Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DigiPhobie: Digitales Therapiesystems zur häuslichen Behandlung spezifischer Phobien

02.02.2017

Im BMBF-Projekt »DigiPhobie« wird ein digitales Therapiesystem entwickelt, das die häusliche Durchführung der Expositionstherapie für Arachnophobiker ermöglicht. Dieses innovative System besteht im Wesentlichen aus einer digitalen Therapieumgebung, einer tragbaren Datenbrille (Virtual- oder Augmented-Reality) und tragbaren Sensoren, die Vitalparameter während einer Therapiesitzung messen (Biofeedback). Das Fraunhofer IBMT übernimmt die Aufgaben in der Softwareentwicklung und Systemrealisierung für die Biofeedback-Steuerung sowie die Softwareentwicklung zum Therapiemanagement und zur Prognose des Therapieerfolgs.

Die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) ist die am weitesten verbreitete spezifische Phobie. Sie gehört zu der Gruppe der psychischen Störungen und tritt nach der Depression am häufigsten auf. Insgesamt leiden in Deutschland etwa 10 Prozent der Bevölkerung an einer solchen Phobie. Die bewährte Therapie zur Behandlung einer Arachnophobie ist die Expositionstherapie.


Digitale Therapie mittels Virtual-Reality-Datenbrille

© Promotion Software GmbH.

Das bedeutet, dass der Patient mit dem angstauslösenden Stimulus, also einer Spinne, in der Realität konfrontiert wird. Obwohl die Arachnophobie mit der Expositionstherapie gut behandelbar ist, zeigen Studien, dass zwischen 60 und 80 Prozent der Patienten keine therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, obwohl diese Phobie Leiden verursacht und die Betroffenen in ihrer Lebensqualität deutlich einschränkt.

Die Gründe sind zum einen das fehlende Therapieangebot, da viele Therapeuten den logistischen Aufwand scheuen, den eine solche Therapie mit sich bringt. Zum anderen sind die Betroffenen oft nicht bereit, sich ihren Ängsten in der Realität zu stellen. Der Bedarf an einer alternativen digitalen Therapieform zur Behandlung solcher spezifischen Phobien ist daher hoch.

Im BMBF-Projekt »DigiPhobie« wird ein digitales Therapiesystem entwickelt, das die häusliche Durchführung der Expositionstherapie für Arachnophobiker ermöglicht. Dieses innovative System besteht im Wesentlichen aus einer digitalen Therapieumgebung, einer tragbaren Datenbrille (Virtual- oder Augmented-Reality) und tragbaren Sensoren, die Vitalparameter während einer Therapiesitzung messen (Biofeedback).

Die »DigiPhobie«-Entwicklung beinhaltet die Übertragung der bewährten Expositionstherapie in die digitale Therapieumgebung, die auf der Datenbrille läuft. Die Therapie ist dabei in ein digitales Spiel eingebettet, das über das gemessene Biofeedback physiologische Angstreaktionen des Patienten erfasst und zur dynamischen Spielesteuerung nutzt. Die Daten zum Therapieverlauf und zum Patientenverhalten werden zentral in einer Therapiemanagement-Software erfasst und dem Therapeuten zur Verfügung gestellt. Die Wirksamkeit der digitalen Therapie wird in einer klinischen Studie untersucht und bewertet.

Dies geschieht zum einen durch vergleichende Untersuchungen mit der klassischen Expositionstherapie und zum anderen durch magnetresonanztomographisch nachweisbare funktionelle Veränderungen des neuronalen »Angstnetzwerks«. Die Projektergebnisse stellen die Basis für die Produktentwicklung eines Systemkoffers dar, der sämtliche Soft- und Hardwarekomponenten des Therapiesets beinhaltet.

Das im Januar 2017 gestartete und auf 3 Jahre ausgelegte Verbundprojekt »DigiPhobie« wird von einem international erfahrenen, multidisziplinären Team von Experten aus den Bereichen Serious Games, klinische Psychologie und Psychotherapie sowie Medizin und Medizintechnik bearbeitet. Die Koordination übernimmt die Promotion Software GmbH, die auch die digitale Therapieumgebung entwickelt. Die Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität des Saarlandes ist hauptverantwortlich für die Therapiekonzeption und ist an der Planung und Durchführung der klinischen Studie beteiligt.

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes ist zuständig für die Untersuchung neuronaler Marker im Rahmen der klinischen Studie. In seiner Rolle als Technologieentwickler übernimmt das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT die Aufgaben in der Softwareentwicklung und Systemrealisierung für die Biofeedback-Steuerung sowie die Softwareentwicklung zum Therapiemanagement und zur Prognose des Therapieerfolgs.

Das Fraunhofer IBMT erarbeitet eine kompakte und kostengünstige Biofeedback-Sensorlösung auf der Basis von tragbaren Körpersensoren für den geplanten Einsatz im häuslichen Bereich. Die physiologische Therapieüber¬wachung erfolgt über die messtechnische Erfassung und Analyse relevanter emotionaler Stressparameter wie Herzratenvariabilität, Hautleitfähigkeit und Atemfrequenz. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt in der Algorithmen- und Interface-Entwicklung.

Die Ergebnisse von »DigiPhobie« könnten neue Perspektiven für die Therapie von Patienten, die an spezifischen Phobien leiden, eröffnen. Die Betroffenen würden einen unkomplizierten, schnellen und kostengünstigen Zugang zu neuesten digitalen Therapiemöglichkeiten erhalten. Sie könnten schneller zum Therapieerfolg kommen und würden eine geringere Hemmschwelle verspüren, sich ihren Ängsten zu stellen.

»DigiPhobie« wird im Rahmen der Fördermaßnahme »Medizintechnische Lösungen für eine digitale Gesundheitsversorgung« vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Laufzeit: 01.01.2017 - 31.12.2019

Projektpartner

Promotion Software GmbH (Koordinator)
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
Universität des Saarlandes, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Ansprechpartner am Fraunhofer IBMT

Dr.-Ing. Frank Ihmig
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
Joseph-von-Fraunhofer-Weg 1
66280 Sulzbach/Saar
Telefon: 06897/9071-466
E-Mail: frank.ihmig@ibmt.fraunhofer.de

Ansprechpartner beim Koordinator

Stefan Hoffmann
Promotion Software GmbH
August-Bebel-Straße 27
14482 Potsdam
Telefon: 0160/7484911
E-Mail: stefan.hoffmann@promotion-software.de

Dipl.-Phys. Annette Maurer | Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften