Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutschnelltest für Malaria

31.07.2014

Siemens arbeitet an einem Verfahren, um Blutproben routinemäßig auf Malaria zu testen.

Normalerweise diagnostizieren Ärzte die Tropenkrankheit, indem sie unter dem Mikroskop die Parasiten im Blut identifizieren. Häufig jedoch wird in Ländern mit hoher Verbreitung fast jedes Fieber mit Malariamitteln behandelt - ohne zu wissen, ob es sich wirklich um die Krankheit handelt.


Umgekehrt bringen Ärzte in Ländern mit geringem Malariarisiko die Symptome oft nicht mit dem Tropenfieber in Verbindung und erkennen die Krankheit zu spät.

Wissenschaftler der globalen Siemens-Forschung Corporate Technology haben nun eine Methode gefunden, die aus den Messwerten eines Standard-Bluttests eine Indikation auf Malaria herausliest.

Dies berichtet das Siemens-Forschungsmagazin Pictures of the Future. Ziel ist, das Auswerteverfahren in das Siemens-Hämatologie-System ADVIA 2010, das weltweit in vielen Krankenhäusern verwendet wird, zu implementieren.

Malaria ist eine der schlimmsten Tropenkrankheiten überhaupt. Im Jahr 2012 zählte die Weltgesundheitsorganisation rund 200 Millionen Erkrankungen und mehr als 600.000 Todesfälle.

Ein Problem sind die unspezifischen Symptome. Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost können viele Ursachen haben. Außerdem brauchen Laboranten viel Erfahrung, um unter dem Mikroskop zweifelsfrei Malariaparasiten im Blut zu erkennen. Experten geben an, dass weltweit nur etwa ein Zehntel aller Fälle diagnostiziert wird. Besser wäre es, die Infektion aus dem Blutbild herauslesen zu können.

Dazu fehlt ein klarer Indikator: Malaria verändert zwar bestimmte Blutwerte wie etwa die Zahl der Blutplättchen, aber das trifft auch auf andere Krankheiten zu.  Die Idee war nun, Malaria anhand einer charakteristischen Kombination mehrerer Blutwerte zu erkennen.

Zusammen mit Kollegen von Siemens Healthcare analysierten die Forscher von Corporate Technology anonymisierte Blutanalysedaten von gesunden Menschen und von Malariapatienten. Systems zunächst diejenigen Parameter aus, die potentiell mit Malaria in Verbindung stehen konnten. Dann suchten sie mithilfe statistischer Methoden nach charakteristischen Messwertemustern in den Blutproben der Malariapatienten.

Das Ergebnis ist eine Formel, um in Blutanalysedaten nach diesem Malaria-Muster zu suchen.  Die Methode lässt sich für verschiedene Fragestellungen anpassen. Manchmal ist es wichtig, schon bei geringstem Parasitenbefall eine Malariaindikation festzustellen, also sehr empfindlich zu messen.

In anderen Situationen möchte der Arzt möglichst hohe Gewissheit, also ein möglichst geringes Fehlalarm-Risko. Für beide Fälle - Sensitivität sowie Spezifizität - liefert die Malaria-Vorher­sage-Formel sehr gute Werte.  Grundlage der Formel sind Blutwerte für die am häufigsten auftretende Form der Malaria.

Zurzeit entwickeln die Forscher ihre Methode weiter, um zwischen den sieben verschiedenen Malariaarten unterscheiden zu können und um zu prüfen, wie gut ihr Verfahren für die unterschiedlichen Krankheitsformen ist. Außerdem analysieren sie weitere Blutdatensätze aus verschiedenen Regionen weltweit, um das Verfahren noch robuster zu machen. (2014.07.5)

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens InnovationNews
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovation

Weitere Berichte zu: Blut Blutplättchen Blutwerte Fieber Infektion Malaria Mikroskop Siemens Technology Verbreitung Werte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie