Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dickdarmkrebs im Blick der Medizin

21.07.2015

Viele Patienten mit Dickdarmkrebs sterben an den Metastasen, die sich in der Leber und anderen Organen festsetzen. Würzburger Wissenschaftler suchen darum nach Wegen, um besser gegen die bösartigen Tumoren vorgehen zu können.

Sechs Prozent der Bevölkerung in Deutschland erkranken im Lauf ihres Lebens an Dickdarmkrebs, die Hälfte der Betroffenen stirbt daran. Tödlich sind dabei nicht die Tumoren im Darm, sondern die Metastasen, die sich in der Leber und anderen Organen ansiedeln können. Je früher Dickdarmkrebs entdeckt und operiert wird, umso geringer ist das Risiko, dass sich Metastasen bilden, und umso höher ist die Chance, die Krankheit zu überleben.

Bei der Suche nach besseren Therapien gegen Dickdarmkrebs hat die Forschung unter anderem die Myc-Proteine im Blick. Diese kommen in fast allen Tumorzellen in viel zu großen Mengen vor. Das bringt die Zellen aus dem Gleichgewicht und befeuert sie weiter in ihrem ungezügelten Wachstum.

Auch Würzburger Forschungsgruppen suchen nach Wegen, die Myc-Proteine im Zaum zu halten – in der Hoffnung, das Tumorwachstum stoppen zu können. „Aber die Myc-Proteine lassen sich nicht direkt hemmen, da muss man anders herangehen“, sagt Armin Wiegering, Chirurg und Krebsforscher von der Universität Würzburg.

Tropischer Naturstoff als Schlüssel

Ein Schlüssel dazu ist der Wirkstoff Silvestrol aus dem tropischen Baum Aglaia foveolata. „Es gibt weltweit mehrere hochrangige Publikationen, die eine Wirksamkeit dieses Naturstoffs gegen einige Krebsarten nahelegen“, sagt Professor Martin Eilers vom Würzburger Biozentrum. Silvestrol hemmt einen spezifischen Schritt bei der Entstehung der Myc-Proteine und verringert so deren Menge.

Für die Behandlung von Dickdarmkrebs könnte sich Silvestrol ebenfalls eignen, wie die Würzburger Forscher in der Fachzeitschrift „Cancer Discovery“ berichten. Demnach bremst Silvestrol den Dickdarmkrebs fast vollständig aus. „Das funktioniert in Zellkulturen und im Tiermodell. Ein vielversprechender Ansatz also, der aber noch lange nicht bei Patienten angewendet werden kann, sondern erst noch weiter untersucht werden muss“, sagt Wiegering.

Suche nach weiteren Angriffspunkten

Als nächstes will das Forschungsteam die Stelle, an der das Silvestrol seine Wirkung so effektiv entfaltet, noch genauer analysieren. Ziel ist es, weitere Angriffspunkte zu finden, die sich vielleicht auch mit anderen Stoffen hemmen lassen. Denn beim Silvestrol selbst gibt es mehr als einen Haken: Der Wirkstoff steckt weltweit nur in einer einzigen, relativ seltenen Baumart – und das in sehr kleinen Mengen. Außerdem braucht man sehr viel Silvestrol, um eine Wirkung zu erzielen. Und mögliche Nebenwirkungen sind bislang nicht erforscht.

Metastasen in den Griff bekommen

Trotzdem sind die Würzburger Wissenschaftler froh, dass sie mit Hilfe des Silvestrol eine neue verwundbare Stelle beim Dickdarmkrebs gefunden haben. So können sie weiter ihr Ziel verfolgen: Einen neuen Wirkstoff an die Hand zu bekommen, der bei Dickdarmkrebs-Patienten die lebensgefährlichen Metastasen bremst oder vielleicht sogar schrumpfen lässt. „Damit könnte man an Lebenszeit gewinnen oder die Metastasen soweit zurückdrängen, dass sie operierbar werden“, so Wiegering. Denn gerade Metastasen in der Leber seien oft so ausgedehnt, dass eine Operation gar nicht möglich sei.

“Targeting translation initiation bypasses signaling crosstalk mechanisms that maintain high MYC levels in colorectal cancer”, Wiegering A, Uthe FW, Jamieson T, Ruoss Y, Huttenrauch M, Kuspert M, Pfann C, Nixon C, Herold S, Walz S, Taranets L, Germer CT, Rosenwald A, Sansom OJ, Eilers M. Cancer Discovery, 1. Mai 2015, DOI: 10.1158/2159-8290.CD-14-1040

Kontakt

Armin Wiegering, Biozentrum der Universität und Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum Würzburg, T (0931) 201-38714, wiegering_a@ukw.de


Gunnar Bartsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie