Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutkonservenmangel: Studie ermittelt wirksame Anreize für die Erhöhung des Spendenaufkommens

22.10.2008
Der medizinische Fortschritt macht immer mehr komplizierte Operationen möglich, lässt aber zugleich den Bedarf an Spenderblut in die Höhe schnellen. So beklagen bereits viele Kliniken einen dramatischen Mangel an Blutkonserven, dem nur durch eine Steigerung der Spendebereitschaft in der Bevölkerung begegnet werden kann.

Wie sich dieses Ziel am sinnvollsten erreichen lässt, hat ein italienisches Forscherteam in zwei verschiedenen Studien untersucht, die beim Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) erschienen sind.

Für ihre Analyse machten sich die Verhaltensökonomen Nicola Lacetera und Mario Macis eine Besonderheit der italienischen Gesetzgebung zunutze, die freiwilligen Spendern einen arbeitsfreien Tag für jede Blutspende gewährt. Die Kosten werden dem Arbeitgeber vom Staat erstattet. Anders als bei finanziellen Aufwandsentschädigungen kommt diese Regelung also nur abhängig Beschäftigten zugute. Inwiefern sich eine Änderung des Beschäftigungsstatus - vor allem der Wechsel von der Nichtbeschäftigung oder Arbeitslosigkeit in den Arbeitsmarkt - auf die Spendebereitschaft auswirkt, konnten die Autoren der Studie anhand von Daten zu mehr als 2.500 Blutspendern einer italienischen Stadt aus den Jahren 1985-1989 und 2002-2006 ermitteln.

Das Ergebnis: Wer einen Anspruch auf Freizeitausgleich für jede Blutspende erwirbt, spendet durchschnittlich um rund 30% häufiger als vorher. Die Anreizwirkung der italienischen Regelung ist also beachtlich. Kritiker beklagen hingegen die hohen Kosten des bezahlten Sonderurlaubs auch für solche Spender, die gar keine Entschädigung verlangt hätten. Allerdings fanden die Forscher heraus, dass ungeachtet der gesetzlichen Regelung die meisten Blutspenden an Samstagen, also außerhalb der Arbeitszeit, geleistet werden. Das führen die Ökonomen zum einen auf die rein altruistische Motivation vieler Spender zurück, die keine Gegenleistung für ihre "gute Tat" verlangen wollen. Zum anderen ist für Selbstständige oder Mitarbeiter kleinerer Betriebe die Unabkömmlichkeit am Arbeitsplatz ein wichtiger Grund, auf den freien Tag zu verzichten. Denn wie die Studie ergab, zählen zu den "Nutzenmaximierern", die bevorzugt freitags oder montags spendeten, um in den Genuss ein verlängerten Wochenendes zu kommen, überwiegend Angestellte von Großunternehmen mit umfangreichem Kündigungsschutz.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt neben der ökonomischen und der altruistischen Motivation auch die gesellschaftliche Anerkennung. So konnten die Forscher belegen, dass sich die Spendebereitschaft durch symbolische Auszeichnungen spürbar erhöhen lässt. Besonders ausgeprägt ist der Effekt, wenn die Ehrung in der Öffentlichkeit stattfindet.

Demnach ist eine Kombination aus nicht-monetären Anreizen am besten geeignet, dem Blutkonservenmangel entgegen zu wirken. Umgekehrt warnen die Wissenschaftler davor, das Spendenaufkommen allein durch eine höhere finanzielle Aufwandsentschädigung steigern zu wollen. Denn dadurch würde man all jene abschrecken, die nicht des Geldes wegen Blut spenden - oder nicht in diesem Ruf stehen wollen.

Der Volltext der englischsprachigen Studien ist kostenlos über die IZA-Homepage abrufbar.

Nicola Lacetera, Mario Macis: Motivating Altruism: A Field Study
IZA Discussion Paper No. 3770, Bonn: Oktober 2008.
http://ftp.iza.org/dp3770.pdf
Nicola Lacetera, Mario Macis: Social Image Concerns and Pro-Social Behavior
IZA Discussion Paper No. 3771, Bonn: Oktober 2008.
http://ftp.iza.org/dp3771.pdf

Holger Hinte | idw
Weitere Informationen:
http://www.iza.org
http://ftp.iza.org/dp3770.pdf
http://ftp.iza.org/dp3771.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie