Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit Fett nicht mehr krank macht

11.11.2013
Austrian Drug Screening Institute startet neues Forschungsprojekt zur Suche nach pflanzlichen Medikamenten gegen das metabolische Syndrom

Starkes Übergewicht macht krank: Das metabolische Syndrom, also die Kombination von zu viel Bauchfett, erhöhtem Cholesterin, Bluthochdruck sowie beginnendem Diabetes, gilt als Hauptursache für Herzinfarkt und Schlaganfall. Medikamente, die die Langzeitfolgen verhindern oder vermindern, werden dringend gebraucht.

Das Austrian Drug Screening Institute, ADSI, in Innsbruck will nun gemeinsam mit dem Unternehmen Bionorica research, der Universität Wien und der Medizinischen Universität Innsbruck dafür die Voraussetzungen schaffen.

In einem kürzlich gestarteten Bridge-Forschungsprojekt der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) werden am ADSI Testsysteme entwickelt. Sie ermöglichen eine systematische Suche nach Pflanzenwirkstoffen gegen das metabolische Syndrom. Pflanzliche Präparate sind Vielstoffgemische. Sie bieten sich gerade für die Behandlung komplexer Krankheiten an, weil sie verschiedene Fehlfunktionen gleichzeitig beeinflussen können.

Die Krankheit im Labor nachbilden

Ein Markenzeichen des ADSI ist die Entwicklung von neuartigen Testsystemen für die wirklichkeitsgetreue Simulation von Krankheiten. Dabei handelt es sich um Gemeinschaften verschiedener Zellarten, sogenannte Co-Kulturen, die sich im Labor ganz ähnlich verhalten wie im Patienten. Im Fall des metabolischen Syndroms entwickeln die Wissenschaftler Co-Kulturen aus Fett- und Immunzellen sowie aus Fett- und Muskelzellen. Damit wollen sie auf zwei wesentliche Aspekte des metabolischen Syndroms Einfluss nehmen: Entzündung und Insulinresistenz, der Vorstufe des Diabetes.

Fehlgesteuerte Fettzellen fördern Entzündung

Beim metabolischen Syndrom spielen Fettzellen die Hauptrolle. Diese Zellen bestehen aus einem riesigen Fetttropfen und einem kleinen, von dem Fett ganz an den Rand gedrängten Zellkern. Man könnte meinen, es handele sich um lethargische Zellen, die kaum etwas anderes tun als Fett zu speichern. In Wahrheit handelt es sich aber um höchst aktive Hormon- und Signalstoff-Produzenten, chemische Kommunikationszentralen, die auf den gesamten Stoffwechsel Einfluss nehmen. Beim metabolischen Syndrom läuft hier einiges schief: Die Fettzellen stoßen zu viel von den falschen Botenstoffen aus, locken Immunzellen wie Makrophagen ins Fettgewebe und produzieren eine chronische Entzündung. Diese schädigt die Gefäße und fördert die Entstehung von Diabetes. Um entzündungshemmende Medikamente zu finden, werden Modelle gebraucht, an denen diese getestet werden. Das ADSI entwickelt im Bridge Projekt mit seinen Partnern unter anderem Co-Kulturen aus Fettzellen und Makrophagen.

Muskelgewebe nimmt kein Insulin mehr auf
Beim metabolischen Syndrom tragen die Fettzellen auch dazu bei, dass das Muskelgewebe im Körper nicht mehr auf das körpereigene Hormon Insulin reagiert – es wird insulinresistent. Insulin ist für die Aufnahme von Blutzucker ins Gewebe verantwortlich. Funktioniert dieser Vorgang nicht mehr richtig, steigt der Blutzucker an und führt zu Diabetes. Am ADSI werden nun Co-Kulturen aus Fett- und Muskelzellen entwickelt, an denen Pflanzenpräparate getestet werden können, die die Insulinresistenz aufhalten. Weitere Schwerpunkte bilden die Herstellung und Analytik von Pflanzenextrakten, Screening, und pharmakologische Tests. Das gesamte Projekt läuft bis Mitte 2015.

"Das metabolische Syndrom entwickelt sich zu einem immensen Gesundheitsproblem, für das wir nur Lösungen finden werden, wenn Wissenschaft und forschende Unternehmen zusammenarbeiten. Das ADSI ist als Drug Screening Plattform für Universitäten und Industrie ideal für diese Thematik geeignet. Wir setzen dabei auf den innovativen Ansatz unseres Firmenpartners Bionorica, das Therapiepotenzial von Heilpflanzen wissenschaftlich fundiert zu nutzen", sagt Professor Günther Bonn von der Universität Innsbruck zum Start des Bridge-Projekts. Prof. Bonn und Prof. Lukas Huber von der Medizinischen Universität Innsbruck sind die wissenschaftlichen Leiter des Austrian Drug Screening Institutes.

Links:
ADSI: www.adsi.ac.at
Bionorica research GmbH: http://www.bionorica.de/natur-und-forschung/bionorica_research_gmbh/%C3%BCber-bionorica-research.html

Medizinische Universität Innsbruck, Universitätsklinik für Innere Medizin 1: https://www.i-med.ac.at/patienten/ukl_inneremedizin1.html

Universität Wien, Department für Pharmacognosie : http://www.univie.ac.at/pharmakognosie/

FFG-Programmlinie Bridge: https://www.ffg.at/bridge

Rückfragen:
Dipl. Chem. Carola Hanisch
Cemit – Center of Excellence in Medicine and IT GmbH
6020 Innsbruck, Karl-Kapferer-Str.5
Tel. +43 512 576523-221, Fax 43 512 576523-301
E-Mail: carola.hanisch@cemit.at
www.cemit.at
Hintergrundinfos ADSI
ADSI, das Austrian Drug Screening Institute, ist ein Forschungsunternehmen der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (LFUI) und steht unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das Unternehmen widmet sich dem Drug Screening, also der systematischen Suche nach neuen Wirkstoffen. Diese sollen helfen Krebs, Entzündungen und Stoffwechselerkrankungen wirksam und schonend zu behandeln. Im ADSI wird zum einen die Heilkraft neuer Pflanzenextrakte wissenschaftlich fundiert für die Medizin genutzt. Und zum anderen wird die Suche nach chemisch-synthetischen Wirkstoffen schneller und erfolgreicher als bisher. Das Austrian Drug Screening Institut wurde von dem analytischen Chemiker Prof. Günther Bonn, LFUI, und dem Zellbiologen Prof. Lukas Huber, Medizinische Universität Innsbruck, ins Leben gerufen und wird von ihnen gemeinsam geleitet.

Carola Hanisch | Cemit GmbH
Weitere Informationen:
http://www.cemit.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie