Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Calprotectin gegen tödlichen Schimmelpilz

22.03.2011
Für Patienten mit septischer Granulomatose kann die Infektion mit dem Schimmelpilz «Aspergillus» tödlich sein.

Forscherinnen und Forscher der Universität und des Universitäts-Kinderspitals Zürich haben nun entdeckt, dass das Protein Calprotectin eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr gegenüber einer Infektion mit diesem Pilz spielt. Diese Erkenntnis könnte zu einer neuen Behandlungsform für Patientinnen und Patienten mit septischer Granulomatose führen.

Infektionen mit Schimmelpilzen können bei Patienten mit chronischer Neutropenie oder einer Funktionsstörung der Neutrophilen zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie zum Beispiel einer septischen Granulomatose (CGD) führen.

An dieser angeborenen Immunschwächekrankheit erkrankt weltweit eins von 70’000 Neugeborenen pro Jahr. Kinder mit CGD leiden häufig unter lebensbedrohlichen mikrobiellen Bakterien- und Pilzinfektionen.

Sie sterben vor allem an Infektionen mit dem Schimmelpilz Aspergillus, bevor eine Knochenmarktransplantation oder Gentherapie ihnen hätte helfen können. Bei gesunden Menschen setzen die weissen Blutkörperchen, auch Neutrophile genannt, reaktive Sauerstoffverbindungen frei, um eindringende Pathogene abzutöten und zu verdauen. Bei CGD-Patienten fehlt den Neutrophilen die Fähigkeit, diese Mikroben abzutöten.

Janine Reichenbach, Fachärztin für klinische Immunologie und Forschungsgruppenleiterin am Universitäts-Kinderspital in Zürich untersucht die Mechanismen der angeborenen Immunität gegenüber Infektionen. In früheren Studien hat sie zusammen mit anderen Forschenden herausgefunden, dass normale Neutrophile extrazelluläre Strukturen bilden. Diese werden Neutrophile Extrazelluläre Fallen oder NETs genannt. Das besondere an diesen netzartigen Strukturen ist, dass sie Aspergillus-Pilze aufnehmen und einschliessen können, um die Infektion effizient zu kontrollieren.

Die Wissenschaftler des Universitäts-Kinderspitals Zürich haben in einem vom CGD Research Trust UK und der Gebert Rüf Stiftung (Programm «Rare Diseases – New Approaches») geförderten Projekt in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Umeå in Schweden neue Informationen zu CGD gewonnen. Sie verglichen die Funktion der Neutrophilen eines CGD-Patienten vor und nach der am Universitäts-Kinderspital in Zürich durchgeführten Gentherapie. «Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass das antimikrobielle Calprotectin, das in den NETs freigesetzt wurde, ebenfalls wichtig für die Immunabwehr der Neutrophilen gegenüber der Aspergillus-Infektion ist», erklärt Janine Reichenbach.

Zusammen mit dem Doktoranden Matteo Bianchi aus ihrer Gruppe am Universitäts-Kinderspital in Zürich und Forschern in Umeå hat Janine Reichenbach entdeckt, dass die Neutrophilen von CGD-Patienten keine NETs bildeten und vor der Gentherapie kein Calprotectin freisetzen können. Daher waren die Neutrophilen nicht in der Lage, Aspergillus abzutöten und zu verdauen. «Wir haben herausgefunden, dass die nach der Gentherapie korrigierten Neutrophilen wiederum die NETs-Struktur und Calprotectin freisetzen konnten», erklärt Matteo Bianchi. «Calprotectin spielt demnach eine wesentliche Rolle bei der Abwehr von Neutrophilen gegenüber einer Aspergillus-Infektion.»

«Unsere Studie könnte zu einer neuen Behandlungsform für CGD-Patienten führen und diese vor Pilzinfektionen schützen, falls es gelingt, die komplexere NETs-Bildung zu rekonstituieren», erklärt Janine Reichenbach.

Literatur:
Bianchi Matteo, Niemiec Maria J., Siler Ulrich, Urban Constantin F., Reichenbach Janine.: Restoration of anti-Aspergillus defense by neutrophil extracellular traps in human chronic granulomatous disease after gene therapy is calprotectin-dependent. Journal of Allergy and Clinical Immunology. doi: 10.1016/j.jaci.2011.01.021
Kontakte:
PD Janine Reichenbach
Universitäts-Kinderspital Zürich
Tel. +41 44 266 73 11
E-Mail: janine.reichenbach@kispi.uzh.ch
Beat Müller
Media Relations
Universität Zürich
Tel. +41 44 634 44 32
E-Mail: beat.mueller@kommunikation.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics