Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chitosan: Auf dem Weg zu Nervenimplantaten aus Krabbenpanzern

16.10.2013
Leitschienen für Nerven können aus Chitin gewonnen werden / MHH-Institut für Neuroanatomie und BIOHYBRID veröffentlichen erste Studie in „Biomaterials"

Bei Berufs-, Haushalts- und Freizeitunfällen treten häufig Nervenverletzungen auf, die oft Lücken zwischen durchtrennten Nerven hinterlassen. Normalerweise überbrücken Chirurgen diese mit körpereigenen Nerven.


(v. l.) Professorin Dr. Kirsten Haastert-Talini und Professorin Dr. Claudia Grothe im Labor
Foto: MHH/Kaiser

Doch dadurch entstehen neue Nervenverletzungen und außerdem ist körpereigenes Ersatzmaterial nur begrenzt verfügbar. Künstliche Nervenleitschienen könnten hier Abhilfe schaffen, bisher war deren Therapieerfolg bei Patienten aber nicht mit dem des körpereigenen Gewebeersatzes vergleichbar.

Einem von Professorin Dr. Claudia Grothe, Direktorin des Instituts für Neuroanatomie der Medizinischen Hochschule (MHH), koordinierten europäischen Forscherteam (BIOHYBRID Consortium) ist es nun gelungen, solche Schienen aus Krabbengehäusen herzustellen: In einem neuen Verfahren wird Chitosan, das vom Chitin aus Krabbengehäusen abstammt, so verändert, dass aus ihm Röhrchen hergestellt werden können.

Chitosan ist natürlich abbaubar und biologisch hoch verträglich. Die Chitosan-Nervenleitschienen sind formstabil, chirurgisch leicht vernähbar und mittelfristig abbaubar. Die Wissenschaftler verglichen drei Chitosan-Varianten im Tiermodell mit der Standardtherapie. „Eine war hierbei besonders geeignet, die gewebliche und funktionelle Wiederherstellung verletzter peripherer Nerven in vergleichbarem Ausmaß zu unterstützen wie die Standardtherapie“, sagt Professorin Grothe. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der angesehenen Zeitschrift „Biomaterials".

Den Wissenschaftlern liegt nun ein vielversprechendes Ausgangsprodukt für weitere Entwicklungen vor. Dabei werden derzeit die bisher hohlen Chitosanröhrchen dreidimensional mit Hydrogelen ausgestaltet und mit regenerationsfördernden Substanzen und gentechnisch modifizierten Zellen angereichert. Diese weiterentwickelten bioartifiziellen Nervenleitschienen werden anschließend auf ihre Eignung untersucht, auch längerstreckige, großflächige Nervendefekte erfolgreich überbrücken zu können. Auch an diesen Studien, die die Europäische Union mit insgesamt 5,9 Millionen Euro noch bis in das Jahr 2015 fördert, ist das MHH-Team um Professorin Grothe und Professorin Dr. Kirsten Haastert-Talini maßgeblich wissenschaftlich und koordinierend beteiligt.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professorin Dr. Claudia Grothe, Telefon (0511) 532-2897, grothe.claudia@mh-hannover.de. Die Publikation finden Sie im Internet unter folgendem Link: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24050875

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Nervenschmerzen zukünftig wirksamer behandeln
20.02.2017 | Universität Zürich

nachricht Immunsystem: Wer lockt die Polizisten auf Streife?
17.02.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel

20.02.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz