Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Coach statt Arzt

09.02.2012
Lehrpersonen mit Erschöpfungsdepressionen

Lehrpersonen, die an einem Burnout erkranken, leiden nicht nur unter den beruflichen Anforderungen, sondern auch unter der mangelhaften Anerkennung durch ihr berufliches Umfeld. Sie fühlen sich durch die wiederholten Schulreformen stark verunsichert.

Die oft praktizierte Krankschreibung erfüllt ihren Zweck nicht; besser würde man die Lehrpersonen vor Ort mit einem Coach begleiten. Zu diesen Schlüssen kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Studie im Kanton Bern.

Viele Lehrerinnen und Lehrer haben mit Erschöpfungssymptomen zu kämpfen; allein im Kanton Bern werden pro Jahr schätzungsweise zwischen 70 und 100 Lehrpersonen für längere Zeit krankgeschrieben. Ein Team um den Sozialwissenschaftler Kurt Hofer von der Pädagogischen Hochschule Bern hat nun mittels Interviews und teilnehmender Beobachtung untersucht, wie acht Lehrpersonen, die aufgrund einer schweren Erschöpfung für mindestens sechs Monate krankgeschrieben wurden, ihre Krise deuten und zu bewältigen versuchen. Die Fälle waren zwischen 40 und 55 Jahre alt und mit einer Ausnahme weiblich. Sie unterrichten im Kindergarten, auf der Primar- und der Oberstufe.

Mangelnde Anerkennung, wachsende Entfremdung
Wie deuteten die Untersuchten ihren Zusammenbruch? Alle fühlten sich während Jahren chronisch unter Druck. Sie arbeiteten bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und verloren die Freude am Beruf. Dazu kam der Eindruck eines wachsenden Defizits an Anerkennung: von Seiten der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, der Kollegen, der Schulleitung und der Gesellschaft. Von ihnen allen würden sie nicht das zurückbekommen, was sie andauernd gäben, sagten die Untersuchten, die meist zusätzlich die Doppelbelastung von Familie und Beruf trugen.

Alle Untersuchten fühlten sich von ihrem Arbeitsort und der Institution Schule entfremdet. Sie deuteten die Bildungsreformen der letzten Jahre dahingehend, dass ihre Arbeit nicht mehr genüge. Die Auseinandersetzungen mit den durch die Reformen eingeführten Schulleitungen spielten bei der Hälfte der Fälle eine wichtige Rolle. Sie fühlte sich von den Querelen mit der – meist männlichen – Schulleitung aufgerieben.
Zusammenbruch trotz reibungslosem Unterricht
Die untersuchten Lehrpersonen zeigten eine hohe Leistungsorientierung und reagierten auf die Probleme mit noch grösserem Arbeitseinsatz; je belasteter sie sich fühlten, desto gewissenhafter bereiteten sie den Unterricht vor und desto mehr Zeit verbrachten sie im Schulhaus. Nur ein Teil der Betroffenen sah sich mit disziplinarischen Problemen konfrontiert. Die anderen schienen die Situation im Griff zu haben und mit der Klasse die anvisierten Lernziele zu erreichen. Konflikte mit Eltern und eine zunehmende Angst vor deren Reaktionen waren häufig die letzten Auslöser des Zusammenbruchs oder einer präventiv erfolgten Krankschreibung durch den Arzt.

Die Krankschreibung soll dazu dienen, dass sich die Betroffenen während einer bestimmten Zeit fernab vom Schulalltag regenerieren, um dann gestärkt ins Berufsleben zurückzukehren. Nach Kurt Hofer führt diese Praxis nicht zum Ziel. Die beschäftigungslose Zeit verunsichere die Beurlaubten, nach der Auszeit hielten sie an ihrem Arbeitsmuster fest und viele fürchteten eine Stigmatisierung. Als Alternative schlägt Hofer eine Unterstützung vor Ort vor: Statt dass die Lehrpersonen die Schule über längere Zeit verliessen, sollten Fachpersonen sie im Schulalltag temporär begleiten und mittels Coaching entlasten.

Kontakt
Prof. Dr. Kurt Hofer
Zentrum für Forschung und Entwicklung
Pädagogische Hochschule Bern
Fabrikstr. 2
CH-3012 Bern
Tel: +41 (0)31 309 22 07
E-Mail: kurt.hofer@phbern.ch

Ein Link zur Kurzfassung der Studie sowie der Text dieser Medienmitteilung stehen auf der Website des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung:

www.snf.ch > Medien > Medienmitteilungen

Kommunikation SNF | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie