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Wenn der Boden wankt: Schwindelzentrum für Mitteldeutschland am Uniklinikum Jena eröffnet

25.10.2013
Jeder fünfte Erwachsene ist betroffen / Neues Angebot in Mitteldeutschland steht allen Patienten offen / AOK Vorreiter mit erstem, interdisziplinären Angebot „Schwindeltherapie PLUS“

Jena. In Mitteldeutschland gibt es nun eine Anlaufstelle für Patienten, die unter chronischem Schwindel leiden. Am Universitätsklinikum Jena (UKJ) wurde jetzt mit dem „Schwindelzentrum“ an der Hans-Berger-Klinik für Neurologie ein spezialisiertes Zentrum für Menschen mit wiederkehrenden Schwindelattacken geschaffen. Die Anzahl der Betroffenen ist groß: Jeder fünfte Erwachsene leidet an regelmäßigen Schwindelattacken. Patienten mit chronischem Schwindel klagen häufig zusätzlich über Übelkeit, Fallneigung oder Angstzustände. Das neue Schwindelzentrum in Jena ist in Mitteldeutschland das einzige Angebot für diese Erkrankungen.

Damit setze das UKJ seinen Weg der Spezialisierung und fachübergreifenden Vernetzung fort: „Durch solche interdisziplinären Behandlungsangebote aus einer Hand finden Patienten schnelle Hilfe bei einem interdisziplinären Team aus Fachärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Pflegekräften. Durch den tagesklinischen Behandlungsansatz kann zudem ein kostenintensiver stationärer Krankenhausaufenthalt vermieden werden“, erklärt Dr. Brunhilde Seidel-Kwem, Kaufmännischer Vorstand des UKJ. Die Behandlung steht allen Patienten offen, unabhängig von ihrer Krankenkasse.

„Patienten mit chronischem Schwindel werden oft zu vielen verschiedenen Fachärzten geschickt. Es fehlen aber gerade für diese Patienten effektive und vernetzte Therapieangebote. Diese Lücke können wir nun schließen“, ergänzt Professor Otto Witte, Direktor der Klinik für Neurologie am Thüringer Universitätsklinikum. Das Schwindelzentrum ist aus einer Kooperation zwischen Neurologie und HNO-Klinik entstanden.

Uniklinikum Jena mit erstem evidenzbasierten Therapiekonzept in Mitteldeutschland

Der Leidensdruck der Patienten ist oft groß, so Professor Axer: „Bislang fehlten in Mitteldeutschland effektive und evidenzbasierte Therapiekonzepte. Bei einem Symptom wie dem chronischen Schwindel ist aber eine komplexe Therapie unverzichtbar, denn die Ursachen können eben in vielen verschiedenen und oft gleichzeitig in mehreren medizinischen Fachgebieten liegen.“

Auch daher ist für jeden Patienten ein individueller Therapieplan erforderlich. Dazu zählt etwa ein systematisches Gleichgewichtstraining, eine Desensibilisierung oder auch Entspannungsverfahren. Denn auch psychische Faktoren können zu den Ursachen zählen. Anmeldungen für ambulante Vorstellungen können direkt im Schwindelzentrum unter 03641/9325785 erfolgen.

Vielfältige Ursachen

Die tagesklinische Behandlung erfolgt nach einem festgelegten Ablauf. Der Vorteil für die Patienten: Sie können am späten Nachmittag die Klinik wieder verlassen. Eine erste ambulante Vorstellung dient der fachübergreifenden Beurteilung des Schwindels. Die tagesklinische Behandlung im neuen UKJ-Schwindelzentrum erfolgt intensiv über fünf Tage verteilt jeweils von 8 bis 16 Uhr. Während der Behandlung wechseln sich z.B. krankengymnastische Einheiten mit speziellen Schwindelschulungen und psychologischen Einzelgesprächen ab. Der individuelle Fortschritt wird durch exakte elektronische Gleichgewichtsmessungen fortlaufend erfasst.

„Die Ursachen einer Erkrankung können vielfältig sein, etwa in Folge eines Schlaganfalls, einer Störung des Gleichgewichtsorgans („Vestibularapparat“ im Innenohr) oder auch einem gutartigen Lagerungsschwindel. Auch Migräne kann eine Schwindelattacke auslösen. Zudem gibt es verschiedene Formen, wie Dreh-, Schwank- oder Benommenheitsschwindel“, so Professor Hubertus Axer, Leiter des UKJ-Schwindelzentrums. Auf der Basis einer strukturierten Diagnostik werden interdisziplinär-fachübergreifende Behandlungsprogramme für den chronischen Schwindel angeboten.

AOK PLUS schließt ersten Vertrag zur vernetzten Versorgung von Schwindelpatienten

Als erste Krankenkasse bietet dabei die AOK PLUS zusammen mit dem Schwindelzentrum am Uniklinikum Jena eine Unterstützung, die über die regulären Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten hinausgeht. Die Kasse hat jetzt gemeinsam mit dem UKJ den Vertrag „Schwindeltherapie PLUS“ zur speziellen Versorgung ihrer Versicherten unterzeichnet. Dabei geht es vor allem um die fachübergreifende Betreuung der Patienten und die strategische Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und dem Zentrum.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK PLUS, Rainer Striebel, sagte zum Start des Vertrages: „Mit diesem exklusiven Angebot verbessern wir die Versorgung von Schwindelpatienten nachhaltig. Gemeinsam mit den Ärzten des Uniklinikums Jena setzen wir damit ein Signal gegen die bestehende Unter- und Fehlversorgung in diesem Bereich. Wir wollen erreichen, dass durch diese neue Behandlungsmöglichkeit die Lebensqualität von Betroffenen steigt, Schwindelattacken und Krankenhausaufenthalte reduziert und Arbeitsunfähigkeitszeiten minimiert werden“.

Der Vertrag „Schwindeltherapie PLUS“ zwischen Uniklinikum Jena und AOK läuft vorerst bis Ende 2015 und wird wissenschaftlich von der Klinik begleitet. Teilnehmen können alle Versicherten der AOK PLUS ab dem 18. Lebensjahr. Die Vertragsärzte sind informiert. Anfragen kann man direkt am kostenfreien Servicetelefon der Kasse unter 0800/ 2471001.

Kontakt Schwindelzentrum
Universitätsklinikum Jena
Schwindelzentrum
Hans Berger Klinik für Neurologie
Erlanger Allee 101
07747 Jena
Tel. 03641/9 325 785
Fax. 03641/9 325 792

Stefan Dreising | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-jena.de

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