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Deutsch-russischer Dialog zu internationalen Standards der Lebensmittelsicherheit

12.11.2008
Bundesinstitut für Risikobewertung und Land Brandenburg unterstützen russische Behörden bei der Modernisierung

Russland modernisiert sich, und zwar mit Siebenmeilenstiefeln auch auf dem Gebiet der Lebensmittel- und Produktsicherheit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unterstützt zusammen mit dem brandenburgischen Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LVLF) und dem Landeslabor (LLB) die Russische Föderation bei diesem Prozess.

Es geht insbesondere darum, die russischen Überwachungsbehörden methodisch und organisatorisch dem Standard in der Europäischen Union anzupassen. "Die russischen Kollegen sind fachlich sehr gut qualifiziert. Was ihnen jedoch fehlt, sind standardisierte Methoden bei der Überwachung", sagte Dr. Claudia Possardt, Leiterin der Abteilung Verbraucherschutz im LVLF in Frankfurt an der Oder anlässlich des Besuchs einer Delegation von Leiterinnen und Leitern der regionalen veterinärmedizinischen und chemischen Untersuchungslaboratorien der Russischen Föderation.

Im BfR interessierten sich die Besucher vor allem für die Nationalen Referenzlaboratorien: "Referenzlaboratorien sind in Russland unbekannt", ergänzte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. "Wir informierten unsere russischen Gäste über deren wichtige Funktion bei der Entwicklung und Validierung von Standardmethoden zur Lebensmitteluntersuchung sowohl auf nationaler Ebene als auch auf der europäischen Ebene." Das BfR und das LVLF planen eine längerfristige Kooperation mit den russischen Behörden auf dem Gebiet der Lebensmittel- und Produktsicherheit. Ziel ist es, die russischen Überwachungssysteme fit für den europäischen Markt zu machen.

Die rund 20 Leiterinnen und Leiter der regionalen Laboratorien der Lebensmittel- und Tierseuchenuntersuchung in Russland informierten sich zunächst in den Laboratorien des Landeslabors Brandenburg (LLB) über neueste Methoden zum Nachweis von Zoonose-Erregern. Vorgestellt wurden schnelle und sichere Verfahren für die Untersuchung von Lebensmitteln, die vom Tier stammen. Aber auch an der Rückstandsanalytik zeigten die Delegationsmitglieder großes Interesse.

Hier ging es vor allem um das Aufspüren und die präzise Bestimmung von Arzneimittelrückständen und von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln mittels moderner Analysemethoden wie der LCMS-MS. Die Experten stellten Geräte der neuesten Generation vor und sprachen über die Kooperation der Labore im Norddeutschen Kooperationsverbund (NOKO). Die russischen Gäste informierten sich in Frankfurt an der Oder auch über den Bau moderner Laboratorien für die Lebensmittelanalyse und Tierseuchendiagnostik. Hier besteht in Russland großer Nachholbedarf.

Im BfR erläuterte dessen Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel den Gästen die besonderen Aufgaben des BfR als einer unabhängig von Politik und anderen Interessen auf rein wissenschaftlicher Basis arbeitenden Behörde zur Bewertung gesundheitlicher Risiken bei Lebensmitteln. Mit großem Interesse verfolgten sie auch seine Ausführungen über das nicht ganz einfache Umfeld der Risikokommunikation in Deutschland, zu der das BfR per Gesetz verpflichtet ist. Das Monitoring von Zoonosen in Deutschland und innerhalb der Europäischen Union war ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld des BfR, das den Delegationsmitgliedern vorgestellt wurde.

Besonders großes Interesse weckten die Referenzlaboratorien für Salmonella, Trichinella und E. coli. Die BfR-Wissenschaftler erläuterten den Gästen aus Russland moderne molekularbiologische Methoden zur Identifikation und Typisierung von Zoonose-Erregern wie zum Beispiel die DNA-Chiptechnologie. Diese Untersuchungsmethode ist inzwischen so weit standarisiert und validiert, dass sie im Routinebetrieb der Überwachung eingesetzt werden kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Modernisierung der russischen Lebensmittelüberwachung ist die Überwachung von Eigenkontrollsystemen im Zuge der Umsetzung von HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Point)-Konzepten in den Betrieben der Lebensmittelproduktion. Ein Rundgang verschaffte der Delegation einen Überblick über die im BfR vorhandene Lebensmitteltechnologie, die es gestattet, die Erzeugung von Lebensmitteln von der Urproduktion im Stall bis zur Herstellung von Endprodukten wie zum Beispiel Rohwürsten zu simulieren. Auf diesem Weg können kritische Punkte in der Lebensmittelproduktion identifiziert und gezielt Maßnahmen entwickelt werden, um Risiken der Kontamination von Lebensmitteln mit krankmachenden Keimen zu minimieren. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von HACCP-Konzepten.

Die Mitglieder der Delegation waren beeindruckt von der Qualität und der Kompetenz, die sie im LVLF und in den Laboratorien von LLB und BfR antrafen. Besonders fasziniert waren sie von der Verbindung administrativer Tätigkeit und Forschung, die sie im BfR beobachten konnten und die, so Professor Andreas Hensel, erheblich dazu beitrage, die Kompetenz für die wissenschaftliche Risikobewertung zu erhalten. Sowohl die Vertreter aus Russland als auch die beiden beteiligten Institutionen aus Deutschland freuen sich auf eine künftige Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Lebensmittel- und Produktsicherheit.

Jürgen Thier-Kundke | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

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