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Dresdner Forscher entwickeln neue Kombinationstherapie gegen Prostatakrebs

14.09.2011
Während das Prostatakarzinom in frühen Stadien als heilbar gilt, ist die Prognose mit weiterem Fortschreiten der Erkrankung schlecht.

Durch die Kombination einer neuartigen molekularen Therapie mit der bereits seit Jahrzehnten etablierten Strahlentherapie wollen Forscher am Uniklinikum Dresden eine neue Behandlungsmethode entwickeln.


400fache Vergrößerung von Prostatagewebe bei Krebsbefall. Das Neuropilin-2 Eiweiß ist in den Tumorzellen braun angefärbt. Quelle: Michael Muders

Als molekularen Angriffspunkt haben sie einen Eiweißstoff ausgewählt, der auf der Oberfläche von Krebszellen vorkommt: das erst vor kurzem entdeckte „Neuropilin-2“. Wird dieses Eiweiß in seiner Funktion blockiert, kann die Strahlung den Tumor besser angreifen.

Prostatakrebszellen schützen sich vor extremem Stress, wie er während einer Strahlentherapie auftritt, unter anderem durch das Eiweiß Neuropilin-2. Eine therapeutische Blockade dieses Eiweißes führt bei einigen Krebsarten zum Schrumpfen des Tumors und seiner Metastasen. Dr. Michael Muders und Professor Gustavo Baretton vom Institut für Pathologie wollen gemeinsam mit Dr. Mechthild Krause an der Klinik für Strahlentherpie überprüfen, welche Auswirkung die Blockade von Neuropilin-2 während einer Strahlentherapie auf das Fortschreiten des Prostatakrebses hat.

Dr. Muders konnte in Vorarbeiten demonstrieren, dass die Aktivierung von Neuropilin-2 durch einen seiner Bindungspartner, dem VEGF-C, Prostatakrebszellen vor extremem Stress schützt. In einem von der Wilhelm Sander Stiftung geförderten Projekt wollen die Forscher nun die Rolle von Neuropilin-2 und VEGF-C während der Strahlentherapie mit immunhistochemischen Methoden genauer unter die Lupe nehmen. Dabei greifen sie auf Gewebeproben zurück, die routinemäßig von Patienten zur Diagnose entnommen wurden.

In Zellkulturmodellen regeln sie die Aktivität von Neuropilin-2 künstlich herunter, herauf oder blockieren diese ganz. Die Zellen werden dann wie bei einer Therapie bestrahlt. Ergänzend wird im Mausmodell das Wachstum von verschiedenen Tumoren, die Neuropilin-2 in unterschiedlichen Mengen produzieren, unter Bestrahlung untersucht. Sollten die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Neuropilin-2 ein geeigneter Anknüpfungspunkt ist, um die Wirkung der Strahlentherapie zu erhöhen, wäre dies die Basis zur Entwicklung einer neuen Behandlungsmethode.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 150.000 Euro. Stiftungszweck ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Die Projektleiter arbeiten am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden in verschiedenen Abteilungen. PD Dr. med. Mechthild Krause leitet als Oberärztin das Forschungslabor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und hat schon zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen gewonnen. Dr. med. Michael Muders arbeitet als wissenschaftlicher und ärztlicher Mitarbeiter am Institut für Pathologie, nachdem er von 2005 bis 2009 an der renommierten Mayo Klinik in den USA forschte. Prof. Dr. med. Gustavo Baretton ist Direktor des Instituts für Pathologie des Universitätsklinikum Dresden. Alle drei Projektleiter sind sowohl klinisch als auch in der Grundlagenforschung tätig.

Kontakt:
Dr. med. Michael Muders, Institut für Pathologie, Universitätsklinikum der TU Dresden
Telefon: +49 (0)351 458 3041
email: michael.muders@uniklinikum-dresden.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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