Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemotherapie oder Transplantation –Was hilft besser bei Leukämie?

24.06.2011
Wissenschaftler der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden koordinieren eine deutschlandweite multizentrische Therapiestudie zum Stellenwert der Stammzelltransplantation bei Patienten mit Akuter Myeloischer Leukämie (AML).

Insgesamt 30 große Kliniken in ganz Deutschland beteiligen sich an dem Projekt, das von Prof. Dr. Martin Bornhäuser geleitet wird. Die ersten Patienten wurden bereits in die Studie aufgenommen, insgesamt sollen es bundesweit 356 Patienten werden.


Akute myeloische Leukämiezellen
Bildquelle: Medizinische Klinik I / Universitätsklinikum Dresden

Die Rekrutierungszeit wird mit drei Jahren veranschlagt, vier Jahre sind für die Studienbetreuung vorgesehen. Mit ersten Ergebnissen rechnen die Forscher 2017. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG fördert das Vorhaben mit 1,2 Millionen für die ersten drei Jahre, nach zwei Jahren kann aber ein Antrag auf weitere Förderung gestellt werden. Die Studie ist international einzigartig, ihre Durchführung wurde u. a. vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und dem gemeinsamem Bundesausschuss gefordert und hat damit auch eine hohe politische Bedeutung.

In die randomisierte kontrollierte Studie werden AML-Patienten bis zum Alter von 60 Jahren aufgenommen, bei denen nach den ersten beiden Chemotherapien keine Leukämiezellen mehr erkennbar waren und sich in einer sogenannten Remission befinden.

„Obgleich zu diesem Zeitpunkt bereits ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Heilung erreicht ist, erleiden die meisten Patienten ohne weitere Therapie einen Rückfall der Erkrankung.“, sagt Professor Bornhäuser. „Zur Fortsetzung kann entweder weiter Chemotherapie gegeben oder eine allogene Stammzelltransplantation durchgeführt werden.“

Für die größte Gruppe von Patienten mit AML, die sogenannte Standardrisiko-Gruppe, liegen keine verlässlichen Daten darüber vor, ob eine der beiden Therapiemöglichkeiten die Lebenserwartung entscheidend verlängern kann oder beide Therapien gleich effektiv sind. Die Studie soll dafür wegweisende Erkenntnisse liefern. Dazu werden die in die Studie eingeschlossenen AML-Patienten mit Standard-Risiko und einem geeigneten Stammzellspender mittels Losverfahren in zwei verschiedene Gruppen eingeteilt – Gruppe 1 erhält eine Chemotherapie, bei der es statistisch weniger therapiebedingte Komplikationen, aber wahrscheinlich eine höhere Rückfallquote gibt. Gruppe 2 erhält eine allogene Transplantation, bei der es statistisch häufiger zu therapiebedingten Komplikationen kommt, dafür aber wahrscheinlich weniger Rückfälle verzeichnet werden.

„Alle Patienten werden über vier Jahre beobachtet, dann erfolgt eine Auswertung, ob eine der beiden Behandlungsarten das Leben der Patienten im Vergleich zur anderen Therapie verlängern kann oder ob die Therapien ebenbürtig sind“, erläutert Professor Bornhäuser. Hier gibt es auch hinsichtlich gesundheitsökonomischer Gesichtspunkte großen Erkenntnisbedarf, denn die Kosten der beiden Therapieformen sind sehr unterschiedlich. Außerdem wird nicht nur die Lebensdauer der Behandelten untersucht, sondern auch die Lebensqualität. Denn wenn eine Therapieform zwar die Lebensdauer geringfügig verlängern würde, aber die Lebensqualität massiv senkt, eröffnet sich ein weiteres Spannungsfeld bei der Entscheidung für den angemessenen Behandlungsweg. Bisher gibt es weltweit noch keine validen, also zuverlässigen Daten zu diesen Fragestellungen, was die Bedeutung der von Dresden aus durch Prof. Dr. Martin Bornhäuser und Dr. Christoph Röllig von der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus federführend koordinierten Studie klar aufzeigt.

Kontakt
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Dr. med. Christoph Röllig
Facharzt für Hämatologie und internistische Onkologie sowie
Leiter des Bereichs Klinische Studien der Medizinischen Klinik und Poliklinik I
Tel. (0351) 458 25 83
E-Mail: christoph.roellig@uniklinikum-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten