Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darmkrebs: Diagnostik verbessert

27.02.2009
Jeder Dritte, der eine Erkrankung mit Dickdarmkrebs überlebt, bekommt später Metastasen. Diese sind in einem Punkt immer mit dem Anfangstumor identisch, wie Würzburger Mediziner herausgefunden haben. Für Diagnostik und Therapie hat das Konsequenzen.

Rund 60 Prozent aller Tumoren des Dickdarms sprechen auf eine spezielle Behandlung an: Den Patienten wird dabei zusätzlich zur Chemotherapie ein Antikörper verabreicht, der sich an das so genannte EGF-Protein der Tumorzellen bindet. Deren Wachstum wird dadurch blockiert.

Seit Anfang 2008 ist dieser Antikörper in Deutschland zur Behandlung von metastasiertem Dickdarmkrebs zugelassen. Erst kurz vorher hatte man herausgefunden, welche Patienten auf den Antikörper ansprechen und welche nicht: Immer wenn in den Tumoren das Gen KRAS mutiert ist, versagt der Antikörper. Stellen Pathologen diese Mutation bei der Untersuchung des Tumorgewebes fest, so ist eine Therapie mit dem Antikörper von vornherein aussichtslos.

Metastasierung: KRAS-Gen verändert sich nicht

Mediziner von der Universität Würzburg haben jetzt entdeckt: Wenn bei Dickdarmkrebs-Patienten Metastasen auftreten, dann sieht deren KRAS-Gen immer so aus wie im Anfangstumor: War es dort mutiert, ist es in den Metastasen ebenfalls mutiert. War das Gen im Tumor normal, dann ist das auch in den Metastasen so.

"Selbstverständlich ist dieses Phänomen nicht, denn manche Tumoren verändern bei der Metastasierung ihre Eigenschaften", sagt Pathologie-Professor Stefan Gattenlöhner von der Universität Würzburg.

Ergebnisse in Fachjournal publiziert

Dass der Zustand des KRAS-Gens in den Metastasen immer der gleiche ist wie im Anfangstumor, hat Stefan Gattenlöhner gemeinsam mit den Würzburger Professoren Hans Konrad Müller-Hermelink (Pathologie) und Christoph-Thomas Germer (Chirurgie) herausgefunden. Die Wissenschaftler hatten dafür die Tumoren von 106 Dickdarmkrebs-Patienten mit insgesamt 268 Metastasen verglichen, die an verschiedenen Stellen des Körpers gewachsen waren. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt im New England Journal of Medicine publiziert.

Konsequenzen für die Behandlung

Diese neue Erkenntnis lässt sich für die Therapie nutzen, wie Stefan Gattenlöhner erklärt: "Denken Sie sich einen Patienten, der vor sechs Jahren einen Dickdarmkrebs überstanden hat. Jetzt ist er wieder in Behandlung, weil in seiner Lunge und in der Leber Metastasen sitzen. Um herauszufinden, ob ihm die neue Antikörper-Therapie etwas bringen würde, müssen wir erst gar keine Gewebeproben aus den Metastasen entnehmen - was im Übrigen auch nicht immer machbar ist. Stattdessen können wir das Gewebe des Anfangstumors untersuchen, denn das wird in den Kliniken aufbewahrt. Wenn in diesem Gewebe das KRAS-Gen unverändert ist, dann gilt das auch für die aktuellen Metastasen des Patienten. Also wird die Antikörper-Therapie bei ihm wirken."

Die Antikörper-Therapie

"Der EGFR-Antikörper hat ein starkes Potenzial gegen Tumoren", sagt Stefan Gattenlöhner. Bei einer Studie sei sogar beobachtet worden, dass sich Lebermetastasen zurückbildeten, nachdem die Patienten ausschließlich mit dem Antikörper behandelt wurden. Wenn sich dieser Effekt in weiteren Untersuchungen bestätigt, könnte der Antikörper zukünftig vielleicht zur alleinigen Therapieform bei metastasiertem Dickdarmkrebs werden.

Der Einsatz des Antikörpers birgt allerdings auch ein mögliches Risiko: In den Patienten, die von der Therapie profitieren, könnte es auch einige wenige Krebszellen geben, die dem Antikörper widerstehen. Dann würde im Lauf der Behandlung eventuell eine resistente Gruppe von Krebszellen "herangezüchtet". Ob das in der Realität passiert, wollen die Würzburger Forscher im Blick behalten.

Häufigkeit von Dickdarmkrebs

Jährlich erkranken in Deutschland schätzungsweise 37.000 Männer und 36.000 Frauen an Krebs des Dickdarms, Mastdarms oder Enddarms (Angaben der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister und des Robert-Koch-Instituts). Damit steht diese Tumorart auf dem zweiten Platz sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der Statistik der Krebstodesursachen. Dickdarmkrebs gilt als Alterserkrankung. Bei Menschen unter 45 ist er zwar möglich, aber vergleichsweise selten.

"K-ras Mutations and Cetuximab in Colorectal Cancer", Gattenlöhner S., Germer C., Müller-Hermelink H-K, New England Journal of Medicine, 19. Februar 2009, Vol. 360, Seiten 833-836

Weitere Informationen: Prof. Dr. Stefan Gattenlöhner, T (0931) 201-47420, stefan.gattenloehner@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie

Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa

16.01.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz