Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DEGRO: Hormontherapie bei Prostatakrebs - Begleitende Bestrahlung verbessert Überlebenschancen

24.04.2009
Patienten mit nicht operablem Prostatakrebs erhielten bisher häufig ausschließlich eine Hormontherapie. Diese soll das Wachstum des Tumors bremsen, indem sie die Freisetzung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron hemmt.

Eine begleitende Strahlentherapie kann die Überlebenschancen der Patienten jedoch deutlich verbessern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer Studie hin, die kürzlich im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde.

Bei Patienten mit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf breitet sich ein Tumor in der Prostata auch auf benachbarte Organe, zum Beispiel die Samenblasen, aus. Auch wenn noch keine Lymphknoten befallen waren, erschien eine Heilung vielen Ärzten bisher aussichtslos. Ziel der Behandlungsansätze war es daher häufig nur, das männliche Geschlechtshormon Testosteron auszuschalten.

Denn dieses fördert das Krebswachstum. Vor 20 Jahren entfernten die Ärzte den Betroffenen deshalb noch die Hoden. Heute können sie die Testosteronproduktion auch medikamentös stoppen. "Eine Bestrahlung ergänzt diese Hormontherapie in idealer Weise. Denn während eine Hormongabe lediglich das Tumorwachstum hemmt, zerstört die Strahlentherapie die Krebszellen in der Prostata", erklärt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Volker Budach, Chefarzt an der Klinik für Radioonkologie an der Berliner Charité.

In einer Studie aus Skandinavien konnte jetzt erstmals belegt werden, dass die Kombination von Hormon- und Strahlentherapie den Patienten tatsächlich nutzt. 875 Männer aus Schweden, Norwegen und Dänemark hatten an ihr teilgenommen. Nach zehn Jahren waren 24 Prozent der Patienten, die nur Hormone erhielten, an dem Prostatakarzinom gestorben. Unter den Patienten, die zusätzlich bestrahlt wurden, waren es nur halb so viele. "Das ist ein klarer Vorteil, der keinem Patienten vorenthalten werden sollte", fordert Budach. "Die Strahlentherapie bietet Patienten, deren Lymphdrüsen noch nicht befallen sind, zudem durchaus die Aussicht auf eine Heilung. Erfolgt die Behandlung nur mit Hormonen, besteht diese Chance nicht."

Für die begleitende Strahlentherapie sprechen auch die geringen Nebenwirkungen. Probleme beim Wasserlassen, Durchfallerkrankungen oder Potenzstörungen traten nur unwesentlich häufiger auf als bei dem ausschließlichen Einsatz einer Hormontherapie. Dass Bestrahlungen in den letzten Jahren immer weniger Nebenwirkungen mit sich bringen, liegt an den großen technischen Fortschritten auf diesem Gebiet. "Mit modernsten Geräten sind wir heute in der Lage, einen Tumor ganz präzise und auf den Millimeter genau zu bestrahlen", berichtet Budach. Dies ermöglicht es den Ärzten auch, eine höhere Strahlendosis einzusetzen. Umliegendes Gewebe bleibt weitgehend verschont.

Quelle:
Widmark A, Klepp O, Solberg A, Damber JE, Angelsen A, Fransson P, Lund JA, Tasdemir I, Hoyer M, Wiklund F, Fosså SD; Scandinavian Prostate Cancer Group Study 7; Swedish Association for Urological Oncology 3. Endocrine treatment, with or without radiotherapy, in locally advanced prostate cancer (SPCG-7/SFUO-3): an open randomised phase III trial. Lancet 2009; 373: 301-8

Pressekontakt für Rückfragen:

Silke Stark / Silke Jakobi
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 / 8931-572
Fax: 0711 / 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie