Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drei Monate nach EHEC – LANCET veröffentlicht erste Ergebnisse des neuen HUS-Behandlungskonzeptes

07.09.2011
Enge Zusammenarbeit der Wissenschaftler und Ärzte in Greifswald und Hannover hat den Patienten geholfen

Auf dem Höhepunkt der EHEC-Krise Anfang Juni haben Wissenschaftler aus Greifswald und Hannover mit einem neuen Therapieansatz einen Fortschritt bei der Behandlung der schweren HUS-Infektion erzielt. Die Greifswalder Ärzte haben damals vermutet, dass immunologische Abwehrreaktionen und die damit verbundene Bildung von Antikörpern für die schweren Verläufe mit verantwortlich sein könnten. Die Medizinische Hochschule Hannover hat das Behandlungskonzept übernommen und erfolgreich eingesetzt.

Die renommierte britische Fachzeitschrift THE LANCET* veröffentlichte diese Woche erstmals die wissenschaftliche Analyse der ersten Therapiestudie bei schweren neurologischen Komplikationen des Hämolytisch Urämischen Syndroms (HUS). „Die Kooperation mit der Medizinische Hochschule Hannover in einer Phase, als es den Patienten wirklich sehr schlecht ging und wir alle extrem unter Druck standen, war einzigartig in der damaligen Ausnahmesituation“, betont der Greifswalder Transfusionsmediziner und Gerinnungsexperte Prof. Dr. Andreas Greinacher.

Vor allem Norddeutschland war von Mai bis Juli 2011 dieses Jahres durch eine Häufung von Erkrankungen mit hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) schwer betroffen, verursacht durch ein Bakterium, dem so genannten enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) des Serotyps O104. Etwa die Hälfte der HUS-Patienten litt an neurologischen Symptomen, die von Erinnerungslücken und Wortfindungsstörungen bis zu anhaltenden Krampfanfällen reichten. Professor Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald vermutete zu diesem Zeitpunkt aufgrund des klinischen Verlaufs und des zeitlich versetzten Auftretens der Symptome, dass Antikörper die Ursache für die Komplikationen sind.

Vor diesem Hintergrund behandelten die Ärzte der Universitätsmedizin Greifswald und der Medizinischen Hochschule Hannover gemeinsam zwölf Patienten im Alter von 38 bis 63 Jahren mit schwersten neurologischen Ausfällen mit einer Blutwäsche (Immunadsorption), bei der die Antikörper gezielt herausgefiltert werden. Alle Patienten haben die Erkrankung überlebt, zehn zeigten keine neurologischen Symptome mehr und alle Patienten sind trotz Nierenversagen nicht mehr auf eine Dialyse angewiesen. Die behandelnden Ärzteteams in Hannover und Greifswald bewerteten täglich die neurologischen Ausfälle wie Halluzinationen, Sprachstörungen und Krampfanfälle und konnten so einen deutlichen Effekt der Therapie mittels Immunadsorption feststellen. „Der Erfolg war unmittelbar spürbar. Vor der Therapie mittels Immunadsorption hatte weder der Plasma-Austausch (Plasmapherese) noch die Gabe eines Antikörpers (Eculizumab) zu einem durchschlagenden therapeutischen Erfolg geführt“, erläutert der hannoversche Nierenspezialist Privatdozent Dr. Jan T. Kielstein. „Die zielgerichtete Entfernung von IgG-Antikörpern aus dem Blut der Patienten mit neurologischen Komplikationen führte zu einer nachweislichen deutlichen Verbesserung.“

Beispielhafte Kooperation

Zusätzlich zum HU- Syndrom, das durch den Giftstoff Shigatoxin der EHEC Bakterien verursacht wird und die Niere schädigt, hatten insbesondere die neurologischen Auswirkungen auf das Gehirn wie Bewusstseinsstörungen und Epilepsien zu einer großen Verunsicherung in der Öffentlichkeit und Medizin geführt. Die Antikörper waren entweder gegen das eigene Gewebe des Patienten gerichtet, so genannte Autoantikörper, oder sie sind eine gefährliche Verbindung mit den EHEC-Giften eingegangen, die zu den ernsthaften Gerinnungsproblemen geführt haben. Die Antikörper könnten so die Durchblutung wichtiger Gehirnregionen und der Nebenniere maßgeblich beeinflusst haben. „Obwohl der genaue Mechanismus der Wirkung in den kommenden Monaten noch in weiteren Laboranalysen untersucht werden muss, eröffnen die Erkenntnisse aus dieser gemeinsamen Therapiestudie einen komplett neuen Blickwinkel auf die Krankheitsentstehung“, sagt der Greifswalder Wissenschaftler.

Greinacher und Kielstein hoben hervor, dass es insbesondere die beispielhafte schnelle und enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Universitäten und ihren Forschungszentren ermöglicht hat, schwerkranken HUS-Patienten effektiv zu helfen und gleichzeitig eine Erklärung für den ungewöhnlich dramatischen Verlauf der Erkrankung zu finden. Neben den Kliniken hat in Greifswald das Zentrum für Innovationskompetenz für die Erforschung durch Antikörper verursachten Herz-Kreislauf Erkrankungen (ZIK-HIKE) zu diesem Fortschritt beigetragen. Es handelt sich dabei um ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes interdisziplinäres Forschungszentrum (http://www.hike-autoimmunity.de).

Weitere Informationen
http://www.thelancet.com
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(11)61253-1/fulltext

Lancet 2011, DOI:10.1016/S0140-6736(11)61253-1

THE LANCET ist die führende internationale Wochenzeitschrift für die Krebsforschung, Neurologie und Infektionskrankheiten.

Ansprechpartner
Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin
Abteilung Transfusionsmedizin
Leiter: Prof. Dr. med. Andreas Greinacher
Sauerbruchstraße, 17475 Greifswald
T + 49 3834 86-54 82
E greinach@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen
PD Dr. med. Jan T. Kielstein
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
M +49 171-26 416 01
E kielstein@yahoo.com
http://www.mh-hannover.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics