Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Depression beschleunigt Zellalterung dramatisch

14.11.2013
Labortests zeigen deutliche Unterschiede bei Chromosom-Schutzkappen

Depressionen können physisch älter machen, indem sie den Alterungsprozess unserer Zellen beschleunigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die Forscher der VU University Medical Centre (VUmc) in Amsterdam gemeinsam mit US-Kollegen durchgeführt haben.

Demnach konnte mittels Labortests nachgewiesen werden, dass die Zellen von jenen Menschen, die gegenwärtig schwer depressiv sind oder in der Vergangenheit an einer Depression litten, unter dem Mikroskop deutlich älter erscheinen. Die sichtbaren Unterschiede betreffen dabei vor allem die sogenannten Telomere - die Schutzkappen am Ende der Chromosomen - und lassen sich nicht durch andere Faktoren wie etwa starkes Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum erklären, betonen die Studienautoren.

Verschiedene Einflussfaktoren

"Der Alterungsprozess einer Zelle hängt von verschiedenen Faktoren ab", erklärt Roland Foisner, Professor für Biochemie an der Meduni Wien http://www.meduniwien.ac.at und Gruppenleiter an den Max F. Perutz Laboratories http://www.mfpl.ac.at , gegenüber pressetext.

Als Beispiel verweist der Zellbiologe unter anderem auf Umwelteinflüsse wie eine direkte Sonneneinstrahlung, die die Hautzellen schädigen können. "Aber auch innere Einflüsse spielen hierbei eine Rolle. So führt etwa das Einatmen von Sauerstoff, wenn er nicht komplett verarbeitet wird, zur Bildung von freien Radikalen, die sich negativ auf die Zellen auswirken können", erläutert der Wissenschaftler.

Die Bedeutung der Telomere für den Alterungsprozess sei bereits bekannt. "Dahinter versteckt sich eine Art Schutzmechanismus für den Organismus. Prinzipiell gilt: Je kürzer die Länge der Tolemere, desto älter ist der Körper und desto geringer ist die Lebenserwartung", fasst Foisner zusammen. Hier gelte es allerdings auch Unterschiede zwischen Mensch und Tier zu beachten. Bei Mäusen sind die Tolemere nämlich deutlich länger als beim Homo sapiens. "Die Tatsache, dass diese Unterschiede existieren, zeigt, dass es auch noch andere wichtige Faktoren geben muss, die den Altersprozess beeinflussen. Ob hier auch psychische Störungen wie Depressionen mitspielen, lässt sich auch durch die aktuelle US-Studie nicht endgültig klären", meint der Experte.

"Schlagkräftige Beweise"

Die Studienautoren selbst wollen mit ihrer Untersuchung freilich "schlagkräftige Beweise" für diesen Zusammenhang gefunden haben. "Unsere groß angelegte Studie zeigt, dass Depression mehrere Jahre des biologischen Alters mit sich bringt, insbesondere dann, wenn die Betroffenen sehr ernste chronische Symptome aufweisen", zitiert BBC News die VUmc-Forscherin Josine Verhoeven. Insgesamt 2.407 Menschen hat sie gemeinsam mit US-Kollegen unter die Lupe genommen. Mehr als ein Drittel davon war gerade depressiv, ein Drittel litt in der Vergangenheit unter einer schweren Depression und der Rest hatte nie ein derartiges Problem.

Für die Analyse mussten die freiwilligen Studienteilnehmer eine Blutprobe abgeben, die im Labor nach Anzeichen der Zellalterung überprüft wurde. Dabei stellte sich heraus, dass Menschen aus den ersten beiden Gruppen deutlich kürzere Telomere aufwiesen als die Mitglieder der nicht-depressiven Kontrollgruppe. "Verkürzte Telomere sind eine Reaktion des Körpers auf den Stress, den eine Depression hervorruft", bringt Verhoeven ihre Untersuchungsergebnisse auf den Punkt. Unklar sei, ob sich dieser Prozess auch umkehren lässt, so die Forscherin abschließend.

Markus Steiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.vumc.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise