Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dermato-Endokrinologie: Falten, Flecken, Pickel – Hormone beeinflussen die Haut

04.09.2013
Die menschliche Haut ist schützende Hülle, Wächter des Immunsystems, Temperaturregulator, Sinnesorgan, Kommunikationsmittel und Vitamin-D-Lieferant zugleich.

Beeinflusst wird sie auch durch Hormone. Diese bescheren uns beispielsweise Hautalterung, Akne oder Hirsutismus, das Bartwachstum bei Frauen. Sie kann jedoch noch mehr: Sie stellt auch Hormone her.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) weisen anlässlich einer aktuellen Publikation zur Dermato-Endokrinologie auf die Komplexität der Hormonvorgänge in der Haut hin und sprechen sich für eine interdisziplinäre Forschung und Behandlung aus.

Die menschliche Haut hat eine Fläche von 1,5 bis 2 m² und ein Gewicht von 3,5 bis 10 kg. Damit ist sie das größte und schwerste Organ des Menschen. Seit einigen Jahren interessieren sich Dermatologen immer mehr für die Haut als ein Organ mit komplexen endokrinen Eigenschaften.

Ob Akne, Hautalterung oder „Damenbart“ – die Fächer Dermatologie und Endokrinologie treffen hier aufeinander. Professor Dr. med. Christos C. Zouboulis, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Immunologisches Zentrum am Städtischen Klinikum in Dessau erklärt:

„Am Beispiel der Akne lässt sich die Wechselwirkung von Haut und Hormonen gut veranschaulichen. Während man früher Bakterien und Ernährung als Ursachen in den Blick nahm, weiß man heute, dass Androgene, also männliche Sexualhormone, die auch bei der Frau vorkommen, und Stresshormone die Entstehung der Akne beeinflussen.“ Mitesser, die Zunahme des Talgdrüsenvolumens und die Talgproduktion werden durch das Sexualhormon aber auch durch Gehirnhormone stimuliert, so der Experte aus Dessau.

Für die Behandlung von Akne, schlaffer Haut oder Damenbart haben diese Erkenntnisse eine große Bedeutung. Professor Dr. med. Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden: „Die gemäßigte Akne und der Hirsutismus lassen sich häufig gut mit Antiandrogenen behandeln. Und Östrogene wirken positiv auf die Struktur und Funktionen der Haut vor allem bei Frauen in den Wechseljahren.“ Um die Haut dicker, elastischer und feuchter zu machen, wird das Östrogen lokal auf der Haut angewendet.

Die Wirkung von Hormonen auf Haut und Haare kennt man schon länger. Professor Dr. med. Roland Kaufmann, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Frankfurt/Main und Präsident der DDG erklärt: „Hormone werden in besonderen Hautzellen aktiviert oder inaktiviert. Sie binden sich an Rezeptoren in der Haut oder interagieren mit ihnen. In der Haut gibt es Rezeptoren für Peptid- und Neurohormone, Steroid- und Schilddrüsenhormone.“ Neu ist die Erkenntnis, dass Hormone auch in der Haut produziert werden. „Verglichen mit den eigentlichen endokrinen Drüsen wie Schilddrüse oder Nebenniere handelt es sich allerdings um geringe Mengen“, erklärt Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE. Nach dem Erlöschen der Eierstockfunktion stellt die Produktion der weiblichen Hormone, der Östrogene, im Unterhautfettgewebe allerdings einen relevanten Anteil dar, wenn auch die Östrogenspiegel nach dem Wechsel insgesamt sehr niedrig sind. Dreißig verschiedene Hormone und Hormongruppen sind in den Zellen der Haut und des Unterhautfettgewebes aktiv, weiß Professor Zouboulis. Darunter sind auch schmerzlindernde Beta-Endorphine oder ein Hormon, das die Hautpigmentierung fördert.

Die Haut ist eine Hormondrüse, da sind sich die Experten einig. „Wie sich Haut und Hormone wechselseitig beeinflussen und welchen Anteil die ‚Eigenproduktion‘ am gesamten System hat, muss jedoch noch weiter erforscht werden“, bilanziert Professor Schatz. Hautärzte und Hormonexperten werden also in der neuen Disziplin der Dermato-Endokrinologie gemeinsam forschen.

Literatur:
Zouboulis C. C. und Bornstein S. R.: Haut und Hormone: Aktuelles aus der Dermato-Endokrinologie. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013: 138 (31/32); S. 1561–1563.

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Dagmar Arnold
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-984
arnold@medizinkommunikation.org

Medizin - Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie