Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bluttest soll Lungenkrebs aufdecken

09.01.2018

Krebsfrüherkennung für COPD-Patienten kann Leben retten

Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) haben ein besonders hohes Risiko, zusätzlich an Lungenkrebs zu erkranken. Ein Homburger Forscherteam will nun einen Bluttest entwickeln, der frühzeitig darüber Auskunft gibt, ob sich bei den Betroffenen schon ein Tumor gebildet hat.


Ein solcher Test könnte Leben retten, denn je früher ein Lungentumor erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 166.000 Euro.

„Sie haben Lungenkrebs!“ – für die Erkrankten eine schockierende Nachricht. Denn das Bronchialkarzinom, so der medizinische Fachausdruck für Lungenkrebs, wird meist erst spät erkannt und ist dann lebensbedrohlich.

Eine frühe Diagnose ist daher wichtig, um die Heilungschancen von Lungenkrebspatienten zu verbessern. Bis dato eignet sich jedoch kein Verfahren für eine breit angelegte Früherkennung, da alle bisherigen Methoden zu ungenau sind und auch zu Fehldiagnosen führen können. Dies ist besonders schwerwiegend für COPD-Patienten, da bei ihnen ein hohes Lungenkrebsrisiko besteht.

Zukunftsweisend: Frühe Krebsdiagnostik durch Biomarker

Doch neue Forschungsergebnisse lassen hoffen. Was wie Science-Fiction klingt, wird möglicherweise bald Realität: Ein einfacher Bluttest soll nachweisen, ob Patienten mit COPD an Lungenkrebs erkrankt sind oder nicht.

Entwickelt wird dieser Test derzeit von Wissenschaftlern um Professor Dr. Eckart Meese am Institut für Humangenetik in Kooperation mit Professor Dr. Robert Bals, Professor Dr. Andreas Keller und Professor Dr. Hans-Peter Lenhof, Zentrum für Bioinformatik der Universität des Saarlandes. Ihr Ansatz: Biomarker im Blut der Patienten zeigen einen möglichen Tumor an.

Schicksalsträger: MicroRNAs

Bisherige Forschungsergebnisse des Projektleiters Meese zeigen, dass sogenannte microRNAs erfolgversprechende Biomarker für Lungenkrebs sind. MicroRNAs sind kleine Moleküle, die beim Ablesen und Verarbeiten der Erbinformation eine wichtige Rolle spielen: Sie schalten nicht benötigte Genabschnitte aus und steuern so, welche Proteine in einer Zelle produziert werden.

In krankhaft veränderten Zellen weisen microRNAs einen anderen molekularen Fingerabdruck auf als in gesunden Zellen. „MicroRNAs lassen sich im Blut nachweisen und können so Hinweise auf eine bestehende Erkrankung liefern. Für die Krebsfrüherkennung wäre das ein wichtiger Schritt“, erklärt Meese. Der Humangenetiker und sein Team untersuchen das Blut von COPD-Patienten nach den verräterischen Molekülen.

„Unser Ziel ist es, micro-RNAs als Biomarker für Lungenkrebs einzusetzen. Gelingt es uns, die Methode zu etablieren, steigen damit die Heilungschancen der Betroffenen.“ Auch bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsen- oder Prostatakrebs erbrachte diese Vorgehensweise schon relevante Ergebnisse. „Bis das fortschrittliche, interdisziplinäre Verfahren als Routinediagnostik denkbar ist, wird allerdings noch viel Forschungsarbeit nötig sein“, erläutert der Projektleiter.

„Wenn zukünftig eine Blutprobe für eine zuverlässige Krebsdiagnose ausreicht, wäre das ein entscheidender Durchbruch für verbesserte Diagnoseverfahren und steigende Heilungschancen“, erklärt Gerd Nettekoven, Vorstandvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

Hintergrundinformation Lungenkrebs
Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Berlin erkranken jährlich rund 55.000 Menschen neu an Lungenkrebs. Es ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen. Mit etwa 35.000 Neuerkrankungsfällen pro Jahr sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. Allerdings steigt die Zahl der Frauen stetig. Die Ursache: Immer mehr Frauen rauchen. So zeigt sich seit den 1970er Jahren bei Frauen eine Verdreifachung der Lungenkrebsrate, bei Männern ist diese um ein Viertel gesunken. Die Deutsche Krebshilfe bietet allen Betroffenen und Interessierten umfassende kostenfreie Informationsmaterialien zum Thema „Lungenkrebs“ an, wie beispielsweise den blauen Ratgeber. Dieser informiert unter anderem über Diagnostik, Behandlungsmöglichkeiten und Nachsorge. Er steht auch zum Download bereit unter www.krebshilfe.de

Projektnummer: 70111450

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de

Christiana Tschoepe | Deutsche Krebshilfe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics