Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit Ärzte gut sehen, warum ihre Patienten schlecht sehen

05.11.2014

Informatiker der TU Chemnitz forschen gemeinsam mit Augenärzten an der Auswertung von OCT-Daten, die bei der Diagnose von altersbedingten Augenerkrankungen entstehen

Während die Bevölkerung immer älter wird, nimmt die Zahl der Ärzte, vor allem in ländlichen Regionen, ab – ein Problem, das sich nicht nur in Sachsen ausbreitet.


Jun.-Prof. Dr. Paul Rosenthal (r.) und Jun.-Prof. Dr. Marc Ritter (l.) kooperieren mit Prof. Dr. Katrin Engelmann (hinten), Chefärztin der Klinik für Augenheilkunde der Klinikum Chemnitz gGmbH.

Foto: TU Chemnitz/Steve Conrad

Der demographische Wandel sorgt dafür, dass neue medizinische Anforderungen entstehen, die jedoch personell nur noch schwierig bewältigt werden können. So etwa bei der altersbedingten Makuladegeneration, kurz AMD, einer Augenerkrankung, die zum Erblinden führen kann.

„Vor 50 Jahren spielte diese Krankheit noch keine Rolle. Heute aber werden die Menschen älter. Außerdem steigt der Anspruch, den sie an die Möglichkeiten der Medizin stellen“, sagt Jun.-Prof. Dr. Paul Rosenthal, Inhaber der Juniorprofessur Visual Computing der Technischen Universität Chemnitz.

Rosenthal ist Sprecher des Forschungsprojektes „OphthalVis: Datenverarbeitung und Visualisierung – Neue Tools für die effiziente medizinische Versorgung degenerativer Netzhauterkrankungen“, das zum 1. Oktober 2014 gestartet ist. In den kommenden zwei Jahren werden die Wissenschaftler der Juniorprofessur Visual Computing und der Juniorprofessur Media Computing um Jun.-Prof. Dr. Marc Ritter mit Augenärzten des Klinikums Chemnitz sowie der Universitätskliniken Greifswald und Freiburg kooperieren. Gesponsert wird das Projekt mit rund 200.000 Euro von der Novartis Pharma GmbH.

Bei der Diagnose von AMD kommen heute OCT-Geräte zum Einsatz, die eine sogenannte Optische Kohärenztomographie durchführen. Diese ermöglichen durch berührungslose Messverfahren Einblicke in die Netzhaut. „Die bei den Untersuchungen entstehenden Daten sind bislang meist lediglich mit proprietärer Software der Gerätehersteller lesbar, die diese oft nur sehr rudimentär aufbereiten“, erklärt Rosenthal.

Überdies erfordert die Auswertung sehr viel Erfahrung und Spezialwissen von den Augenärzten, um mit den entstehenden Bildern mehr als grundständige Diagnosen zu stellen – und Ärzte mit mehr Erfahrung erhalten in der Auswertung nicht genügend visuelle Unterstützung, obwohl die Daten sehr viel intuitiver und hilfreicher dargestellt werden könnten.

Die Wissenschaftler verfolgen deshalb zwei Ziele: Zum einen wollen sie die entstehenden Daten so aufbereiten, dass auch Ärzte mit geringerer Erfahrung im Umgang mit OCT-Daten genauere Diagnosen stellen können. Dafür soll ein Teil der Auswertung automatisch verlaufen, sodass auch mehr Menschen prophylaktisch untersucht werden können und nicht erst dann zum Augenarzt gehen, wenn sie bereits Beschwerden haben und ein großer Teil der Sehfähigkeit nicht mehr gerettet werden kann.

„Gerade in ländlichen Regionen gilt es die Versorgungsstrukturen so zu gestalten, dass die Patienten rechtzeitig und fachgerecht diagnostiziert werden können. Unsere Vision ist es OCT-Geräte breiter für diese Zwecke einzusetzen. Dafür müssen diese aber so automatisiert die Daten auswerten, dass auch für weniger erfahrene Ärzte sofort zu erkennen ist, ob alles im grünen Bereich ist oder eine weitergehende Maßnahme nötig ist“, so Rosenthal.

Zum anderen arbeiten die Informatiker gemeinsam mit den Medizinern auch daran, mit Hilfe der OCT-Bilder eine Diagnose frühzeitiger stellen zu können. „Wir möchten herausfinden, wie sich eine AMD in ihrer Entstehung zeigt; was die Bilder also typischerweise zeigen, wenn die Erkrankung noch gar nicht da ist“, sagt Rosenthal.

In die Forschung einbringen können sich auch TU-Studierende der Informatik sowie der beiden Studiengänge Biomedizinische Technik und Medical Engineering. „Vor allem für Masterarbeiten bietet das Projekt viel Praxisnähe und Relevanz“, sagt Rosenthal.

Am Ende dieses Projektes soll ein Open-Source-Programm stehen, auf das alle Augenärzte bei Bedarf und Interesse zugreifen können, das aber noch nicht für medizinische Anwendungen zugelassen ist. „Die Zulassung kann dann das Thema in Folgeprojekten sein, in denen wir noch stärker mit Kliniken zusammenarbeiten wollen“, so Rosenthal.

Weitere Informationen erteilt Jun.-Prof. Dr. Paul Rosenthal, Telefon 0371 531-39227, E-Mail paul.rosenthal@informatik.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik