Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Darm als Spiegel der Stoffwechsel- und Herzgesundheit?

21.01.2013
Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen beteiligt sich ab 2013 an dem neuen, internationalen Forschungsprojekt METACARDIS. Darin erforscht ein Konsortium von 14 Forschungszentren und -unternehmen aus Frankreich, Deutschland, England, Dänemark, Schweden und Belgien wie die menschliche Darmflora mit Herz- und Stoffwechselerkrankungen zusammenhängt.

In der Forschung gibt es bislang keine tiefer gehenden Erkenntnisse zur Wechselwirkung zwischen Darmflora (Mikrobiom) und Herz- oder Stoffwechselerkrankung. Es wird aber immer deutlicher, dass die sehr große Zahl von Bakterien in unserem Darm eine größere Bedeutung für die kardio­metabolische Gesund­heit hat, als bisher angenommen.

Mit 12 Millionen Euro fördert die Europäische Union das über fünf Jahre angelegte multizentrische Forschungsprojekt METACARDIS (Meta­genomics and Integrative Systems Medicine of Cardiometabolic Diseases).

Darmflora unter der Lupe
Durch klinische und experimentelle Studien untersuchen die Forscher im METACARDIS-Projekt, wie sich die Darmflora bei Studienteilnehmern mit unterschiedlichen Graden metabolischer und kardiologischer Erkrankungen unterscheidet. Dafür wird allein das IFB Untersuchungs­daten von über 600 Probanden liefern. Eine spezielle Analyse der Stuhl­proben mit einer ge­netischen Bestimmung der Darmkeime und Messung vieler Stoffwechsel­produkte ist das Herzstück der Studie. Dadurch wird eine völlig neuartige Beschreibung der individuellen Darmflora möglich.

Grundsätzlich ist die Darmflora des Menschen mit 400 bis 500 verschiedenen Bakterien­spezies bestimmt durch die menschlichen Gene und die Keime, mit denen der Einzelne konfrontiert war. Deshalb gibt es innerfamiliär vergleichbare Darmfloren. Bekannt ist außerdem, dass bei übergewichtigen Patienten weniger Arten von Darmbakterien vor­kommen als bei Normalge­wichtigen. Auch wächst das Verständnis, wie die Darmflora durch Nahrungszusammensetzung oder Antibiotika beeinflusst werden.

Diesen Beobachtungen gehen die METACARDIS-Forscher auf den Grund, in dem sie die Wechselwirkungen prüfen zwischen dem Mikrobiom bzw. seinen Veränderungen und der Entwicklung von Erkran­kungen wie Adipositas (krank­haftes Übergewicht), Typ2-Diabetes, Arteriosklerose, Blut­hochdruck sowie Herzschwäche. Diese sehr häufigen Erkrankungen hängen ursächlich stark miteinander zusammen. Diabetes etwa entsteht häufig als Folgeerkrankung einer Adipositas. Starkes Übergewicht führt oft zunächst zum metabolischen Syndrom (Blut­ochdruck, Fettstoffwechsel- und Blutzuckerstörungen), das wiederum langfristig in Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen mündet.

Therapien mit Hilfe der Darmflora?
Ziel von METACARDIS ist deshalb die gemeinsamen, krank machenden Faktoren und Ver­läufe für die genannten Erkrankungen zu identifizieren. Darüber hinaus soll heraus­gefunden werden, welche Eigenschaften der Darmflora auf ein erhöhtes Erkrankungs­risiko hinweisen und wie sie therapeutisch beeinflusst werden kann. Prof. Dr. Michael Stumvoll, wissenschaftlicher Leiter des IFB, betont die Chancen, die METACARDIS für die Patientenbehandlung eröffnet:
"Es gibt zukunftsweisende Ideen, wie man das Mikrobiom günstig beeinflussen kann. Die Nahrungsmittelindustrie denkt ja schon länger nach über Präbiotika, also Bakterien in der Nahrung, und über Probiotika zum Beispiel in Jogurt, die das Bakterienwachstum gezielt fördern. Ganz neu und erstaunlich wirksam sind Ansätze, Stuhl von gesunden Probanden auf metabolisch kranke zu übertragen. Dadurch haben sich zwölf Wochen später bei den Empfängern tatsächlich viele Faktoren des Metabolischen Syndroms deutlich verbessert."

Derzeit ist allerdings noch nicht geklärt, wie sich eine "günstige" Darmflora zusammen­setzt, mit welchen Bakterienstämmen und in welchen Ver­hältnissen. METACARDIS wird zur Klärung dieser Fragen beitragen. Erkenntnisse aus der klinischen und Grundlagen­forschung könnten zukünftig zu völlig neuartigen Behand­lungswegen der Adipositas und assoziierter Folgekrankheiten wie Insulinresistenz, Fettleber, Diabetes und Arteriosklerose führen.

Das IFB AdipositasErkrankungen ist eines von acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Es ist eine gemeinsame Einrichtung der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig (AöR). Ziel der Bundesförderung ist es, Forschung und Behandlung interdisziplinär so unter einem Dach zu vernetzen, dass Ergebnisse der Forschung schneller als bisher in die Behandlung adipöser Patienten integriert werden können. Am IFB Adipositas­Erkrankungen gibt es derzeit über 40 Forschungsprojekte. Zur Patientenversorgung stehen eine IFB Adipositas­-Ambulanz für Erwachsene und eine für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Das IFB wird das Feld der Adipositasforschung und -behandlung in den nächsten Jahren kontinuierlich ausbauen.

Doris Gabel

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Stumvoll
Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen
Telefon: +49 341 97-13380

Doris Gabel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit IFB
Telefon: +49 341 97-13361
E-Mail: presse@ifb-adipositas.de

Susann Huster | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.ifb-adipositas.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Röntgenlaser enthüllt Struktur von Blutdruckregler
24.04.2015 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

nachricht Bei Heuschnupfen verhindert Vorbeugen das Schlimmste
23.04.2015 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ist unser Universum ein Hologramm?

Zur Beschreibung des Universums braucht man möglicherweise eine Dimension weniger als es den Anschein hat. Rechnungen der TU Wien legen nun nahe, dass es sich dabei nicht bloß um einen Rechentrick handelt, sondern um eine grundlegende Eigenschaft des Raums.

Auf den ersten Blick scheint jeder Zweifel ausgeschlossen: Das Universum sieht für uns dreidimensional aus. Doch eine der fruchtbarsten Ideen der theoretischen...

Im Focus: Hummelgenom entschlüsselt

Eine Kollaboration von Forschenden unter ETH-Federführung hat das Genom von zwei kommerziell bedeutenden Hummelarten aufgeklärt. Die Resultate bieten unerwartete Einblicke in Ökologie und Evolution der Hummeln und auch der Honigbiene.

Hummeln gelten als friedfertig und fleissig. Nicht zuletzt seit es weltweit mit der Honigbiene bergab geht, ist der kommerzielle Wert dieser Insekten...

Im Focus: Elektromobilität: Ultraleichtes Kraftpaket für das elektrische Fliegen

Siemens hat einen einzigartigen Elektromotor entwickelt, der hohe Leistung mit einem minimalen Gewicht kombiniert. Durch konsequente Optimierung aller Komponenten stellt der neue Antrieb in seiner Klasse einen Weltrekord beim Leistungsgewicht auf. Dadurch kommt der routinemäßige Einsatz von elektrisch angetriebenen Flugzeugen oder Helikoptern einen großen Schritt näher.

Manchmal lässt sich eine technische Revolution ganz knapp in einer einzigen Zahl zusammenfassen. In diesem Fall lautet sie: fünf Kilowatt pro Kilogramm – das...

Im Focus: Fast and Accurate 3-D Imaging Technique to Track Optically-Trapped Particles

KAIST researchers published an article on the development of a novel technique to precisely track the 3-D positions of optically-trapped particles having complicated geometry in high speed in the April 2015 issue of Optica.

Daejeon, Republic of Korea, April 23, 2015--Optical tweezers have been used as an invaluable tool for exerting micro-scale force on microscopic particles and...

Im Focus: Von Innen nach Außen: Rätsel der galaktischen Scheiben gelöst

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Ivan Minchev, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP), hat mithilfe hochmoderner theoretischer Modelle das Rätsel um die Entwicklung der Galaxienscheiben gelöst. Die jetzt veröffentlichte Studie zeigt, dass sich Sternpopulationen gleichen Alters durch Galaxienkollisionen nach außen hin ausweiten. Ähnlich wie die Blüten einer Rose reichern sich diese Populationen schichtweise in der Galaxie an und formen so allmählich die dicke Scheibe.

„Wir können nun zum ersten Mal zeigen, dass dicke Scheiben nicht nur aus alten Sterngenerationen bestehen, sondern – in einem größeren Abstand zum...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Evolution von Materialhybridkonzepten

27.04.2015 | Veranstaltungen

Schall und Schwingung

27.04.2015 | Veranstaltungen

Energiemanager diskutieren über Zukunft des kommunalen Energiemanagements

27.04.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bremer Team B-Human gewinnt zum siebten Mal infolge bei den RoboCup German Open

27.04.2015 | Förderungen Preise

Siemens steigert durch Digitalisierung die Wettbewerbsfähigkeit in der Prozessindustrie

27.04.2015 | Messenachrichten

Siemens übergibt weltweit größte Offshore-Netzanbindung an TenneT

27.04.2015 | Energie und Elektrotechnik