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Dengue-Risiko weltweit dreimal so hoch wie bislang angenommen

11.04.2013
Erstmals fundierte und detaillierte Daten zur globalen Verbreitung von Dengue-Fieber / Pro Jahr infizieren sich 390 Millionen Menschen / Dengue-Weltkarte unter Federführung englischer Wissenschaftler in Nature publiziert / Europäische Union fördert internationales Forschungsprojekt unter Koordination von Heidelberger Tropenmedizinern mit 6 Millionen Euro

Weltweit sind dreimal mehr Menschen von Dengue-Fieber betroffen, als bislang angenommen: 390 Millionen Neuinfektionen gibt es pro Jahr, die Weltgesundheitsorganisation WHO ging bislang von 50 bis 100 Millionen aus. Dies sind Ergebnisse einer multinationalen Studie, die erstmals fundierte und detaillierte Daten zur globalen Verbreitung von Dengue liefert. Die Arbeiten unter Federführung von Epidemiologen der Oxford University sind jetzt vorab online in der renommierten Fachzeitschrift Nature publiziert.


Risiko-Karte für Dengue-Infektionen anhand von aktuellen Hochrechnungen: In tropischen Gebieten von Asien, Afrika und Amerika ist das Risiko besonders hoch (rot).
Grafik: Jane Messina, Oxford University / Nature

Die Dengue-Weltkarte wurde im Rahmen des Forschungsnetzwerks IDAMS (International Research Consortium on Dengue Risk Assessment, Management and Surveillance) erstellt, das von der Sektion Klinische Tropenmedizin am Department für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg unter der Leitung von Dr. Thomas Jänisch, Co-Autor der aktuellen Dengue-Studie, koordiniert wird. Die Risiko-Karte soll dazu beitragen, die Ressourcen für die Kontrolle der Erkrankung gezielter und effizienter einzusetzen. Die Europäische Union fördert IDAMS seit 2011 mit insgesamt 6 Millionen Euro, davon gehen rund 830.000 Euro nach Heidelberg.

70 Prozent der Fälle in Asien / Afrika stärker betroffen

Das Dengue-Fieber ist die häufigste von Stechmücken übertragene Infektionskrankheit; weltweit leben circa 2,5 Milliarden Menschen in Dengue-Risiko-Gebieten. Eine Therapie oder Impfung gegen das Virus gibt es nicht. Vor allem Kinder in tropischen Ländern sind in Gefahr, schwer an Dengue zu erkranken oder sogar daran zu sterben. Reisende, die sich angesteckt haben, bringen die Infektionskrankheit auch nach Europa. Im Jahr 2010 wurden erste Fälle einer direkten Dengue-Übertragung durch die so genannte Asiatische Tiger-Mücke aus Südfrankreich und Kroatien gemeldet. Im Herbst 2012 gab es einen Dengue-Ausbruch auf der Ferieninsel Madeira, Portugal. Der Überträger war in diesem Fall Aedes aegypti (die „Gelbfiebermücke“).

Für die neue Risiko-Weltkarte haben die Forscher mehr als 8.000 Berichte von Dengue-Infektionen aus den Jahren 1960 bis 2012 analysiert. Faktoren wie Klima, Armut, Bevölkerungsdichte und Infrastruktur flossen in die Hochrechnungen ein. Demnach kommen auf Asien mit rund 270 Millionen Fällen rund 70 Prozent der Erkrankungen. Es folgen Afrika mit rund 64 Millionen und Amerika mit 54 Millionen Neuinfektionen pro Jahr. „Die neuen Daten zeigen, dass auch Afrika viel stärker betroffen ist, als bislang angenommen“, erklärt Dr. Thomas Jänisch. Gerade für Afrika gab es bisher keine soliden Schätzungen.

Insgesamt gebe es wesentlich mehr Infizierte als registrierte Fälle, erklärt Dr. Jänisch. Dies liegt unter anderem daran, dass sich nicht jede Infektion bemerkbar macht bzw. dass die Symptome denen anderer fieberhafter Erkrankungen, z.B. der Malaria, ähneln können.

Dengue: ein Schwerpunkt der Heidelberger Tropenmediziner

Die Wissenschaftler von IDAMS, insgesamt sind 14 Partner in 12 Ländern beteiligt, sammeln in den nächsten Jahren weitere Daten zu Dengue-Infektionen, werten diese aus und überprüfen so die aktuellen Forschungsergebnisse.

Schwerpunkt der Heidelberger Tropenmediziner ist dabei eine multizentrische Studie mit insgesamt rund 10.000 Patienten in Gesundheitseinrichtungen in Asien und Lateinamerika, z.B. in Vietnam und Brasilien. Ärzte und medizinisches Personal geben vor Ort Patientendaten wie Symptome und Laborwerte in eine spezielle Eingabemaske ein. Um die richtige Anwendung und die Qualität der Daten zu sichern, werden alle teilnehmenden Partner vor Ort geschult. Die Daten werden nach Heidelberg übermittelt und von Epidemiologen ausgewertet. „Eine Dengue-Infektion kann sehr unterschiedlich verlaufen“, erklärt Dr. Jänisch. „Wir möchten z.B. herausfinden, wie Ärzte in einem frühen Fieberstadium der Erkrankung einen schweren Verlauf erkennen oder sogar voraussagen können.“ Die Patienten mit schwerem Verlauf müssen im Krankenhaus aufgenommen und engmaschig beobachtet bzw. mit Flüssigkeitsinfusionen behandelt werden.

IDAMS ist bereits das zweite mit EU-Mitteln geförderte Dengue-Großprojekt der Heidelberger Tropenmediziner im Verbund mit internationalen Partnern. Damit hat sich die Dengue Forschung zu einem international anerkannten Schwerpunkt der Heidelberger Tropenmedizin entwickelt. Die Zunahme des Dengue-Risikos schlägt sich auch in der Arbeit der Topenmedizinischen Ambulanz der Sektion Klinische Tropenmedizin nieder: Es werden inzwischen mehr Reiserückkehrer mit Dengue-Fieber als mit Malaria diagnostiziert und behandelt.

Literatur:
The global distribution and burden of dengue
Samir Bhatt, Peter W. Gething, Oliver J. Brady, Jane P. Messina, Andrew W. Farlow, Catherine L. Moyes, John M. Drake, John S. Brownstein, Anne G. Hoen, Osman Sankoh, Monica F. Myers, Dylan B. George, Thomas Jaenisch, G. R.William Wint, Cameron P. Simmons, Thomas W. Scott, Jeremy J. Farrar & Simon I. Hay. Nature. Published online 7 April 2013. doi:10.1038/nature12060

Internet:
Dengue-Fieber-Gruppe der Sektion Klinische Tropenmedizin (neben Dr. Thomas Jänisch sind Dr. Kerstin Rosenberger, Jaswinder Kaur, Marius Wirths, Roger Gaczkowski und Prof. Thomas Junghanss beteiligt):
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/IDAMS.126411.0.html#c106203

IDAMS:
http://www.idams.eu

Kontakt:
Dr. Thomas Jänisch
Department für Infektiologie
Sektion Klinische Tropenmedizin
Tel.: 06221 5638040
E-Mail: thomas.jaenisch@urz.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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