Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Doppelter Impfschutz gegen Hepatitis A und B langfristig wirksam

22.02.2012
Ein Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und Hepatitis B bietet geimpften Erwachsenen einen langfristigen Schutz vor den beiden Lebererkrankungen.

Dies zeigen neue Langzeituntersuchungen, auf die die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aufmerksam macht. Reisenden, die in diesem Sommer einen Aufenthalt in Ländern mit bestehender Ansteckungsgefahr planen, empfiehlt die DGVS jetzt eine Impfung.

Die Wirksamkeit des Doppelimpfstoffes gegen Hepatitis A und Hepatitis B belegt eine Studie, die aktuell im Journal of Medical Virology erschienen ist: Wissenschaftler aus Belgien und Indien hatten 306 gesunde Menschen auf ihre Immunität gegenüber den Hepatitisviren A und B untersucht. Die Probanden waren 15 Jahre zuvor im jungen Erwachsenenalter geimpft worden. „Alle haben auch heute noch Antikörper gegen beide Viren im Blut, sie sind gegen eine Infektion geschützt“, fasst Professor Dr. med. Peter R. Galle, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Mainz die Ergebnisse zusammen. „Die Antikörperkonzentration ist über die Jahre kaum zurückgegangen. Wir gehen deshalb davon aus, dass der Impfschutz lebenslang anhält“, so der Pressesprecher der DGVS.

Damit seien anfängliche Zweifel ausgeräumt, ob die Kombinationsimpfung die gleiche Wirkung erzielt wie beide Impfungen einzeln. Die Impfung ist in Deutschland seit 1996 verfügbar. Vor etwa zehn Jahren hatte ein Fallbericht in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift kritische Berichte in den Medien nach sich gezogen: Ein 55-jähriger Mann war trotz regelgerechter Impfung an Hepatitis A erkrankt. „Solche Durchbruchinfektionen sind bei älteren Menschen möglich, doch sie sind extrem selten. Im Allgemeinen wird ein langjähriger Schutz erzielt“, kommentiert Galle.

Das Hepatitis A-Virus wird meist durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen. In Deutschland kommt es dank hoher Hygienestandards selten zu Infektionen. Doch bei Reisen in ärmere Länder können Touristen sich infizieren: „Auf die Reisehepatitis entfallen 40 bis 50 Prozent der dem Robert Koch-Institut gemeldeten Hepatitis A-Fälle“, berichtet Galle. „Menschen, die häufiger im Ausland sind, sollten sich gegen Hepatitis A impfen lassen“, rät der Experte. Auch mit Hepatitis B stecken sich häufig Touristen an. Das Ansteckungsrisiko ist zwar geringer, da das Virus nur bei Sexualkontakten und über infizierte Injektionsnadeln übertragen wird. Eine Hepatitis B verläuft jedoch oft schwer und manchmal sogar tödlich. „Ein gleichzeitiger Schutz ist deshalb ratsam, vor allem für Menschen, die als Säugling nicht geimpft wurden“, sagt Galle. Für Säuglinge empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut seit 1995 die Hepatitis B-Impfung.

Als Hepatitis bezeichnen Mediziner eine Entzündung der Leber. Zu den häufigsten Erkrankungsursachen zählen Virusinfektionen mit den Hepatitisviren A, B, C, D oder E. Als Symptome einer akuten Leberendzündung können leichtes Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen oder Druckschmerzen auf der rechten Bauchseite auftreten. Verzögert kann sich daraus eine Gelbsucht entwickeln, Haut und Bindehaut färben sich gelb. Bei bis zu zehn Prozent der Betroffenen nimmt die Hepatitis B einen chronischen Verlauf: die Entzündung bleibt dann über Jahre hinweg bestehen und als Folge der anhaltenden Schäden im Lebergewebe können Leberzirrhose und sogar Leberkrebs entstehen.

Die DGVS weist darauf hin, dass der effektivste Schutz gegen Hepatitis A und B in Impfungen besteht. Erwachsene, die sich mit dem Doppelimpfstoff immunisieren lassen, müssen drei Dosierungen bekommen: Nach der Erstimpfung sind zwei Auffrischungen nach einem und nach sechs Monaten erforderlich. Professor Galle: „Impfungen sollten generell rechtzeitig terminiert werden. Wer im Sommer eine Fernreise plant, sollte sich jetzt impfen lassen.“

Die DGVS wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Sie fördert heute Forschung im Bereich Verdauung und Stoffwechsel, entwickelt Leitlinien und bietet Fort- und Weiterbildung von Ärzten in Klinik und Praxis an. Regelmäßige Tagungen, die Nachwuchsförderung und internationaler Austausch sind ihr ein besonderes Anliegen.

Literatur:
Antibody persistence and immune memory in adults, 15 years after a three-dose schedule of a combined hepatitis A and B vaccine. Van Damme P, Leroux-Roels G, Crasta P, Messier M, Jacquet JM, Van Herck K. J Med Virol. 2012 Jan;84(1):11-17. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jmv.22264/pdf
Akute Hepatitis A trotz kombinierter Schutzimpfung gegen Hepatitis A und B. Junge U, Melching J, Dziuba S, Dtsch med Wochenschr 2002; 127(30): 1581-1583

Georg Thieme Verlag Stuttgart

Kontakt für Journalisten:
DGVS Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Berliner Büro im Langenbeck Virchow-Haus:
Luisenstraße 59
10117 Berlin
Tel: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgvs.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften