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Bluthochdruck durch genetische Mutation

18.02.2013
Bluthochdruck kann in bis zu zehn Prozent aller Fälle durch hormonproduzierende Tumoren der Nebennieren bedingt sein.

Endokrinologen der LMU München und der Universitätsklinik Paris sowie Strukturbiologen der dänischen Universität Aarhus und Humangenetiker des Helmholtz Zentrums München konnten nun gemeinsam genetische Mutationen nachweisen, die solchen Tumoren zugrunde liegen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal ‚Nature Genetics‘ veröffentlicht.

Das Hormon Aldosteron wird von den Nebennieren gebildet und reguliert neben anderen Botenstoffen den Blutdruck sowie den Wasserhaushalt. Gutartige Tumoren der Nebenniere können ein Vielfaches der normalen Aldosteronkonzentration produzieren. Die Folge ist ein erhöhter Blutdruck, der sich häufig nicht mit Medikamenten beherrschen lässt. Die Wissenschaftler des Instituts für Humangenetik (IHG) am Helmholtz Zentrum München fanden in Gewebeproben solcher Aldosteron-produzierender Tumoren – nicht aber im gesunden Gewebe – Veränderungen der Gene zweier Elektrolytpumpen (ATP1A1 und ATP2B3).

In der Folge ist die intrazelluläre Elektrolytzusammensetzung gestört, was zu einer vermehrten Ausschüttung des Aldosterons führt. ATP1A1 und ATP2B3 sind Vertreter der Natrium-Kalium-Transporter bzw. Natrium-Kalzium-Transporter. Diese steuern den Elektrolythaushalt der Zellen und gehören zu den biochemisch meisterforschten Proteinen. Bislang waren keine Krankheits-verursachenden Alterationen in der genetischen Information der beiden Transporter bekannt.

Die neu beschriebenen Mutationen betreffen etwa sieben Prozent der Aldosteron-produzierenden Tumoren. Die Fehler in der DNA werden nicht vererbt, sondern entstehen im Laufe des Lebens in der Nebennierenrinde. Eine solche bereits 2011 identifizierte Mutation im KCNJ5-Gen, das für einen Kalium-Kanal kodiert, liegt bei 30-40 Prozent der Tumoren vor. Für die Diagnose des durch erhöhte Aldosteronkonzentrationen bedingten Bluthochdrucks sind bisher aufwendige Untersuchungen notwendig. „Die neuen molekulargenetischen Erkenntnisse über Aldosteron-produzierende Tumoren können vor allem dazu genutzt werden, die diagnostischen Möglichkeiten zu verbessern“, sagt Dr. Tim Strom vom IHG.

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie Bluthochdruck, gehören zu den weit verbreiteten Erkrankungen in Deutschland. Ziel des Helmholtz Zentrums München ist es, neue Ansätze für Diagnose, Therapie und Prävention der großen Volkskrankheiten zu entwickeln.

Weitere Informationen

Original-Publikation:
Beuschlein, F. et al. (2013), Somatic mutations in ATP1A1 and ATP2B3 lead to aldosterone-producing adenomas and secondary hypertension, Nature Genetics, doi: 10.1038/ng.2550

Link zur Fachpublikation http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.2550.html

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören.

Fachlicher Ansprechpartner
Dr. Tim Strom, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Humangenetik, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3297 - E-Mail strom@helmholtz-muenchen.de

| Helmholtz Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-muenchen.de

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