Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drastisch wirksam gegen Schlaganfälle

12.09.2012
Alle zwei Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall, doch es gibt kaum wirksame Therapien. Wissenschaftler der Universität Würzburg verfolgen jetzt einen neuen Ansatz: Die Blockade eines Blutproteins scheint die negativen Folgen von Schlaganfällen drastisch abzuschwächen.
Schlaganfälle entstehen meistens so: Blutgefäße, die das Gehirn mit Sauerstoff und anderen lebenswichtigen Dingen versorgen, werden plötzlich von Blutgerinnseln verstopft. Dadurch nimmt das Gehirn Schaden. Selbst wenn die Gerinnsel schnell beseitigt werden, leiden viele Betroffene danach an neurologischen Ausfällen, etwa an schweren Lähmungen oder Sprachstörungen.

Nach einem Schlaganfall sorgen aber noch weitere Faktoren für Schäden. Das sind vor allem Entzündungsvorgänge im Gehirn und die Ausbildung eines so genannten Hirnödems, also der Austritt von Flüssigkeit aus den geschädigten Blutgefäßen ins Hirngewebe. Dadurch baut sich Druck auf, so dass anfangs gesunde Hirnbereiche ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden können.

„Diese Vielzahl von krankhaften Vorgängen nach einem Schlaganfall ist ein Grund dafür, weshalb neue Therapieansätze bislang häufig versagt haben“, sagt Professor Christoph Kleinschnitz, Leiter der Schlaganfallmedizin an der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg. Idealerweise sollten neue Medikamente darum an verschiedenen Schlüsselstellen ansetzen, um eine größtmögliche Wirksamkeit zu entfalten.

Blockade eines Blutproteins scheint aussichtsreich

Diesem Ziel könnte die Medizin mit einer Blockade des Blutproteins Kininogen näher kommen, denn dieses schädigt Nervenzellen nach einem Schlaganfall auf drei Wegen: Zum einen fördert es die Bildung weiterer Blutgerinnsel im Gehirn, zum anderen verstärkt es sowohl die Entzündung als auch das Hirnödem. Das berichtet die Arbeitsgruppe von Kleinschnitz mit Würzburger Biophysikern und Biomedizinern jetzt in der Online-Ausgabe von „Blood“, dem renommierten Journal der amerikanischen Hämatologengesellschaft.

Die Wissenschaftler haben mit Mäusen gearbeitet, denen das Gen für Kininogen fehlt. Bei den Tieren waren die Hirnschäden nach einem Schlaganfall um mehr als zwei Drittel reduziert. Außerdem gab es deutlich weniger neurologische Ausfälle. „Dieser schützende Effekt hielt viele Tage an und wurde bei jungen und alten Mäusen, bei Männchen und bei Weibchen beobachtet“, so Kleinschnitz. Diese Erkenntnis sei enorm wichtig, da geschlechtsspezifische Unterschiede in der Schlaganfallforschung häufig vernachlässigt würden.

Nächster Schritt: Einsatz von Antikörpern

Als Nächstes wollen die Würzburger Forscher das Blutprotein Kininogen nicht nur genetisch, sondern auch pharmakologisch blockieren – mit Antikörpern. Das sei ein wichtiger Schritt um abschätzen zu können, ob sich die neue Methode später auch bei Schlaganfallpatienten erproben lässt.

Finanziell gefördert wurden die Arbeiten im Würzburger Sonderforschungsbereich (SFB) 688 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie von der Wilhelm-Sander-Stiftung.

“Kininogen deficiency protects from ischemic neurodegeneration in mice by reducing thrombosis, blood-brain-barrier damage and inflammation”, Friederike Langhauser, Eva Göb, Peter Kraft, Christian Geis, Joachim Schmitt, Marc Brede, Kerstin Göbel, Xavier Helluy, Mirko Pham, Martin Bendszus, Peter Jakob, Guido Stoll, Sven G. Meuth, Bernhard Nieswandt, Keith R. McKrae, and Christoph Kleinschnitz. Blood, online publiziert am 30. August 2012, DOI 10.1182/blood-2012-06-440057

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Neurologische Universitätsklinik Würzburg, T (0931) 201-23756, christoph.kleinschnitz@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Uni Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

nachricht Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
18.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten