Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Demenzerkrankungen weiter steigend

14.10.2009
"Prävention gegen Demenz kommt nach wie vor zu kurz!"

NRW bundesweit Vorreiter bei Information, Beratung und Betreuung

"Demenzerkrankungen sind nach wie vor nicht heilbar. Derzeit leiden in der Bundesrepublik ca. 1,1 Millionen Menschen an einer Demenz. Bis 2050 wird sich ihre Zahl wahrscheinlich verdoppeln. Dabei gibt es eine Reihe möglicher Präventionsmaßnahmen, die allerdings noch viel zu wenig bekannt sind."

Auf diese Tatsache wies Prof. Dr. Ralf Ihl, Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie am Krankenhaus Maria Hilf in Krefeld, im Vorfeld eines am 15.10.09 auf der Düsseldorfer REHACARE beginnenden Fachkongresses hin.

Demenzerkrankungen gehören gesellschaftlich nicht nur zu den immer noch tabuisierten Krankheiten, sie sind im Versorgungssystem gleichzeitig auch die teuersten. "Je früher die Diagnose bekannt ist, desto besser kann auch geholfen und dadurch gleichzeitig etwa drei Jahre gewonnen werden", prognostiziert Prof. Dr. Ralf Ihl. Wichtig sei zudem, das Krankheitsbild genau abzuklären. Denn es könne sein, dass demenzähnliche Symptome auch durch Vitaminmangel oder Depressionen hervorgerufen werden. Zudem könne jeder durch körperliche und geistige Aktivität sein Risiko senken, an einer Demenz zu erkranken.

Vorsichtig optimistisch äußerte sich Ihl zum neuen Medikament "Souvenaid". Das neue Medikament kommt wahrscheinlich im nächsten Jahr auf den Markt. "Man darf hiervon allerdings keine Wunder erwarten, es ist ein anderer Weg der Behandlung. Weiterhin gilt jedoch: Auch mit 'Souvenaid' ist Demenz nicht heilbar."

Demenzkranke und Pflegende brauchen konkrete Hilfen

"In der gegenwärtigen Situation kommt es deshalb auf zwei Dinge an: Einerseits muss die Grundlagenforschung intensiviert werden. Dies ist u. a. mit der Ansiedlung des Demenzzentrums zur Erforschung der neurodegenerativen Erkrankungen Kernstandort in Bonn und dem weiteren NRW-Standort in Witten/Herdecke geschehen". Weiterhin kommt es darauf an, so Prof. Ihl weiter, "dass wir die Betroffenen aufklären, die häuslich Pflegenden entlasten und die vorhandenen Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen koordinieren und in entsprechenden Hilfearrangements für die demenzkranken Menschen bündeln". Hierzu muss die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Versorgungsangeboten gestärkt und die Vernetzung der Anbieter unterschiedlicher Hilfeleistungen verbessert werden.

"Positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang", so Ihl, "die Arbeit der Landesinitiative Demenz-Service Nordrhein-Westfalen." Gemeinsam haben Landesregierung und Landesverbände der Pflegekassen vor fünf Jahren mit sogenannten Demenz-Servicezentren ein bundesweit einmaliges Informations- und Unterstützungsnetzwerk für Fachleute genauso wie für Betroffene und deren Angehörige geschaffen", erklärt Ministerialrat Roland Borosch vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW. Derzeit gibt es flächendeckend 11 Demenz-Servicezentren in NRW. Zu Beginn des Jahres 2010 werden zwei neue in den Regionen "Bergisches Land" und "Duisburg-Essen" hinzukommen.

Zurzeit leben rund 300.000 Menschen mit einer Demenz in Nordrhein-Westfalen. Ihre Zahl wird weiter steigen. "Der Ausbau der Demenz-Servicezentren ist vor dem Hintergrund zu begrüßen. Es musste schnell und frühzeitig gehandelt werden, denn es gilt den erheblich teureren Heimaufenthalt durch Begleitung im häuslichen Bereich hinauszuzögern. Wir wollen damit aber auch gleichzeitig für andere Bundesländer ein Zeichen setzen, dass sich mit begrenzten finanziellen Ressourcen etwas für die Verbesserung der Lebenssituation demenzkranker Menschen und für die die Entlastung ihrer Angehörigen bewegen lässt", resümiert Gunnar Peeters, Leiter des Referates Pflege beim Verband der Ersatzkassen e.V. für die Pflegekassen NRW. "Diese Art der Unterstützung ist nicht nur bundesweit einmalig. Sie findet aufgrund des wohlüberlegten Einsatzes von personellen und finanziellen Mittel mittlerweile auch internationale Beachtung", so Christine Sowinski, Pflegereferentin beim Kuratorium Deutsche Altershilfe, das die Landesinitiative koordiniert.

Menschen mit Migrationshintergrund nicht vergessen

"Eine ganz besondere Herausforderung sehen Experten in der Betreuung und Versorgung demenzkranker Migrantinnen und Migranten. Mit dem Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Gelsenkirchen unterstützen wir Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser und Ärzte landesweit bei der Beachtung familienorientierter und kultursensibler Besonderheiten bei der Betreuung und Pflege demenzkranker Migrantinnen und Migranten," so Reinhard Streibel vom Gelsenkirchener Demenz-Servicezentrum. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe und das Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bieten Fachkräften in der Altenhilfe und Pflege Fortbildungsmaßnahmen und Materialien für diesen Bereich an.

Pressekontakt: Christine Sowinski, Kuratorium Deutsche Altershilfe
Tel.: (0221) 93 18 47-30; mobil: 0151/58 75 45 21
E-Mail: christine.sowinski@kda.de
Internet: www.demenz-service-nrw.de
Der kostenlose Fachkongress der Landesinitiative Demenz-Service NRW "Lernen statt Vergessen" findet statt am 15.10.2009 im Congress Zentrum CCD Süd, Raum 3, 1. OG

Dr. Peter Michell-Auli | idw
Weitere Informationen:
http://www.demenz-service-nrw.de
http://www.kda.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE