Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Buruli-Ulkus: Neue Behandlungsmethode in Sicht

18.02.2009
VolkswagenStiftung bewilligt rund 900.000 Euro für den Kampf gegen eine weit verbreitete tropische Krankheit.

Zu den wohl furchtbarsten Plagen im tropischen und subtropischen Afrika gehört der Buruli-Ulkus, eine Krankheit, die besonders die Armen in den ländlichen Regionen heimsucht.

Ausgelöst durch das Mycobakterium ulcerans - ein Verwandter des Lepraerregers - leiden die Betroffenen unter großflächigen Hautgeschwüren, die nicht selten zu Entstellungen führen. Viele Kinder sind von diesem Leiden betroffen und oft ein Leben lang gezeichnet. Denn die heute verfügbaren Behandlungsmethoden sind nicht zufriedenstellend.

Eine Gruppe von Medizinern, Biologen und Ingenieurwissenschaftlern konnte nun mit Unterstützung der VolkswagenStiftung im Rahmen einer Pilotstudie eine neue Behandlungsmethode entwickeln, die leicht anwendbar, billig und umweltverträglich ist. Dabei wird die Wärmeempfindlichkeit des Erregers ausgenutzt.

Privatdozent Dr. Thomas Junghanss, seine Arbeitsgruppe vom Universitätsklinikum Heidelberg sowie Partner aus Würzburg, der Schweiz und aus Kamerun haben die Effizienz ihrer Methode bereits erfolgreich nachweisen können. Die Ergebnisse dieser Studie sind aktuell veröffentlicht in der Public Library of Science (PLoS) Neglected Tropical Diseases: www.plosntds.org.

Nun geht es darum, das System für den Einsatz vor Ort weiterzuentwickeln. Die VolkswagenStiftung unterstützt auch dieses Forschungsvorhaben mit 897.000 Euro, und zwar in Ihrer Förderinitiative "Wissen für morgen - Kooperative Forschungsvorhaben im sub-saharischen Afrika.

Die neu entwickelte Behandlungsmethode beruht darauf, dass die Bakterien in der Haut lediglich in einem begrenzten Temperaturbereich lebensfähig bleiben. Setzt man sie für längere Zeit höheren Temperaturen aus, sterben sie. Dies erreichen die Projektpartner durch sogenannte "heat packs", wie wir sie als Handwärmer im Winter kennen. Der Inhalt dieser Wärmepakete ist nichts anderes als ein Zwei-Phasen-System, auch "phase change material"(PCM) genannt, das durch Erhitzen schmilzt und beim Abkühlen von der flüssigen zur festen Phase kristallisiert.

Für die Wärmebehandlung des Buruli Ulkus wurde ein Material verwendet, das einen Schmelzpunkt bei 58 Grad Celsius besitzt. Durch einen sterilen Verband, der das Hautgeschwür schützt, kommt auf der Hautoberfläche eine Temperatur von etwa 40 Grad Celsius zustande - eine Temperatur, die die Mycobakterien ausreichend schädigt, ohne den Patienten zu belasten.

Um die "heat packs" nach der Benutzung wieder aufzuladen, wird nur kochendes Wasser benötigt - ideal für ländliche Ressourcen-arme Gebiete. Die Ergebnisse der ersten "Proof-of-Principle"-Studie waren überzeugend: Die Geschwüre heilten ab, ein erneutes Auftreten der Krankheitserreger konnte bei den Patienten bislang, innerhalb der ersten achtzehn Monate nach Abschluss der Behandlung, nicht beobachtet werden.

Die bisherige Standardbehandlung, die chirurgische Entfernung der befallenen Gewebepartien mit anschließender Hauttransplantation, ist sowohl teuer als auch risikoreich und geht zudem mit hohen Rückfallquoten einher. Der Einsatz von Antibiotika (Rifampicin und Streptomycin) wurde immer wieder erwogen und ist derzeit erneut auf dem Prüfstand.

Die über mehrere Wochen erforderliche tägliche Spritze des Streptomycins bringt jedoch ebenso Probleme mit sich wie die potenzielle Resistenzentwicklung des Erregers. Mit der Wärmeapplikations-Methode könnte erstmals eine einfache und kostengünstige Behandlung etabliert werden, die gerade in den betroffenen ländlichen Regionen gut einsetzbar wäre.

Auf den Ergebnissen der Pilotstudie aufbauend verfolgen die Kooperationspartner nun das Ziel, die PCM-basierte Wärmeapplikation zu optimieren und die Funktionsmechanismen im Einzelnen zu erforschen. Es gilt, genaue Schemata für die Wärmedosierung zu entwickeln und den verschiedenen Krankheitsstadien anzupassen; ein verlässliches Einteilungssystem für die Krankheitsstadien zu entwickeln; die Effektivität der Behandlung vor Ort sicherzustellen.

Neben wissenschaftlichen Arbeiten wird es auch darum gehen, Mediziner und klinisch tätiges Personal in Afrika auszubilden und die erforderliche Labordiagnostik in den ländlichen Regionen einzurichten. Die bereits erprobte Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in Afrika bietet beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung vor Ort. Für den Projektkoordinator Privatdozent Dr. Thomas Junghanss war die Pilotstudie ein Erfolg interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Beteiligt waren neben Junghanss und Dr. Moritz Vogel vom Universitätsklinikum Heidelberg Professor Dr. Gerd Pluschke und Dr. Daniela Schütte vom Schweizerischen Tropeninstitut in Basel, Dr. Alphonse Um Book und sein Team von Leprosy Relief Emmaus-Switzerland, Bureau Régional pour l'Afrique, Yaoundé, Kamerun - sowie die Ingenieure Dr. Martin Hellmann, Dr. Helmut Weinläder und Stefan Braxmeier vom Bayrischen Zentrum für Angewandte Energieforschung in Würzburg.

Veröffentlichung
T. Junghanss, A. um Boock, M. Vogel, D. Schütte, H. Weinläder, G. Pluschke:
Phase change material for thermotherapy of Buruli ulcer: a prospective observational single centre proof-of-principle trial

PLoS Neglected Tropical Disease, Februar 2009

Kontakt
Universitätsklinikum Heidelberg
Dr. Thomas Junghanss
E-Mail: Thomas.Junghanss@urz.uni-heidelberg.de
Telefon: +237-9042341
Kontakte
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 - 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
Afrika-Initiative
Dr. Detlef Hanne
Telefon: 0511 8381 - 389
E-Mail: hanne@volkswagenstiftung.de

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de
http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20090217
http://www.plosntds.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics