Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brustkrebs-Früherkennung: Mammographie ohne signifikanten Mehrwert

24.02.2010
Müssen die Früherkennungs-Leitlinien für Brustkrebs überdacht werden?

Eine neue Multicenter-Studie legt diesen Schluss zumindest für Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko nahe. Demnach übertrifft die so genannte Magnetresonanz-Tomographie (MRT) sowohl Mammographie als auch Ultraschall deutlich, was die Zahl korrekt erkannter Tumoren anbelangt.

Die Studie mit knapp 700 Teilnehmerinnen stellt zudem die Kombination dieser diagnostischen Verfahren in Frage: Es scheint demnach auszureichen, Risiko-Patientinnen einmal jährlich mittels MRT zu untersuchen. Die Forscher konnten keinen signifikanten Mehrwert einer zusätzlichen Mammographie- oder Ultraschall-Untersuchung nachweisen. Die Resultate erscheinen nun im Journal of Clinical Oncology (doi: 10.1200/JCO.2009.23.0839).

An der Studie hatten zwischen 2002 und Mitte 2007 insgesamt 687 Frauen teilgenommen, die ein erhöhtes Brustkrebs-Risiko trugen. Sie wurden jährlich mittels MRT, Mammographie und Ultraschall untersucht. Bei 27 von ihnen fanden die Mediziner in diesem Zeitraum Brustkrebs oder Brustkrebs-Vorstufen ("DCIS", Ductales Carcinoma In Situ).

Die MRT hatte bei weitem die höchste Trefferquote: 25 der gefundenen Tumoren waren in der MRT sichtbar - das ist ein Anteil von 93 Prozent. Der Ultraschall kam nur auf 37 Prozent, die Mammographie gar lediglich auf 33 Prozent. Diese Ergebnisse belegen erneut eindrucksvoll, dass bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko eine wirkliche Früherkennung allein mit der MRT möglich ist. Allerdings empfehlen die bis heute geltenden Früherkennungs-Leitlinien, dass die MRT ausschließlich zusätzlich zu Mammographie und Sonographie eingesetzt wird. Speziell die Mammographie galt bislang als unverzichtbar Mit der EVA-Studie wurde dieses Konzept erstmals hinterfragt. Die Ergebnisse zeigen: Wird eine MRT zur Früherkennung durchgeführt, so ist durch eine Mammographie und/oder eine Sonographie die Entdeckungsrate von Brustkrebs oder Brustkrebs-Vorstufen nicht zu verbessern. Eine Brust-MRT ist demnach gleichsam notwendig und hinreichend für die Früherkennung. "Wird eine MRT durchgeführt, so ist eine Mammographie oder eine Sonographie unnötig", folgern die Wissenschaftler.

Die Teilnehmerinnen der EVA-Studie trugen ein erhöhtes Brustkrebs-Risiko, weil in ihren Familien Brustkrebsfälle aufgetreten waren. "Es handelte sich aber bei weitem nicht immer um eine sogenannte "Hochrisiko-Situation", also um Frauen, bei denen z.B. eine Genmutation (BRCA-Mutation) vorliegt oder sehr viele Familienmitglieder erkrankt sind", betont die Studienleiterin, Prof. Dr. Christiane Kuhl von der Radiologischen Universitätsklinik der Universität Bonn. "Vielmehr haben wir auch solche Frauen in die EVA-Studie aufgenommen, deren Risiko nur vergleichsweise leicht erhöht war." Die Wissenschaftler schließen daraus, daß zukünftig auch Frauen mit nur mäßig erhöhtem Risiko eine MRT zur Früherkennung angeboten werden sollte.

Geltende Leitlinien fragwürdig

Die aktuellen Leitlinien empfehlen die MRT nur für Frauen in Hochrisiko-Situation - und immer nur zusätzlich zu Mammographie und Sonographie. Somit werden diese Frauen derzeit einer jährlichen MRT, einer jährlichen Mammographie und einer halbjährlichen Sonographie unterzogen - und dies schon ab dem 30. oder sogar dem 25. Lebensjahr. "Derartige Empfehlungen sind im Licht unserer neueren Erkenntnisse nicht mehr haltbar", meint Kuhl. Eine Mammographie ist - im Gegensatz zur MRT - eine Röntgenuntersuchung, die mit einer Strahlenbelastung einhergeht. Im Normalfall ist die resultierende Strahlendosis auch bei regelmäßiger Mammographie unbedenklich. "Der Normalfall ist aber, dass eine Frau erst ab dem 50. Lebensjahr - und dann auch nur alle zwei Jahre - eine Mammographie erhält." Die strahlenbiologischen Folgen der aktuellen Leitlinie für Frauen in Hochrisiko-Situation sind dagegen unabsehbar. Problematisch ist dabei nicht nur die höhere Zahl von Mammographien und die damit einhergehende höhere Gesamtdosis ionisierender Strahlung, sondern speziell auch der frühere Beginn der mammographischen Früherkennung. Denn: "Das Brustdrüsengewebe junger Frauen ist sehr viel strahlenempfindlicher - das gilt zudem vermutlich in besonderem Maße gerade für Frauen mit BRCA-Mutation", so Kuhl. Gerade bei jungen Frauen war damit das Nutzen/Risiko-Verhältnis einer Mammographie immer schon fraglich. "Unseren aktuelle Ergebnisse zeigen aber: Wird eine MRT gemacht, so ist der Nutzen der Mammographie bei diesen Frauen gleich null. Damit kann - und sollte! - die Mammographie bei diesen jungen Frauen unterbleiben".

Auch der halbjährliche Ultraschall ist vermutlich unnötig - kein einziges Karzinom wurde durch die Sonographie zusätzlich entdeckt. "Zumindest verursacht die Sonographie keine Strahlenbelastung", stellt Kuhl fest, "allerdings führt sie zu vielen sogenannten falsch-positiven Diagnosen - also zu Fehlalarmen - und ist offenbar schlicht unnötig."

Den Kinderschuhen entwachsen

Die vier beteiligten Zentren aus Deutschland berichten sämtlich über ähnlich gute Ergebnisse mit der MRT. Dabei hilft sicherlich, dass in den vergangenen Jahren ein Kriterienkatalog erarbeitet wurde, nach dem MRT-Aufnahmen zu bewerten sind. "Was uns besonders freut", so Kuhl, "ist, dass die EVA-Studie belegt, dass die Brust-MRT endlich den Kinderschuhen entwachsen ist". Das zeigte sich daran, daß an allen Standorten der sogenannte "Positive Vorhersagewert" der MRT höher war als der der Mammographie oder der Sonographie. Konkret bedeutet dies: Falsch positive Befunde, also "Fehlalarme", werden durch die MRT nicht - wie früher unterstellt - besonders häufig ausgelöst - sondern sogar besonders selten.

Kontakt:
Professor Dr. Christiane Kuhl
Radiologische Klinik der Universität Bonn
Telefon: 0228/287-19875
E-Mail: kuhl@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics