Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit die Galle nicht überläuft

11.05.2009
HZI-Forscher untersuchen, welche Bakterien künstliche Gallengänge dichtmachen.

Eine unangenehme Folgeerscheinung verschiedener Krebsarten im Bauchraum sind blockierte Gallengänge. Abhilfe leisten hier künstliche Katheter: Diese so genannten Stents sind medizinische Implantate, die verengte Gallenwege wieder öffnen, damit die Galle abfließen kann.

In den Kathetern siedeln sich jedoch Bakterien an und bilden Lebensgemeinschaften, so genannte Biofilme. In ihnen sind die Mikroorganismen vor einer Abwehr durch das Immunsystem oder gegen Antibiotika geschützt. Da die Katheter durch die Biofilme verstopfen, müssen sie regelmäßig ersetzt werden.

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) aus Braunschweig haben nun die Gallenstents von Patienten aus Kliniken in Salzgitter und Braunschweig untersucht. Sie wollten wissen: Welche Bakterien wachsen in den Stents? Dieses Wissen soll in Zukunft die Entwicklung von Medikamenten erleichtern, die zielgerichtet gegen die Biofilme wirken. Die HZI-Forscher entdeckten einige spezielle Bakterienarten, die die Stents meist als erstes besiedeln. Außerdem erfassten sie statistisch die Zusammensetzung der bakteriellen Gemeinschaft der Katheter. Ihre Ergebnisse veröffentlichte jetzt das Wissenschaftsjournal "International Society for Microbiological Ecology".

Den Forschern der HZI-Abteilung "Mikrobielle Pathogenität" dienten als Probenmaterial Gallenstents von Patienten, denen alte Katheter entnommen und durch neue ersetzt wurden. Dabei arbeiteten sie mit der Chirurgischen Klinik des Klinikums Braunschweig und der Inneren Medizin des Klinikums Salzgitter zusammen. Das Klinikum Salzgitter ist die größte Klinik in der Region, in der jede Woche Patienten ambulant neue Gallenstents erhalten. "Der Vorteil ist, dass wir sehr viele Proben zum Vergleich erhielten", sagt Dietmar Pieper, Arbeitsgruppenleiter in der Abteilung "Mikrobielle Pathogenität". "Diese große Menge an Proben konnten wir nur untersuchen, indem wir nicht versuchten, die Bakterien in der Kulturschale zu züchten, sondern besondere, sogenannte kultivierungsunabhängige Methoden nutzten", sagt Pieper. Die Fragen, die sich die Forscher stellten waren: Wie setzt sich die Bakteriengemeinschaft in den Gallenstents zusammen und gibt es Tendenzen, welche Bakterien besonders häufig vorkommen?

"Natürlich unterscheiden sich alle Patienten voneinander, so dass die beobachteten Bakteriengemeinschaften sehr verschieden und komplex sind", sagt Pieper. Grundsätzlich konnten die Forscher jedoch erkennen, dass es immer wiederkehrende Hauptbesiedler gibt, wie das Bakterium Streptococcus anginosus. Wechselwirkungen und Abhängigkeiten unter den Bakterien erfassten die Forscher außerdem statistisch. "Wir konnten zeigen, dass die Besiedlung der Stents Prinzipien folgt, die denen der Biofilm-Bildung von zum Beispiel Zahnbelag ähneln", sagt Pieper.

"Bestimmte Bakterien legen den Grundstein für die Besiedlung der Gallenstents. Sie können aber auch verhindern, dass andere Arten sich einnisten", sagt Pieper.

In Zukunft möchten die Forscher untersuchen, welche Rolle zum Beispiel eine gesunde Lebensweise auf die Zusammensetzung von Biofilmen spielt. "Mit diesen Ergebnissen ist ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung neuer Methoden und Medikamente gelegt worden", sagt Pieper.

Originalartikel: Characterization of the complex bacterial communities colonizing biliary stents reveals a host-dependent diversity. Britta K Scheithauer, Melissa L Wos-Oxley, Björn Ferslev, Helmut Jablonowski and Dietmar H Pieper. ISME J advance online publication, April 9, 2009;

doi:10.1038/ismej.2009.36

Dr. Bastian Dornbach | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie