Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie rät zu Aufklärung: Jodmangel gefährdet Mutter und Kind

06.06.2012
Ein Jodmangel in der Schwangerschaft kann fatale Folgen haben: Ist die werdende Mutter nicht ausreichend mit dem für die Schilddrüse wichtigen Spurenelement versorgt, kann dies eine Fehl- oder Frühgeburt auslösen.
Beim Kind kann der Mangel Sprach- und Hörbeeinträchtigungen verursachen, die geistige Entwicklung verzögern und die Motorik einschränken. Diese Risiken sind vermeidbar, so die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Durch eine Hormon-Messung im mütterlichen Blut in der frühen Schwangerschaft lässt sich ein Jodmangel nachweisen und entsprechend behandeln.

„Für eine normale Schilddrüsenfunktion benötigt eine werdende Mutter in der Frühphase der Schwangerschaft etwa 50 Prozent mehr an Schilddrüsenhormonen“, erklärt Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Vize-Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen. Entgegen den allgemeinen Empfehlungen sollten Schwangere den Test bereits zu Beginn der Schwangerschaft durchführen. „Die Funktionskontrolle der Schilddrüse sollte deshalb bereits etwa in der sechsten Woche stattfinden“, so die Expertin. In der Regel bieten Ärzte die Untersuchung als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) im dritten Schwangerschaftsmonat an. Der Test kostet etwa 15 Euro. Bislang übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht.

Der Schilddrüsenfunktionstest beruht auf einer Messung des sogenannten Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) im Blut. Ist dieser Wert erhöht, und werden zudem normale oder erniedrigte Werte des Schilddrüsenhormons Tetrajodthyronin (fT4) gemessen, ist dies ein Anzeichen für eine Unterfunktion der Drüse. Zu niedrige TSH-Werte weisen auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin.
„Die Investition in den Test ist in jedem Fall sinnvoll“, sagt Professor Führer. „Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse beeinflussen den Verlauf der Schwangerschaft und die Entwicklung des Kindes, beide können zu Komplikationen und Schäden führen“. Während der Schwangerschaft komme es bei etwa 0,4 Prozent aller Frauen zu einer ausgeprägten und bei 3 Prozent zu einer unterschwelligen Schilddrüsenunterfunktion. Eine Überfunktion der Schilddrüse liege bei etwa 0,1 bis 0,4 Prozent der Schwangeren vor.

Wichtig sei es, schwangerschaftsbedingte Veränderungen der Schilddrüsenwerte von eigenständigen Schilddrüsenfehlfunktionen abzugrenzen, so die Expertin aus Essen. Neben Jodmangel könne auch eine gestörte, fehlgeleitete körpereigene Abwehr Ursache einer Schilddrüsenfehlfunktion sein. Besonders bei Frauen mit Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Typ-1-Diabetes, aber auch bei Frauen mit gehäuften Schilddrüsenerkrankungen in der Familie rät die DGE-Expertin, bereits vor der Schwangerschaft die Schilddrüsenfunktion zu kontrollieren. Nehme eine Frau bereits Schilddrüsenhormone ein, müsse die Dosis in der Schwangerschaft entsprechend angepasst werden. Wenn etwa unter der bisherigen Thyroxindosis eine normale Funktion vorliegt, so wird diese in der Regel um 30 Prozent erhöht.

Über eine Aufnahme der Schilddrüsenuntersuchung in den Katalog der Krankenkassenleistungen im Rahmen der „normalen“ Schwangerschaftsvorsorge diskutiert die Fachwelt seit Jahren. „Noch liegen keine ausreichenden Studienergebnisse vor, die zu einem einheitlichen Votum geführt haben“, erklärt DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz aus Bochum. Die DGE plädiert jedoch dafür, dass Gynäkologen gemeinsam mit ihren endokrinologischen Kollegen alle werdenden Mütter über die Bedeutung von Jod in der Schwangerschaft aufklären. Um eine Unterfunktion der Schilddrüse zu vermeiden, sollten schwangere Frauen auf jeden Fall ausreichend Jod zu sich nehmen, betont Professor Schatz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt bei Schwangerschaft eine tägliche Jodaufnahme von insgesamt 250 Mikrogramm pro Tag. Da in Deutschland die Verwendung von jodiertem Speisesalz üblich ist, sodass mit der Nahrung ungefähr 100 Mikrogramm Jod pro Tag aufgenommen werden, liegen die Empfehlungen der zusätzlichen Jodzufuhr durch Tabletten während der Schwangerschaft bei 150 Mikrogramm am Tag.

Literatur:
D. Führer: Schilddrüsenerkrankungen und Schwangerschaft, Internist 2011, 52:1158–1166, DOI 10.1007/s00108-011-2823-6, Online publiziert: 5. August 2011

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Anna Voormann, Dagmar Arnold
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-984
arnold@medizinkommunikation.org

Medizinkommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie