstellung der Ernährung auf eine hochkalorisch angereicherte Kost erwogen. Zur Beseitigung des Defizits sind dann Nahrungsmittel erlaubt, die bei anderen Kindern unweigerlich die Fettpolster wachsen lassen.

Professor Koletzko: "Im ersten Lebensjahr kann die Säuglingsnahrung kalorisch angereichert werden, zum Beispiel durch Zugabe von Maltodextrin und Öl. Das Essen von Kleinkindern und Schulkindern darf man mit Öl oder Sahne anreichern. Erlaubt und empfehlenswert sind auch reichlich Streichfette (Butter oder Margarine), selbst hergestellte Milchshakes, Eis mit Sahne, Schoko- und Müsliriegel, Mandel- oder Nussmus, Kartoffelchips und andere energiereiche Happen. Aber bitte nicht auf eigene Faust, sondern erst, wenn der Kinder- und Jugendarzt dazu geraten hat".

Weitere wichtige Grundsätze:

o Eine häusliche Normalkost geht vor Diät! Die Kost sollte dem Kind gut schmecken und attraktiv angerichtet sein.

o Keine unnötigen diätetischen Einschränkungen! Jede Form von Diät erhöht das Risiko für eine psychogene Essstörung.

o Die Mahlzeiten sollten gemeinsam im Kreis der Familie in positiv gestimmter Atmosphäre eingenommen werden. Eine Sonderbehandlung des appetitlosen Kindes gegenüber seinen Geschwistern ist ebenso kontraproduktiv wie ständige Ermahnungen zum Essen.

Vorbeugen ist besser als heilen.

Deshalb setzt sich die 1998 gegründete Stiftung Kindergesundheit für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

Hildegard Debertin | idw
Weitere Informationen:
http://www.kindergesundheit.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Forscher entschlüsseln einen Mechanismus bei schweren Hautinfektionen
24.01.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie