Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGE warnt vor unkontrollierter, hoch dosierter Jodeinnahme in Deutschland

08.04.2011
Im Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe in Japan weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) darauf hin, dass eine übermäßige Einnahme von Jod in Europa zur Zeit völlig unnötig ist und für bestimmte Menschen sogar gefährlich sein kann.

Dies betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder, aber auch alte Menschen, Patienten mit Schilddrüsenknoten, Kropf oder einer Überfunktion der Schilddrüse.

Um Verunsicherungen in der Bevölkerung hierzulande zu vermeiden, äußert sich die DGE dazu jetzt in einer Stellungnahme. Die Fachgesellschaft rät darin dringend von einer unkontrollierten Einnahme von hoch dosiertem Jod ab.

Nukleare Katastrophen wie in Fukushima setzen radioaktive Teilchen frei, auch radioaktives Jod. Menschen nehmen es über die Atemluft oder auch über die Nahrung auf. Die Schilddrüse verwertet das Jod und bildet daraus Hormone, die vor allem Stoffwechsel und Wachstum steuern. Auf diese Weise in den Körper gelangt, kann das radioaktive Jod Schilddrüsenkrebs auslösen. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, da sie sich noch in der Entwicklung befinden. Für Erwachsene, die älter als 40 Jahre sind, ist das Schilddrüsenkrebsrisiko sehr gering.

Die rechtzeitige Einnahme von hoch dosierten Jodtabletten kann die Aufnahme radioaktiven Jods in die Schilddrüse blockieren. „Diese vorbeugende Jodblockade ist Bestandteil des Katastrophenplans bei radioaktiven Unfällen“, sagt Professor Dr. med. Henning Dralle, Sprecher der Sektion Schilddrüse der DGE aus Halle. Die Deutsche Strahlenschutzkommission sieht für derartige Fälle Joddosen von 130 Milligramm Kaliumjodid pro Tag für Erwachsene vor. Dies entspricht etwa dem 1000-fachen der vom Körper benötigten täglichen Jodmenge und liegt auch etwa tausendfach über der Dosis üblicher Jodtabletten von 100 Mikrogramm.

„Auch in Anbetracht der Reaktorkatastrophe von Japan ist eine prophylaktische Einnahme von hoch dosiertem Jod in Deutschland unbedingt zu unterlassen“, betont Professor Dr. med. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE aus Bochum. Denn Kleinkinder laufen Gefahr, dadurch eine Schilddrüsenunterfunktion zu erleiden. Ältere Menschen, Patienten mit Schilddrüsenknoten oder Kropf geraten dadurch womöglich in eine lebensbedrohliche Überfunktion der Schilddrüse. Bei Menschen, die auch ohne es zu wissen an einer Überfunktion leiden, kann diese durch hoch dosierte Jodtabletten entgleisen.

„Der Effekt der sogenannten Jodblockade ist vorübergehend und nur bei einer unmittelbaren Bedrohung durch radioaktives Jod in der Atemluft sinnvoll“, ergänzt Professor Dralle. Vor radioaktivem Jod in Lebensmitteln schütze dagegen vor allem der Verzicht auf möglicherweise kontaminierte Nahrungsmittel. Dementsprechend sind in Deutschland hoch dosierte Jodtabletten, die 65 Milligramm enthalten, nicht im Handel. Die Behörden verteilen sie nur in Notfällen. Eine Jodblockade schützt zudem nicht vor anderen radioaktiven Stoffen, die ein Atomunfall freisetzt.

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse sitzt beim Menschen am Hals unterhalb des Kehlkopfes. Sie benötigt Jod, um Hormone wie zum Beispiel Thyroxin zu bilden. Schilddrüsenhormone spielen eine wichtige Rolle im Energiehaushalt der Körpers: Sie regulieren den Stoffwechsel und bei Kindern auch das Wachstum. Erwachsene sollten laut „World Health Organisation“ (WHO) täglich 150 Mikrogramm Jod zu sich nehmen.

Die vollständige Stellungnahme der DGE finden Sie auf der Homepage der DGE: http://www.endokrinologie.net.

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, dem Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von den endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie beispielsweise Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552, Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Erste Verteidigungslinie gegen Grippe weiter entschlüsselt
21.02.2018 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Behandlung mit Immunglobulinen hilft gegen Entzündung der weißen Hirnsubstanz bei Kindern
21.02.2018 | Universität Witten/Herdecke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics