Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darmentzündung begünstigt Darmkrebs

19.03.2013
Ein Zusammenhang von Darmentzündung und Darmkrebs wurde seit Langem vermutet.

Nun hat ein internationales Forscherteam unter Federführung der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen zeigen können, dass bestimmte Bindegewebszellen ein wichtiges Brückenglied zwischen Darmentzündung und Darmkrebs bilden.


Mikroskopische Aufnahme eines Gewebsschnitts durch einen Dickdarmtumor mit Spezialfärbung: Die blau angefärbten Zellen produzieren den Wachstumsfaktor Epiregulin. Es handelt sich zum Großteil um Bindegewebszellen (Tumorfibroblasten).
Foto: Dr. Clemens Neufert

Diese sogenannten Tumorfibroblasten fördern in entzündlicher Umgebung die Produktion und Freisetzung eines Schlüsseleiweißes und Wachstumsfaktors namens Epiregulin, das das Darmkrebswachstum aktiv beschleunigen kann.

Dickdarmkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen der westlichen Welt. Eine gute Heilungschance besteht trotz Fortschritten in Diagnostik und Therapie nur bei Diagnose im Frühstadium. Chronische bzw. häufig wiederkehrende Darmentzündungen bilden einen Risikofaktor für das Auftreten von Darmkrebs.

„Ausgangspunkt unserer Arbeit waren umfangreiche Tumorgewebe-Analysen, bei denen die Aktivität sämtlicher Gene in verschiedenen Typen von Dickdarmtumoren automatisiert untersucht wurde. Dies führte zunächst zu einer langen Liste an potenziell interessanten Kandidatengenen, mit denen wir weitere Analysen durchführten“, beschreibt das Erlanger Forscherteam die Frühphase des Projekts.

„Im Verlauf mehrten sich die Hinweise auf eine wichtige Rolle von Epiregulin für das Darmkrebswachstum“, so die Wissenschaftler. Die neuen Erkenntnisse überraschten, da bis dahin nur bekannt war, dass ein Fehlen von Epiregulin Entzündungsreaktionen im Darm verschlechtert. Somit wäre zu erwarten gewesen, dass eine erhöhte Produktion von Epiregulin das Tumorwachstum eher hemmt als fördert.

Ansatzpunkt für Verbesserung der medikamentösen Darmkrebstherapie entdeckt
Durch die Kooperation der Erlanger Darm-Forscher mit Wissenschaftlern in Bayreuth, Mainz, München und North Carolina (USA) gelang es schließlich nach mehrjähriger Arbeit, die funktionelle Bedeutung von Epiregulin für die entzündungsabhängige Tumorentwicklung klar herauszuarbeiten:

Die Forscher entdeckten einen molekularen Mechanismus zwischen Darmentzündungen und entzündungsabhängigem Darmkrebswachstum. „Unsere Laborergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass Epiregulin eine Doppelrolle spielt. Einerseits unterstützt es die gute Wundheilung im Darm bei geschwürigen Entzündungsreaktionen, andererseits fördert es das Wachstum von Darmkrebs“, erläutern Dr. Clemens Neufert und Prof. Dr. Markus F. Neurath.

Zusätzlich gelang es den Forschern, den entscheidenden Zelltyp zu identifizieren, der für die Produktion von Epiregulin verantwortlich ist: Hierbei handelt es sich um Bindegewebszellen, sogenannte Tumorfibroblasten. Diese sind in entzündlichem Milieu in der Lage, große Mengen von Epiregulin zu produzieren und sogar andere Zellen zur Produktion des Wachstumsfaktors anzuregen. Jetzt hoffen Dr. Neufert und Prof. Neurath, dass sich auf der Basis ihrer Forschungsergebnisse die therapeutischen Möglichkeiten für die medikamentöse Darmkrebsbehandlung verbessern lassen.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) um Dr. Clemens Neufert und Prof. Neurath wurden soeben in der April-Ausgabe (vorab online) der amerikanischen Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation“1) publiziert. C. Neufert, C. Becker, Ö. Türeci, M. J. Waldner, I. Backert, K. Floh, I. Atreya, M. Leppkes, A. Jefremow, M. Vieth, R. Schneider-Stock, P. Klinger, F. R. Greten, D. W. Threadgill, U. Sahin, M. F. Neurath (2013): Tumor fibroblast-derived epiregulin promotes growth of colitis-associated neoplasias through ERK. J Clin Invest Volume 123, issue 4 (Apr 2013)).

Informationen für die Medien:
Dr. Clemens Neufert
Tel.: 09131/85-45062
clemens.neufert@uk-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie