Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemosaturation: Neue hocheffektive, minimal-invasive Therapie am UKL in Anwendung

28.07.2016

Am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) wird seit einigen Monaten ein neues Verfahren zur Behandlung bösartiger Lebertumore angewendet. Die Chemosaturation genannte Therapie ist von den Experten der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie um Oberarzt Dr. Michael Moche erstmals im April dieses Jahres eingesetzt worden.

„Das Verfahren ist noch nicht sehr verbreitet, hat sich aber für bestimmte Indikationen als sehr wirksam herausgestellt“, erläutert Moche, der zusammen mit den Fachärzten Jochen Fuchs und Tim-Ole Petersen die neue Therapie am UKL eingeführt hat. Die Behandlung kommt allerdings zunächst nur dann zum Einsatz, wenn keine anderen geeigneten Behandlungen möglich sind.


Kardiotechniker Thomas Piroth (Life Systems, Mönchengladbach;links) und Anästhesist Peter Kliem (Arzt in Weiterbildung) mit dem Filter, der das Blut vom Chemotherapeutikum reinigt.

Stefan Straube / Universitätsklinikum Leipzig

„Wir müssen also von fortgeschrittenem, inoperablem Krebsbefall der Leber sprechen“, so der Leiter des Arbeitsbereichs Interventionelle Radiologie. Für den Betroffenen bedeute dies allerdings eine wesentliche Verlängerung der verbleibenden Lebenszeit – bei Erhalt der Lebensqualität.

Die Chemosaturation gehört zu den transarteriellen Therapien, der Zugang erfolgt über das oberflächliche Gefäßsystem, und sie ist damit minimalinvasiv. Der Operateur verfolgt seine Arbeit unter Röntgensicht über einen Bildschirm und hinterlässt nur drei kleine Einstichstellen an der Haut. „Im Grunde genommen handelt es sich hier um eine isolierte Chemotherapie der Leber“, beschreibt es Dr. Moche, „eine hocheffektive chemotherapeutische Behandlung des Organs, ohne dass das Gesamtsystem des Patienten relevant beeinträchtigt wird.“

Über die Schlagader der Leber wird ein Chemotherapeutikum gegeben. Normalerweise gelangt dieses bei seinem Austritt mit dem Blut über die Lebervenen dann in den Gesamtkreislauf, was zu starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schleimhautentzündungen, Blutbildveränderungen und Haarausfall führen kann.

Nicht so bei der Chemosaturation: Tritt das mit Chemotherapeutikum angereicherte Blut aus der Leber aus, wird es direkt abgesaugt, außerhalb des Körpers gefiltert und anschließend gereinigt in den Blutkreislauf zurückgeleitet.

„Dieser so genannte ‚extrakorporale Kreislauf´ ist Aufgabe der beteiligten Narkoseärzte, deshalb ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Anästhesisten des Universitätsklinikums von so großer Bedeutung“, hebt Moche hervor. Die erfolgreiche Durchführung dieses Verfahrens sei nur mit einem guten Team aus Spezialisten unterschiedlicher Fachdisziplinen möglich.

Klare Wirksamkeit gezeigt und bereits Einzug in die klinische Routine gefunden hat das Verfahren bisher bei Patienten mit einer speziellen Krebsart: Zur Behandlung von Metastasen des so genannten Aderhautmelanoms, einer speziellen Form von Augenkrebs, der vor allem in die Leber Metastasen setzt.

Doch Oberarzt Moche ist zuversichtlich: „Wir erwarten eigentlich, dass die Chemosaturation in Zukunft auch für andere, bisher schlecht behandelbare Krebsarten, zum Beispiel das Gallengangskarzinom, eingesetzt werden kann. Geplant ist, die Behandlung in solchen Fällen innerhalb von wissenschaftlichen Studien auch für geeignete Patienten des UKL zur Verfügung zu stellen.“

Um für die Therapie in Frage zu kommen, müssen die Betroffenen einen guten Allgemeinzustand aufweisen. Dann, so der Interventionelle Radiologe, gebe es allerdings auch keine Altersobergrenze. Dr. Moche: „Ich weiß von einem 80-jährigen Bergsteiger, der kurze Zeit nach seiner Behandlung wieder auf Alpengipfel geklettert ist.“

Nach dem Eingriff in Vollnarkose können die Patienten in aller Regel zwei bis drei Tage später wieder entlassen werden.

Markus Bien | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden «Krebssignatur» in Proteinen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt

05.12.2016 | Geowissenschaften

Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen

05.12.2016 | Ökologie Umwelt- Naturschutz