Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Gesundheit von Mensch und Tier ist eng verknüpft

09.05.2014

Bei dem wissenschaftlichen Workshop „Heimtiere und Zoonosen“, der gestern und heute in Leipzig stattfand, forderten Wissenschaftler mehr Forschung und Aufklärung über Gesundheitsrisiken durch Heimtiere. Ärzte und Tierärzte müssten im Sinne der öffentlichen Gesundheit für Heimtiere als Krankheitsursache stärker sensibilisiert werden.

„Ärzte sollten bei unklaren, möglicherweise durch Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten verursachte Erkrankungen häufiger an Zoonosen, also an von Tieren auf den Menschen übertragbare Krankheiten, als Ursache denken. Oft wird eine entsprechende Nachfrage aber versäumt.“

Das betonte Tagungsleiter Prof. Dr. Martin Pfeffer vom Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen der Universität Leipzig. Den Austausch der Veterinär- und Humanmediziner im Bereich der Infektionen durch Heimtiere zu verbessern, war eines der erklärten Ziele des von seinem Institut gemeinsam mit der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen veranstalteten interdisziplinären Workshops an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Gleichzeitig konnten die Tierärzte lernen, wie sich Zoonosen bei Menschen äußern können, so dass auch deren Sensibilität für die Problematik gesteigert werden konnte. Mit über 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der ganzen Bundesrepublik stieß die Veranstaltung auf eine große Resonanz.

Salmonellengefahr durch Reptilien

In Deutschland wird in etwa jedem dritten Privathaushalt mindestens ein Tier gehalten. Hunde, Katzen, Hauskaninchen, kleine Nagetiere, Vögel und Zierfische sind hierzulande nach wie vor die am weitesten verbreiteten Heimtiere. Aber die Zahl der in deutschen Privathaushalten gehaltenen „exotischen“ Tiere steigt, wie der Workshop zeigte.

Sie stammen aus Wild- oder Zuchtbeständen im In- und Ausland und bringen von dort fremde Parasiten und Erreger mit in die Wohnung. Gesundheitskontrollen vor der Einfuhr finden in aller Regel nicht statt, da sie gesetzlich nicht vorgeschrieben sind. So werden beispielsweise etwa 1 Mio. Schlangen jährlich als Heimtiere nach Deutschland importiert.

Was viele Schlangenfans nicht wissen: Die allermeisten Schlangen und andere Reptilien tragen Salmonellen in sich und scheiden diese Erreger dauerhaft aus. Bei Kleinkindern, älteren Menschen, Schwangeren und immungeschwächten Menschen können manche Salmonellenarten ernste und im Extremfall tödliche Erkrankungen auslösen.

Dr. Wolfgang Rabsch vom Robert Koch-Institut Wernigerode vertrat deshalb die Ansicht, dass Kinder unter fünf Jahren überhaupt keinen Kontakt mit Reptilien haben sollten. Ganz so radikal mochte es PD Dr. Michael Pees von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig nicht bewerten. Er plädierte stattdessen für bessere Aufklärung, sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern über den richtigen Umgang und Hygiene mit den Tieren.

„Was man braucht, ist ein Sachkundenachweis“, forderte er. Sein Rat: „Reptilien sind keine Kuscheltiere. Wer ein Reptil angefasst hat, sollte sich danach umgehend die Hände waschen und desinfizieren. Reptilien sollten keinesfalls frei in der Wohnung herumlaufen. Sie gehören vielmehr ins Terrarium und haben in Kindergärten nichts zu suchen.“

Mehr Forschung und Aufklärung nötig

Doch nicht nur Reptilien können Krankheiten übertragen, wie der Workshop zeigte. Auch bei allen anderen Heimtieren besteht diese Gefahr. Die Skala der vorgestellten Infektionsrisiken reichte von EHEC und Salmonellen über Tuberkulose, Kuhpocken und Pilzerkrankungen bis hin zu Würmern und Milben. Dennoch besteht kein Anlass zu Panik, wie die Veranstalter ausdrücklich betonten.

„Der positive Einfluss von Heimtieren auf die Lebensqualität ist unbestritten und wurde bereits in vielen Studien nachgewiesen“, stellte Martin Pfeffer klar. Wichtig sei jedoch, die Infektionsrisiken besser zu erforschen, sie zu überwachen und für Aufklärung zu sorgen. „Tierhalter sollten sich über die sachgerechte Haltung ihrer Tiere kundig machen, sie regelmäßig tierärztlich untersuchen lassen und im Umgang auf Hygiene achten“, so die generelle Empfehlung der Tiermediziner.

Die abschließende Podiumsdiskussion am Freitagnachmittag befasste sich unter anderem damit, dass es weiterhin Forschungsbedarf auf dem Gebiet der Heimtiere und Zoonosen gibt. Weitere Veranstaltungen zu dieser Thematik sollen folgen, um diese Fragen zu vertiefen.

Hintergrund:

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen
Forschung zu Zoonosen – also Forschung zu Infektionskrankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können – findet in Deutschland an vielen verschiedenen Orten und Einrichtungen statt: an Universitäten und in Bundesinstituten, in kleinen Arbeitsgruppen und in großen Verbünden. Dabei sind Wissen und Erfahrung sowohl von Human- und Tiermedizinern als auch von Infektionsbiologen und Wissenschaftlern anderer Disziplinen von großer Bedeutung.

Deshalb ist es notwendig, dass in diesem Bereich alle Forscher eng zusammen arbeiten. Die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen bildet ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Informations- und Servicenetzwerk für alle in Deutschland aktiven Arbeitsgruppen im Bereich der Zoonosenforschung.

Ziel der Plattform ist es, durch einen verstärkten Erfahrungsaustausch auf nationaler und internationaler Ebene die Forschungsaktivitäten im Bereich der Zoonosenforschung zu forcieren sowie eine breite horizontale Vernetzung von Human- und Veterinärmedizin zu fördern. Die Geschäftsstelle der Zoonosenplattform ist an drei Standorten angesiedelt: der Universität Münster, dem Friedrich-Loeffler-Institut (Standort Riems) und der TMF.


Weitere Informationen: www.zoonosen.net

Dr. Ilia Semmler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie