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Darmspiegelung hilft: 100.000 Darmkrebsfälle weniger nach nur acht Jahren

19.11.2010
Seit Oktober 2002 ist die Darmspiegelung Bestandteil des deutschen gesetzlichen Programms zur Krebsfrüherkennung. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zogen nun Zwischenbilanz: Bundesweit wurden in den Jahren 2003 bis 2010 fast 100.000 Fälle von Darmkrebs durch Teilnahme an dem Programm verhütet und weitere knapp 50.000 Fälle in einem frühen, heilbaren Stadium entdeckt.

Darmkrebs entsteht langsam. Die Vorstufen brauchen meist viele Jahre, um sich zu einem gefährlichen Karzinom zu entwickeln. Sie sind bei einer Darmspiegelung, der so genannten Koloskopie, gut zu entdecken und können noch während der Untersuchung entfernt werden. „Daher kann Darmkrebs weit besser als andere Krebsarten durch konsequente Früherkennung verhütet werden“, sagt Professor Dr. Hermann Brenner, Epidemiologe im Deutschen Krebsforschungszentrum.

Brenner und seine Mitarbeiter führen mehrere Studien zur wissenschaftlichen Begleitung und Bewertung des Koloskopie-Screenings durch. In einer aktuellen Analyse zogen sie nach acht Jahren eine Zwischenbilanz, um die Anzahl der durch das Screening verhüteten Darmkrebsfälle so präzise wie möglich abschätzen zu können. Dazu werteten die Forscher die Daten des Nationalen Melderegisters aus, an das Ärzte alle Screening-Ergebnisse melden müssen, so dass die Früherkennungsuntersuchungen so gut wie vollständig erfasst sind.

In die Berechnung flossen Teilnahmeraten, alters- und geschlechtspezifische Häufigkeiten von fortgeschrittenen Darmkrebsvorstufen und deren Übergangsraten in einen bösartigen Krebstumor sowie altersspezifische Sterberaten ein.

Bundesweit wurden nach Brenners Berechnungen bis Ende 2010 bei Personen im Alter von 55 bis 84 Jahren 98.734 Darmkrebsfälle durch die Teilnahme an Früherkennungs-Darmspiegelungen verhütet. Weitere 47.168 Erkrankungen wurden frühzeitig, in einem meist heilbaren Stadium entdeckt.

„Diese großen Effekte sind umso erstaunlicher, als nur etwa drei Prozent der Berechtigten pro Jahr am Früherkennungsprogramm teilnehmen“, ist das Fazit von Hermann Brenner. Würden mehr Menschen das Früherkennungsangebot nutzen, ließen sich noch weitaus mehr Darmkrebsfälle in Deutschland verhüten. „Nach internationalen Erfahrungen“, so Brenner, „gelingt dies am ehesten durch ein organisiertes Früherkennungsprogramm mit gezielten Einladungen.“ Hierzu sind derzeit im Rahmen des Nationalen Krebsplans erste Modellprojekte in Vorbereitung.

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm bietet ab dem Alter von 50 Jahren einen Test auf okkultes Blut im Stuhl an. Vom 55. Lebensjahr an können die Versicherten kostenlos an einer Früherkennungskoloskopie teilnehmen und, sofern die Erstuntersuchung vor dem 65. Lebensjahr stattgefunden hat, nach zehn Jahren ein weiteres Mal.

Hermann Brenner, Lutz Altenhofen und Michael Hoffmeister: Zwischenbilanz der Früherkennungskoloskopie nach acht Jahren. Deutsches Ärzteblatt 2010; DOI: 10.3238/arztebl.2010.0753

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Mehr als 2.200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon über 1000 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

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