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Depression nach Herzinfarkt: Wahrnehmung der Bedrohung entscheidend für Genesung

14.01.2013
Einer aktuellen Forschungspublikation zufolge weisen Patienten, die unmittelbar nach ihrem Herzinfarkt diesen als starke Bedrohung empfinden, ein höheres Depressionsrisiko auf. Die Ergebnisse dieser Studie können entscheidend zu einer besseren Betreuung von Herzpatienten beitragen.
„Überlebende eines Herzinfarkts erkranken in den ersten sechs Monaten nach ihrem Herzinfarkt dreimal häufiger an Depressionen als Menschen ohne Herzerkrankung. Ohne Behandlung verschlechtert sich die Prognose und führt zum Beispiel zu weiteren kardialen Ereignissen und möglicherweise auch zum Tod. Die Ursachen für das häufige Auftreten von Depressionen nach Herzinfarkten sind noch unklar“, so Prof. Claus Vögele, Erstautor und Professor für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Universität Luxemburg.

36 Herzpatienten wurden fünf bis fünfzehn Tage nach ihrem ersten Herzinfarkt, sechs bis acht Wochen später und noch einmal sechs Monate später zu ihren krankheitsspezifischen Symptomen sowie zu ihrer Müdigkeit, allgemeinen Gesundheit, Arbeit und Familie befragt. Depressivität wurde mit Fragebögen bewertet, die Depressionsdiagnosen wurden anhand eines strukturierten klinischen Interviews erstellt. Um die individuellen Strategien der Patienten für die Verarbeitung ihrer Erfahrungen zu untersuchen, wurden sie unter anderem dazu befragt, wie häufig und intensiv sie über den Herzinfarkt nachgrübeln, oder ob sie die erfahrene Bedrohung minimieren, sie versuchen sich Informationen zu beschaffen oder einen Sinn in der Religion suchen.
Die Ergebnisse gehören zu den ersten, die zeigen, dass die Art und Weise, in der Patienten mit einem Herzinfarkt umgehen, unmittelbare Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit einer Depression hat. Wenn sie den Herzinfarkt zum Beispiel weiterhin als ernste Bedrohung wahrnehmen, werden sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit – selbst noch Wochen nach dem Infarkt – an Depressionen erkranken. Wenn die Patienten andererseits Wege finden, sich auf ihre Genesung zu konzentrieren, und Freunde und Familie um Unterstützung bitten können, ist die Depressionsgefahr wesentlich geringer.

„Mit diesen Ergebnissen kann Patienten zu einer positiveren Lebensperspektive verholfen werden, selbst nach einem so lebensbedrohenden Ereignis“, erklärt Prof. Vögele, der an der Universität Luxemburg eine Forschungsgruppe zu Selbstregulation und Gesundheit leitet. „Psychologische Hilfe in der Zeit direkt nach dem Infarkt, zum Beispiel in den ersten beiden Wochen, kann Patienten vor einer Depression schützen und so zu einer erfolgreichen Genesung beitragen.“

Britta Schlüter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni.lu
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3465981/

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