Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DHL® begrüßt Nachtflugverbot: Fluglärm begünstigt Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen

19.04.2012
Menschen, die in der Umgebung eines Großflughafens wohnen, haben ein erhöhtes Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln.
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention begrüßt daher das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, das ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen bestätigte, und hofft auf eine bundesweite Umsetzung des Verbots.

Seit längerem ist bekannt, dass permanenter Fluglärm den Blutdruck steigen lässt und somit ein Gesundheitsrisiko für die Anwohner in der Nähe von Flughäfen darstellt. Das hatte schon die HYENA-Studie [1] 2008 gezeigt, die Gesundheitsdaten von über 4.800 Personen, die mehr als fünf Jahre in der Umgebung eines europäischen Großflughafens gewohnt hatten, erhob und auswertete. Die Ergebnisse waren erschreckend, denn die Forscher fanden eine direkte Beziehung zwischen Lärmbelästigung (nächtlicher Fluglärm, aber auch Straßenlärm am Tage durch die Zubringerwege) und dem Bluthochdruckrisiko.
Eine Erhöhung des nächtlichen Lärmpegels durch startende und landende Flugzeuge um 10 Dezibel war mit einem signifikanten Anstieg des Blutdrucks assoziiert (p=0,031). Eine Erhebung [2] aus dem Jahr 2010 zeigte dann, dass vor allem die Menschen, die den nächtlichen Fluglärm bewusst wahrnehmen und als störend empfinden, mit einem Blutdruckanstieg reagieren. Männer waren in dieser Studie häufiger davon betroffen als Frauen.

Derzeit wird noch untersucht, ob es „nur“ der Lärm ist, der den Blutdruck steigen lässt, oder auch die erhöhte Verschmutzung der Luft in der Nähe von Großflughäfen einen Einfluss hat. Darauf deuten die Daten von Fuks et al. [3], denen zufolge eine längerfristige Luftverschmutzung Gefäßverkalkungen (Atherosklerose) begünstigen könnten, durch die dann wieder der Blutdruckanstieg zu erklären sei. Umgekehrt ist aber bekannt, dass auch Bluthochdruck (Hypertonie) die Gefäßverkalkung vorantreibt. Mit dem Blutdruck steigt daher auch das Risiko für Gefäßerkrankungen, häufige Folgeerkrankungen der Hypertonie sind u.a. Herzinfarkt, Schlaganfall oder ein chronisches Nierenversagen.

„Bluthochdruck ist gefährlich und daher sollten alle Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Bereits jetzt müssen wir von 35 Mio. Betroffenen in Deutschland ausgehen – und nur ein Bruchteil wird behandelt und kann damit Folgerisiken vorbeugen“, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention, Prof. Dr. med. Ulrich Kintscher. „Zu den Präventionsmaßnahmen gehört auch eine erholsame Nachtruhe ohne dauerhafte Lärmbelästigungen, weshalb wir uns für ein Nachtflugverbot in ganz Deutschland stark machen. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, das dem Großflughafen Frankfurt ein Nachtflugverbot auferlegt hat, begrüßen wir sehr und hoffen, dass auch die anderen Flughäfen in Deutschland nachziehen. Jede Chance, die hohe Hypertonieprävalenz in der Bevölkerung zu senken, muss genutzt werden – die Volksgesundheit muss vor wirtschaftlichen Interessen Vorfahrt haben!“

Literatur:
[1] Jarup L, Babisch W, Houthuijs et al. Hypertension and Exposure to Noise near Airports: the HYENA Study. Environ Health Perspect 2008; 116 (3): 329-333.
[2] Eriksson C, Bluhm G, Hilding A et al. Aircraft noise and incidence of hypertension – gender specific effects. Environ Res 2010; 110 (8): 764-772.

[3] Fuks K, Moebus S, Hertel S et al. Long-term urban particular air pollution, traffic noise, and arterial blood pressure. Environ Health Perspect 2011; 119 (12): 1706-11.

Kontakt:
Geschäftsführer: Dr. Joachim Leiblein
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® -
Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention
69120 Heidelberg , Berliner Str. 46
Telefon: 06221/ 58855-0
Telefax: 06221/ 58855-25
E-Mail: info@hochdruckliga.de

Joachim Leiblein | idw
Weitere Informationen:
http://www.hochdruckliga.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Demenz: Forscher testen Wirkstoffe im Hochdurchsatz
28.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie

Wirbel als Räder der Natur

28.03.2017 | Architektur Bauwesen

Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur

28.03.2017 | Geowissenschaften