Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutzuckersenker für Typ-2-Diabetiker nur selten einsetzen: Nutzen und Risiken bei Avandia abwägen

24.02.2010
Das Diabetes-Medikament Avandia könnte in den USA vom Markt genommen werden. Anlass für die erneute Diskussion ist eine Untersuchung des US-Senats.

Darin wird das Präparat mit über 300 Todesfällen in den USA allein im 3. Quartal 2009 in Verbindung gebracht. In Deutschland wird das Medikament relativ selten verschrieben: Entweder in Kombination mit anderen Antidiabetika, die allein nicht zum gewünschten Erfolg führen, oder als Ersatz-Medikament, wenn Patienten andere Mittel nicht vertragen.

Avandia wird für Typ-2-Diabetiker nur empfohlen, wenn ihre Risiko-Nutzen-Bewertung zugunsten des Medikamentes ausfällt. Darauf weisen Experten von diabetesDE und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich aktueller Berichte aus den USA hin.

Das Präparat Avandia gehört zur Wirkstoffgruppe der Glitazone und wird auch in Deutschland an Typ-2-Diabetiker verschrieben. Unerwünschte Nebenwirkungen von Avandia und weiterer Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Glitazone werden in Fachkreisen schon seit Jahren kontrovers diskutiert. Zu den Nebenwirkungen zählen beispielsweise Wassereinlagerungen im Gewebe, Herzschwäche und vermehrte Knochenbrüche bei Frauen.

Empfohlen werden Glitazone in Deutschland deshalb vor allem dann, wenn das individuelle Risiko für die genannten Nebenwirkungen gering ist und die Vorteile überwiegen. Diese können darin bestehen, den Stoffwechsel zu verbessern und das Risiko für Gefäßschäden zu minimieren: Denn Glitazone führen nicht zu Unterzuckerungen bei Typ-2-Diabetikern und sind problemlos mit weiteren Antidiabetika kombinierbar. Sie sollten als "Reservemittel" - als sogenannte Second-Line-Medikamente - verordnet werden. Es profitieren vor allem die Patienten, bei denen andere Medikamente Unterzuckerungen verursachen - eine große Gefahr für Diabetiker. Denn häufige Unterzuckerungen werden ebenfalls mit einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht und sind für die Betroffenen immer einschneidende Ereignisse.

Im November 2008 hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) festgestellt, dass Glitazone für definierte Patientengruppen einen belegbaren Nutzen haben können. Im gleichen Gutachten hat es auch die seit längerem bekannten Nebenwirkungen dokumentiert. In den USA ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen: Die zuständige Behörde, die Food and Drug Administration (FDA), plant im Juli 2010 ihren Abschlussbericht nach Auswertung der RECORD-Studie. Diese untersuchte Nutzen und Nebenwirkungen von Avandia und wurde auf der Jahrestagung der American Diabetes Association 2009 vorgestellt.

Ärzte müssen deshalb gemeinsam mit den Patienten entscheiden, ob der Einsatz der Präparate sinnvoll ist. Entscheidend hierbei ist das Nutzen-Risiko-Profil jedes Patienten. Auch andere Therapieoptionen haben - wie alle wirksamen Medikamente - ebenfalls Nebenwirkungen. Die Diabetes-Experten von diabetesDE und der DDG empfehlen verunsicherten Patienten, die Avandia einnehmen, mit ihrem Arzt über ihr Nutzen-Risiko-Profil zu sprechen.

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle diabetesDE/DDG
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 -295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org

Beate Schweizer | idw
Weitere Informationen:
http://www.diabetesde.org
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie