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Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin empfiehlt Blutdrucktest an Arm und Bein

29.01.2009
Durch den einfachen rechnerischen Vergleich des Blutdrucks an Arm und Bein lässt sich eine bestehende periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) der Beine erkennen.

Selbst beschwerdefreie PAVK-Patienten sind hochgradig gefährdet, innerhalb weniger Jahre einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Eine aktuelle Studie bestätigt den Nutzen des Tests. Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) fordern deshalb für ältere Menschen Reihenuntersuchungen.

Die Ergebnisse und weitere aktuelle Aspekte von Gefäßerkrankungen und Bluthochdruck diskutieren sie im Rahmen einer Pressekonferenz heute in Berlin.

Bei dem Test misst der Arzt zunächst den Blutdruck an der Wade, knapp oberhalb des Fußgelenks. Diesen "Knöchel-Wert" teilt er durch den Blutdruck des Arms.

Das Ergebnis ist der Knöchel-Arm-Index, der sogenannte 'Ankle Brachial Index' (ABI). Liegt der ABI unter 0,9, spricht dies für eine Durchblutungsstörung der Beine. Diese bleibt sonst oft lange unbemerkt. Erst in späten Stadien empfinden die Betroffenen Schmerzen in den Waden. Ärzte nennen diese Krankheit auch Claudicatio intermittens - "unterbrochenes Hinken". Denn die Erkrankten spüren schon nach wenigen Schritten Schmerzen in den Beinen, die sie zu regelmäßigen Pausen zwingen - daher heißt sie umgangssprachlich auch "Schaufensterkrankheit".

Der Knöchel-Arm-Index ist kein neuer Test. "In der Praxis wird er jedoch viel zu selten durchgeführt", beklagt Professor Dr. med. Curt Diehm vom Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Im Rahmen der 'getABI-Studie' (für: German epidemiological trial on Ankle Brachial Index) haben der Gefäßspezialist und weitere Forscher die Vorteile des Tests belegt. Die Mediziner nutzten dafür die Daten von 344 Arztpraxen, die im Oktober 2001 bei insgesamt 6 880 Patienten im Alter über 65 Jahren den Knöchel-Arm-Index bestimmt hatten. Jeder fünfte untersuchte Senior hat, oft ohne es zu wissen, eine arterielle Verschluss¬krankheit. "PAVK ist eine der wichtigsten Markererkrankungen für eine koronare Atherosklerose und das damit assoziierte Risiko für Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod", sagt der Kardiologe Professor Dr. med. Harald Darius vom Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln. Dieses Risiko sei für Menschen mit PAVK sogar höher als für Diabetiker.

Die Patienten werden seit Beginn der Studie regelmäßig nachuntersucht. "Dies macht die getABI-Studie zu einer der größten epidemiologischen Hausarztstudien weltweit", betont Professor Dr. med. Rainer Kolloch, Bielefeld. Als Vorsitzender der DGIM macht er Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen zum Schwerpunkt des 115. Internistenkongresses vom 18. bis 21. April 2009 in Wiesbaden. Zu den jüngsten Erkenntnissen von getABI gehört, dass eine PAVK die Lebenserwartung älterer Menschen mehr verkürzt als eine Diabeteserkrankung: In den ersten fünf Jahren der Nachbeobachtung starben 12,9 Prozent der Patienten mit Diabetes und 17,5 Prozent der Patienten mit PAVK. Lagen beide Krankheiten vor, betrug die Sterberate sogar 28,2 Prozent. "Ebenso wie ein Diabetes gilt die periphere arterielle Verschlusskrankheit zwar als Vorbote eines Herzinfarkts", sagt Darius. Die Konsequenz, gezielt nach den Patienten zu suchen, werde jedoch zu selten gezogen.

Die Experten fordern deshalb Reihenuntersuchungen - insbesondere für ältere Menschen. Der Test eigne sich für ein solches Screening besonders, da er schnell, einfach und unblutig durchzuführen ist. Eine frühe und die umfassende Behandlung von Risiken, die eine arterielle Verschlusskrankheit begünstigen, könnten vor Folgen wie Schlaganfall und Herzinfarkt schützen. Dies wiederum bewahre Patienten vor Behinderung und verlängere Leben. Auf lange Sicht würde dies zudem beträchtliche Kosten im Gesundheitswesen sparen, so die DGIM.

Terminhinweis:

115. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
18. bis 22. April 2009, Rhein-Main-Hallen, Wiesbaden
Ihr Kontakt für Rückfragen:
DGIM Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim2009.de

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