Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chronische Migräne – Elektroden verhindern zwei Drittel der Kopfschmerz-Attacken

06.06.2013
In Deutschland leiden 400 000 Patienten unter chronischer Migräne. Ihnen setzen zehn bis fünfzehn Kopfschmerz-Attacken pro Monat zu, die Betroffene mitunter so intensiv empfinden wie Geburtswehen.

Wenn Medikamente nicht mehr helfen, gibt es eine neue Behandlungsmöglichkeit mit Elektroden. „Unsere Untersuchungen ergeben, dass die Elektroden Anfallshäufigkeit und Schmerzintensität um 70 Prozent senken können“, erklärt Professor Dr. med. Jan Vesper von der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) im Vorfeld des 111. Weltkongresses der International Neuromodulation Society.

Auf dem Kongress, der vom 8. bis 13. Juni 2013 in Berlin stattfindet, diskutieren Experten über den Einsatz von Elektroden etwa bei Migräne, Chorea Huntington, Inkontinenz, Depression, Alzheimer und Tourette-Syndrom. Die Krankenkassen zahlen für die Elektrodentherapie bei Migräne.

Zehn bis fünfzehn Prozent aller Menschen in Industrieländern leben mit gelegentlichen Migräne-Attacken. Etwa zwei Prozent der deutschen Bevölkerung – rund 400 000 Menschen – leiden unter chronischer Migräne. Ihnen setzen zwischen zehn und fünfzehn Anfälle pro Monat zu, wobei die Attacken die höchsten Werte auf der Schmerzskala von eins bis zehn erreichen und damit der Intensität von Geburtswehen entsprechen. „Der Leidensdruck bei Patienten mit chronischer Migräne ist ungeheuer groß“, erklärt Professor Jan Vesper von der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf.

Vielen Patienten, die an chronischer Migräne erkrankt sind, helfen Medikamente – vor allem Triptane oder Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Pregabalin. Darüber hinaus setzen Ärzte das Nervengift Botolinumtoxin ein, das bei chronischer Migräne an 36 Muskelpunkten an Kopf und Nacken injiziert wird. Schlagen diese Therapien nicht oder nicht mehr an, kommt eine Elektroden-Behandlung in Betracht – die sogenannte periphere Nervenfeldstimulation. „Das ist der Fall, wenn die Patienten mehr als sechs Triptane pro Monat benötigen, so dass eine Tendenz zum Medikamentenübergebrauch vorliegt“, erläutert Jan Vesper.

Bei der peripheren Nervenfeldstimulation legen Neurochirurgen am Übergang von Kopf zum Hals zwei Elektroden unter die Haut. Diese verbinden die Ärzte mit einer armbanduhrgroßen Batterie, die sie dauerhaft im Gesäß einpflanzen. Die Elektroden geben permanent Stromimpulse ab und stimulieren so den Gesichtsnerven „Nervus trigeminus“, der die Kopfschmerzen weiterleitet. Die elektrischen Reize unterbinden die Übermittlung der Schmerzsignale.

Die größte Studie, die Neurochirurgen bisher zur peripheren Nervenfeldstimulation am Universitätsklinikum Düsseldorf mit 21 Migräne-Patienten durchgeführt haben und die sie demnächst im Fachblatt „Cephalalgia“ veröffentlichen wollen, zeigt: Die Elektroden-Behandlung reduziert sowohl die Anzahl der Kopfschmerz-Attacken als auch die Intensität der Schmerzen um 70 Prozent. „Es kann nach der Implantation der Elektroden aber bis zu sechs Wochen dauern, bis die Wirkung einsetzt“, berichtet Studienleiter Jan Vesper. „Diese Zeit sollte man abwarten.“

Der Düsseldorfer Experte ist überzeugt, dass sich die periphere Nervenfeldstimulation in den kommenden Jahren als feste Therapiesäule bei chronischer Migräne etablieren wird. „Es gibt einen hohen Prozentsatz an Patienten, denen wir mit dieser Stimulationsmethode helfen können – bei sehr überschaubaren Risiken, die der Eingriff mit sich bringt“, bilanziert Vesper. Zu den Stimulationsverfahren zählt auch die Elektroden-Implantation bei Parkinson, die Neurochirurgen heute bereits routinemäßig einsetzen.
Die periphere Nervenfeldstimulation bei chronischer Migräne ist eine Kassenleistung. Zentren, die sich auf diese Methode spezialisiert haben, gibt es unter anderem in Düsseldorf, Kiel und Lübeck.

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC)
Kerstin Ullrich
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641
Fax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org

Kerstin Ullrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.awmf.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics